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Steuer: Umschulungsmaßnahmen jetzt voll absetzbar

Nach einem Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofs sind künftig Umschulungsmaßnahmen und ein berufsbegleitendes erstmaliges Hochschulstudium voll als Werbungskosten absetzbar.

Nach einem Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofs sind künftig Umschulungsmaßnahmen und ein berufsbegleitendes erstmaliges Hochschulstudium voll als Werbungskosten absetzbar. Mit der Entscheidung gab das oberste deutsche Finanzgericht seine bisherige Rechtsprechung auf, wonach diese Kosten bislang nur als Aufwendungen der allgemeinen Lebensführung angesehen wurden und damit nur in begrenzter Höhe als Sonderausgaben abgezogen werden konnten.

Mit der Änderung der Rechtsprechung wolle der BFH den tief greifenden Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, in Berufsleben und dem Bildungswesen Rechnung tragen, erklärte das Gericht am Freitag. Bei hinreichender beruflicher Veranlassung könnten entsprechende Ausgaben nunmehr Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit darstellen, hieß es.

Ob die Bildungsmaßnahme eine Basis für andere Berufsfelder schafft oder einen Berufswechsel vorbereitet, sei dabei unerheblich. Diese aus beruflichen Gründen entstandenen Aufwendungen hätten nach heutiger Sicht keinen Bezug zur privaten Lebensführung mehr, betonten die Richter.

Vorausgingen der Entscheidung jeweils Klagen einer Rechtsanwaltsgehilfin und einer Industriekauffrau. Die bei einer Bank als Personalreferentin tätige Anwaltsgehilfin hatte mit einem berufsbegleitendem Fernstudium zusätzlich einen Abschluss „Staatlich geprüfte Betriebswirtin„ gemacht, da für die endgültige Besetzung ihrer Stelle ein akademischer Studienabschluss Voraussetzung war.

Die zweite Klägerin hatte, während sie arbeitslos war, auf eigene Kosten an einem Lehrgang für die Fahrlehrerausbildung teilgenommen und erhielt direkt nach Bestehen der Prüfung eine Anstellung als Fahrlehrerin. Mittlerweile unterhält sie ihre eigene Fahrschule.

Beide Klägerinnen hatten beim Finanzamt keinen Erfolg mit dem Versuch, ihre Bildungsaufwendungen als Werbungskosten geltend zu machen. Wie am Freitag bekannt wurde gab der BFH nun aber beiden Frauen bereits im Dezember in voller Höhe recht.

(Aktenzeichen: BFH 2002 VI R 137/01 und BFH 2002 VI R 120/01)

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