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Probleme: "Ich will doch nur eine Fahrkarte"

Bei der Tarif- und Fahrplanumstellung der Bahn gibt es deftige Probleme: Etliche Fahrkartenautomaten funktionieren noch nicht richrig und die Schlagen vor den Auskunftsschaltern sind lang.

Geduldig drückt der junge Mann sich bereits zum zweiten Mal durch die vielen Fragen des Fahrkartenautomaten nach dem wann, wohin und mit welchem Zug. "Ich will doch nur eine Fahrkarte", stöhnt er. Nach dem Anklicken der Listen mit den Abfahrt- und Zielbahnhöfen, Preisstufen und Bahncards spuckt der gelbe Kasten schließlich doch etwas aus: Einen Beleg, wofür auch immer, aber keine Fahrkarte.

Fahrkartenautomaten blocken ab

Beim nächsten Versuch erscheint die Meldung "Verbundfahrkarten bitte am Nahverkehrsautomaten kaufen." Dann meldet sich die Kiste ab. "Automat wird heruntergefahren." Entnervt gibt der Mann auf. Während manche Fahrkartenautomaten die Umstellung auf die neuen Bahnpreise offenbar nicht verkraftet haben, geben die Servicemitarbeiter am Schalter routiniert Auskunft über neue Verbindungen und Preise.

Provinz-Bahnschlater nur werktags offen

"Schietkram", nennt Rentner Paul Hilker aus der westfälischen Kleinstadt Oelde die Fahrkartenautomaten der Bahn. In seiner Stadt und allen Bahnhöfen der Umgebung sind die Bahnschalter am Wochenende geschlossen. Die Buchstaben auf den modernen Tastbildschirmen, den "Touchscreens", kann er "auch mit Brille nicht lesen". Schließlich hat Hilker dem "viel zu komplizierten" gelben Schrank am Oelder Bahnhof dann doch noch zwei Wochenendtickets entlockt.

Spontanfahrten werden teuer

Manche kommen damit sogar bis nach München. "Sonst fahre ich mit dem Auto, aber es soll ja Glatteis geben", meint der Mittvierziger, der sich mit diversen Regionalbahnen in gut zwölf Stunden bis in die 600 Kilometer entfernte bayerische Hauptstadt durchschlagen will. Für Kunden, die mit einem regulären Ticket spontan und alleine kurze Strecken fahren wollen, zahlen jetzt kräftig drauf. Die einfache, 20 Minuten kurze Fahrt von Hamm nach Bielefeld kostet mit dem ICE jetzt mit der alten Bahncard 9 Euro 20, mit der neuen ohne Vorbuchung sogar 13 Euro 80.

Familie = Vater, Mutter, Kind

Annette Kübler, allein erziehende Mutter, fühlt sich von den neuen Bahntarifen benachteiligt. "Familien sind doch wieder nur Vater, Mutter, Kind", kritisiert sie die neuen Familienrabatte und staunt, wie die Bahn ihre Kunden abschreckt. Die 53jährige IT-Assistentin wollte einen Fahrschein im Internet kaufen. Fehlanzeige. Ihren Zielbahnhof Rheda-Wiedenbrück, an einer der meistbefahrenen Bahnstrecken Deutschlands gelegen, konnte sie nicht über Internet buchen. Und mit ihrer alten Bahncard bekommt sie im Datennetz "überhaupt keine" ermäßigten Fahrscheine mehr. Schließlich versuchte sie es telefonisch. "Nachdem ich mehr als einen Euro nur für die Warteschleife bezahlt hatte, kam ein pampiges Mädel in die Leitung".

Schneller als das Auto

Auf vielen Strecken ist die Bahn vor allem schneller, als das Auto. "Köln - Wolfsburg in drei Stunden, das schaffe ich auch mit meinem schnellen Wagen nicht", lobt ein ICE-Fahrgast die Deutsche Bahn und ein anderer meint, die Deutsche Bahn sei außerdem sauber und recht zuverlässig. Man müsse die Verhältnisse in Deutschland nur mal mit den Bahnunternehmen in Italien oder den USA vergleichen.

Kein Twen-Ticket mehr

Rudolf Schmid fährt "mindestens einmal die Woche" von Hannover nach Köln und wieder zurück. "Das klappt zu 90 Prozent, auch im Nahverkehr zwischen Köln und Düsseldorf". Rabatt will der Krankenhausmanager die neuen Bahntarife nicht nennen: Rabatte gebe es normalerweise auf Menge, und für Vielfahrer habe die Bahn leider keine Ermäßigung. Für Schmidts Tochter ist die Bahn jetzt sogar deutlich teurer geworden. "Bisher bin ich mit dem Twen Ticket um ein Drittel billiger gefahren. Das gibt es jetzt nicht mehr", stellt die 24-Jährige enttäuscht fest.

Billiger als Fliegen

Für alle anderen sind lange Strecken billiger geworden. Elmar Remling wollte eigentlich mit seiner Frau von Köln nach Berlin fliegen. "Für den Flug hätten wir zu zweit 280 Euro bezahlt. Mit dem Zug sind es jetzt inklusive Reservierung 188 Euro." Obwohl das Paar aus dem Rheinland die Tickets schon vier Wochen vor der Abreise gekauft hat, waren die um 40 Prozent ermäßigten Frühbucherfahrkarten schon ausverkauft. So mussten sich die beiden mit 25 Prozent Ermäßigung begnügen.

Toll für Pärchen

Eine junge Berlinerin freut sich, dass die Fahrt nach Hause sogar billiger geworden ist, wenn ihr Freund mitfährt. Nach den alten Preise hat sie für die Strecke Köln-Berlin alleine 127 Euro bezahlt, jetzt seien es 191 für zwei Leute. Ein anderes Pärchen hat sich zu früh über die neuen Preise gefreut. Von Wuppertal ins westfälische Bünde wäre es mit dem Intercity (IC) am Sonntag zu den neuen Preisen billiger gewesen, als am Samstag zu den alten. Weil die Bahn den IC aus dem Fahrplan genommen hat, müssen die beiden nun doch mit dem ICE fahren.

Aber auch bei der Bahn sind nicht alle vom neuen Fahrplan begeistert. Eine Beraterin an einem DB Servicepoint beantwortet die Frage nach der Umstellung auf die neuen Preise und den neuen Fahrplan mit einem Wort: "Beschissen."