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EXPERTENTIPP: Werbungskosten und Sonderausgaben

Ob der PC auf dem Schreibtisch oder die Fahrt zum Job - es gibt viele Möglichkeiten, sich via Steuererklärung Geld vom Staat zurückzuholen.

Ob der PC auf dem heimischen Schreibtisch, der »Blaumann« für die Montagehalle oder die Fahrt zwischen Wohnung und Job - es gibt viele Dinge, die Arbeitnehmer in ihrer Steuererklärung anführen können, um sich Geld vom Staat zurückzuholen.

Allerdings ist die Unterscheidung zwischen Werbungskosten, Sonderausgaben und den so genannten außergewöhnlichen Belastungen nicht einfach. Gerade bei den Werbungskosten sei zuletzt vieles noch komplizierter geworden, sagt Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler in Wiesbaden. Umso bedeutsamer ist es, in den Formularen nichts Wichtiges zu vergessen.

Werbungskosten: Erzielung, Erhaltung, Sicherung des Einkommens

Werbungskosten sind Ausgaben von Arbeitnehmern, die der Erzielung, Erhaltung oder Sicherung ihres Einkommens dienen. Hier gewährt das Finanzamt grundsätzlich eine steuerfreie Pauschale von 2.000 Mark pro Jahr. Ziel beim Ausfüllen der Steuererklärung muss also sein, diesen Betrag zu überschreiten, denn jede zusätzliche Mark, die der Steuerzahler geltend machen kann, vergrößert seine Erstattung.

Zu den Werbungskosten gehören klassischerweise Fahrtkosten. Im Jahr 2000 gab es noch nicht die neue Entfernungspauschale, allerdings konnten Autofahrer für die einfache Strecke zwischen ihrer Haustür und dem Firmenparkplatz 70 Pfennig pro Kilometer absetzen.

Wird das Auto für dienstliche Zwecke genutzt und erstattet der Arbeitgeber dafür nichts, können 52 Pfennig pro tatsächlich gefahrenen Kilometer - also nicht nur für die einfache Strecke - angesetzt werden. Dazu muss eine Liste mit Datum, Ziel und Zweck der einzelnen Touren beim Finanzamt eingereicht werden, so Peter Runge aus Berlin, Vorsitzender des Steuerrechtsausschusses im Deutschen Steuerberaterverband (DStV).

Fahrtkosten sind der größte Posten

Die Kosten in Folge von Verkehrsunfällen auf dem Weg zur Arbeit oder auf Dienstfahrten können als Werbungskosten angesetzt werden - dies werde oft vergessen, weiß Vanscheidt. Aber auch ohne Aufenthalt in der Werkstatt machen die Fahrtkosten bei vielen Arbeitnehmern die größte Position der Werbungskosten aus.

Dies führt bislang oft dazu, dass Steuerzahler, die in Großstädten leben und arbeiten, nicht die Pauschale von 2.000 Mark erreichen. Pendler, die im ländlichen Raum täglich größere Strecken zu bewältigen haben, hätten damit seltener Probleme, so Udo Strick von der Lohnsteuerhilfe Bayern in Regenstauf.

Wird der Fiskus künftig den heimischen PC inspizieren?

Zu den Werbungskosten zählen auch Ausgaben für den PC und für das Arbeitszimmer daheim. Hier gibt es oft Ärger mit dem Fiskus: Computer dürften nicht »mit Spielen vollgepropft sein«, warnt Runge, sonst sei keine Absetzbarkeit gegeben. Die Finanzverwaltung beginne in dieser Frage gerade umzudenken: Es sei vorstellbar, dass der Staat künftig Rechner besichtigen lasse, bevor er sie in der Steuererklärung akzeptiert. Ähnliches habe es früher bei den Arbeitszimmern gegeben.

Möbelstücke für das Arbeitszimmer müsse der Staat akzeptieren, sagt Runge. Beim Anteil des Heimbüros an den Mietkosten allerdings müssen Voraussetzungen erfüllt sein, um daraus Werbungskosten zu machen: Beim Arbeitgeber darf kein eigener Schreibtisch vorhanden sein, dazu muss mindestens die Hälfte der Arbeitszeit zu Hause verbracht werden.

Je nach Job können weitere Werbungskosten hinzu kommen: Wer aus beruflichen Gründen doppelte Haushaltsführung betreiben muss, hat erheblich erweiterte Absetzmöglichkeiten. Auch Fachliteratur kann in der Steuererklärung angegeben werden - allerdings nur gegen Beleg.

In bestimmten Fällen kann Verpflegungsmehraufwand ersetzt werden, etwa bei Bauarbeitern, die auf ihrer Baustelle übernachten, oder bei Taxi- und Lkw-Fahrern. Wer mehr als acht Stunden am Tag nicht zu Hause ist, kann dann zehn Mark täglich absetzen, bei mindestens 14 Stunden sind es 20 Mark, bei mehr als einem Tag sogar 46 Mark - immer unter der Voraussetzung, dass nicht schon der Arbeitgeber dafür gezahlt hat.

Außergewöhnliche Belastung Scheidung

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen laut Peter Runge unter anderem Scheidungskosten, Krankheitskosten, die nicht von einer Krankenversicherung bezahlt worden sind, und die Unterstützung von Eltern, die keine ausreichende Rente beziehen. Dies treffe häufig auf Ausländer zu, die Geld in die Heimat senden.

Oft ist die Anerkennung solcher Zahlungen mit Problemen verbunden, etwa dann, wenn Dokumente übersetzt werden müssen. Hier komme man selten ohne Hilfe von Profis zu günstigen Ergebnissen. Angerechnet werden können all diese Kosten außerdem nur unter Berücksichtigung einer zumutbaren Eigenbelastung.

Beschränkt oder unbeschränkt abziehbar?

Bei den Sonderausgaben wird unterschieden zwischen beschränkt und unbeschränkt abziehbaren Posten. In vollem Umfang steuermindernd sind zum Beispiel die Kirchensteuer und Steuerberatungskosten. Letztere werden weit ausgelegt: »Wenn Sie einen Unfall mit dem Auto haben, und Sie sind zufällig gerade auf dem Weg zum Steuerberater, um Unterlagen abzugeben, dann können Sie die Unfallkosten als erweiterte Steuerberatungskosten voll absetzen«, lautet ein Tipp von Runge.

Beschränkt abziehbar sind dagegen etwa Ausbildungskosten für einen neuen Beruf: Hier sind pro Jahr maximal 1.800 Mark absetzbar, erklärt Strick. Findet die Ausbildung auswärts statt, sind es 2.400 Mark. Wer sich dagegen im ausgeübten Beruf weiterbildet, kann seine Ausgaben als Werbungskosten geltend machen - und zwar in unbeschränkter Höhe.

Das Maximum vom Staat zurückzubekommen, ist also kompliziert - zumal der Finanzbeamte zum Teil auch nach Ermessen entscheiden darf. Bei Berufskleidung etwa können in einigen Regionen Deutschlands pauschal 200 Mark pro Jahr abgesetzt werden, in anderen werden Belege für jedes Kleidungsstück verlangt.

Der Fiskus ist im Westen kulanter

Tendenziell seien die Finanzämter in den alten Bundesländern bei den Werbungskosten kulanter als in Ostdeutschland, sagt Udo Strick. Durch den PC-Einsatz in den Behörden hätten die Beamten mehr Zeit und prüften wieder genauer als früher, ist Hans-Joachim Vanscheidts Eindruck. In der Steuererklärung sollte deshalb immer alles angeführt werden, was eventuell absetzbar sein könnte. Ablehnen kann das Finanzamt einzelne Posten ja immer noch.