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Federal Reserve: Zinswende in den USA bleibt aus - der "Eiertanz" der Fed geht weiter

Bei Vollbeschäftigung im Krisenmodus: Die Fed hält an ihrer Politik der Mini-Zinsen fest, obwohl sich die US-Wirtschaft im Aufschwung befindet. Volkswirte warnen vor den Risiken des Billiggelds.

"Ein bisschen mehr Zeit" wollten sie sich noch nehmen, sagt Janet Yellen. Die zierliche Frau an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erklärt vor Journalisten in Washington, warum sie und ihre Kollegen weiter an den rekordniedrigen Zinsen und damit an ihrer jahrelangen Krisenpolitik festhalten. Kein einfacher Job. Denn eigentlich ist die US-Wirtschaft längst stark genug, um ohne Anschub durch ultrabilliges Geld auszukommen. Überspannen die Notenbanker den Bogen?


spricht von "erhöhten Wachstumssorgen in China und anderen Schwellenländern", unter denen auch die US-Konjunktur leiden könnte. Die Furcht vor einem China-Crash hatte die Finanzmärkte zuletzt immer wieder in Panik versetzt. Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten die US-Währungshüter aufgefordert, aus
Rücksichtnahme vorerst still zu halten. Die Verknappung des billigen Geldes würde Anleger noch nervöser machen, so die Befürchtung.

Das Problem mit steigenden Zinsen

Viele Länder zittern vor steigenden US-Zinsen, die internationales Finanzkapital in die USA lenken und den Dollar weiter steigen lassen würden. Das könnte vor allem für aufstrebende Volkswirtschaften ein Problem werden, aus denen Investoren im Gegenzug Mittel abziehen. Zudem haben im Ausland viele Unternehmen Kredite in der US-Währung aufgenommen. Diese Schulden müssen in Dollar zurückgezahlt, das Geld dafür aber in den Landeswährungen erwirtschaftet werden.


"Der Weltwirtschaft würde es mit einer Zinserhöhung Anfang 2016 besser gehen", appellierte IWF-Chefin Christine Lagarde. Die Fed scheint den Bedenken Rechnung getragen zu haben. "Globale wirtschaftliche und finanzielle Entwicklungen könnten die
wirtschaftliche Aktivität bremsen", heißt es in ihrem Statement. Doch die Verschiebung der Zinswende ist umstritten.

Banken hatten auf Zinswende gehofft

"Jetzt einen Normalisierungsprozess einzuleiten, wäre absolut angemessen und ehrlich gesagt, schon lange überfällig gewesen", sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau. Nicht nur er warnt vor den Risiken und Nebenwirkungen der ultralockeren Fed-Politik. Die Geldschwemme kann zu gefährlichen Spekulationsblasen an den Immobilien- und Finanzmärkten führen.


Lange Zeit war der schwache US-Arbeitsmarkt ein triftiges Argument, die Geldschleusen weit offen zu halten. Doch inzwischen haben die USA Vollbeschäftigung erreicht. "Dazu passt kein Leitzins nahe Null", meint Andreas Bley, Chefvolkswirt vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Spielraum, die Zinsen niedrig zu halten, eröffnet höchstens noch die extrem niedrige Inflation.

An der Börse ist man über FED enttäuscht

Aber noch nicht einmal an den Börsen, die das billige Geld eigentlich lieben, weil es die Kurse treibt, kam der Fed-Entscheid gut an. Die Aktienmärkte in den und Europa reagierten verschnupft. Die Anleger seien enttäuscht, sie hätten ein klares Signal für die
Rückkehr zur Normalität erwartet, erklärte ein Händler. Stattdessen geht das Rätseln nun weiter.

Neue Vorhersagen der Notenbanker zeigen zwar, dass die meisten von ihnen noch in diesem Jahr mit der Zinswende rechnen. Fed-Chefin Yellen betonte, dass es auf beiden der 2015 noch anstehenden Sitzungen im Oktober und Dezember soweit sein könne. Doch die Märkte geben inzwischen nicht mehr so viel auf die vagen Ansagen und
Prognosen, die schon oft für Irritation statt Orientierung sorgten.


"Die Zinswende könnte auch gut auf 2016 verschoben werden", meint Analyst Jabaz Mathai von der Citigroup. "Der Eiertanz der Fed geht weiter", sagt Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe. Zwar betont Fed-Chefin Yellen immer wieder, es gehe ohnehin nicht so sehr um das exakte Timing, sondern vielmehr um das Tempo, in dem die danach weiter steigen. Aber mittlerweile scheint die Finanzwelt nur noch genervt von der Unklarheit. "Die Fed muss endlich handeln", sagt Unicredit-Chefökonom Harm Bandholz. 

kg / DPA