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Ersparnis: Studienkosten voll absetzen

Promotionskosten sind als Werbungskosten absetzbar, so ein Urteil des Bundesfinanzhofes. Nach Ansicht eines Steuerexperten sind somit auch die Kosten für ein Erststudium von der Steuer absetzbar.

Die Kosten für den Erwerb eines Doktortitels bei einem berufsbegleitenden Studium können als Werbungskosten oder Betriebsausgaben steuerlich absetzbar sein. Voraussetzung sei, dass die Promotion beruflich veranlasst sei, entschied der Bundesfinanzhof in einem am 4. Februar in München veröffentlichten Urteil (VI R 96/01).

Damit hat das höchste deutsche Steuergericht seine bisherige Rechtsprechung revidiert, in der der Erwerb eines Doktortitels regelmäßig den Aufwendungen für die Lebensführung zugeordnet wurde, die nur in den Höchstbeträgen als Sonderausgaben berücksichtigt werden können. Ein Grund für die neue Bewertung sei, dass der Doktortitel für das berufliche Fortkommen von erheblicher Bedeutung oder sogar unabdingbar sein könne.

Der Bundesfinanzhof musste bisher nicht darüber entscheiden, ob dies auch für ein Studium sowie eine Promotion gleich nach dem Abitur gilt. Studenten sollten Belege vorsichtshalber einmal sammeln, um die Kosten gegebenenfalls später geltend machen zu können, sagte der Vorsitzende Richter des zuständigen sechsten Senats, Prof. Walter Drenseck.

Der Rechtsstreit betraf eine Krankengymnastin, die die Kosten für ein Medizinstudium nebst Promotion auf dem Gebiet der Orthopädie vergeblich als Werbungskosten bei den Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit geltend gemacht hatte.

Sammelt schon mal die Belege!

Der Steuerexperte Karl Heinz Worms vertritt die Ansicht, dass nach der geänderten Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs die Kosten auch für ein Erststudium als so genannte vorweggenommene Betriebsausgaben oder vorweggenommene Werbunkskosten berücksichtigungsfähig sind.

Worms rät den Studierenden deshalb: "Belege sammeln, Studiengebühren sammeln, alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Studium entstehen, sammeln, zusammenschreiben und dann im Rahmen der Steuererklärung geltend machen." Nach Ansicht von Worms wären auch die derzeit geplanten Studiengebühren vorweggenommene Werbungskosten.

Konsequenzen für die Diskussion um Studiengebühren

Gretje Bettin, bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, lehnt die bisherigen Pläne für Studiengebühren ab, vor allem deshalb, weil die Einnahmen nicht den Hochschulen zugute kämen, sondern in den Landeskassen verschwinden würden.

Durch die Absetzbarkeit von Studienkosten würde man nach ihrer Meinung die Einführung von Studiengebühren ad absurdum führen: "Wenn dann nur die Hälfte der erhobenen Studiengebühren an den Staat beziehungsweise an die Hochschulen fließen würden, dann sollte man doch lieber gleich die Finger davon lassen und sollte sich ein wirklich sinnvolles Modell zur Bildungsfinanzierung ausdenken", sagte sie am 5. Februar in der Sendung Campus & Karriere des Deutschlandfunks.

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