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Gütesiegel: "Made in European Union"

Bye-bye "Made in Germany": Die EU-Kommission prüft die offizielle Einführung eines "Made in European Union"-Siegels für in der Europäischen Union hergestellte Produkte.

Die EU-Kommission prüft die offizielle Einführung eines "Made in European Union"-Siegels für in der Europäischen Union (EU) hergestellte Produkte.

Eine Sprecherin von Handelskommissar Pascal Lamy sagte am Montag in Brüssel, die Behörde wäge die Vor- und Nachteile ab, nachdem die italienische Textilindustrie sich für "Made in European Union" stark gemacht habe. Bevor sich die Kommission eine Meinung bilde, wolle sie mit Verbraucher- und Unternehmensverbänden sprechen. Die Kommission prüfe auch das Nebeneinander der EU-Bezeichnung mit eingeführten Herkunftsbezeichnungen wie "Made in Germany". Diskutiert werde unter anderem, ob "Made in EU" verbindlich vorgeschrieben oder nur freiwillig verwendet werden sollte.

Auch dem EU-Parlament kam bereits Kritik. Der CSU-Abgeordnete Ingo Friedrich sagte die Vielfalt Europas sei seine Stärke. "Jeder denkt bei einem Auto made in Germany an Qualität und Perfektion, Schuhe made in Italy stehen für modischen Schick und schottischer Whisky genießt Weltruf." Würde eine EU-Bezeichnung Pflicht, würde Europa seine Exportschlager empfindlich schwächen, sagte er.

"Made in Germany" war ursprünglich britische Schutzmaßnahme

Die Bezeichnung "Made in Germany" - in Deutschland hergestellt - war ursprünglich als Schutzmaßnahme für die britische Wirtschaft gedacht. Nach dem 1887 erlassenen britischen Handelsmarkengesetz (Merchandise Marks Act) mussten alle nach Großbritannien eingeführten Waren als ausländische Erzeugnisse gekennzeichnet sein. Das Gesetz zielte hauptsächlich gegen die aufstrebende deutsche Industrie, die britische Industriemarken kopierte. Dem britischen Käufer sollte so "schlechte und billige" Massenware angezeigt werden, damit er sie schnell von einheimischer Ware unterscheiden konnte.

Schon bald wurde die als negativer "Stempel" gedachte Bezeichnung allerdings zu einem Symbol für Zuverlässigkeit und Qualität, gegen das auch das legendäre Motto "Buy British" nicht ankam. Die deutsche Wirtschaft entschloss sich, das Qualitätssiegel "Made in Germany" auch beim Export in Länder zu nutzen, die eine solche Ursprungsbezeichnung nicht forderten.

Deutsche Teilung führte zu "Made in West Germany"

Die Teilung Deutschlands führte zu Problemen: Die Bezeichnung "Made in Germany" wurde auch für DDR-Unternehmen zugelassen. Die Ost- Betriebe hätten hierauf ein Recht gehabt, denn "Entstehung und Entwicklung des weltweit bekannten Rufs der Bezeichnung" beruhten auch auf der Mitwirkung ihrer Vorgänger vor der Spaltung Deutschlands, hieß es in einem Standard-Kommentar zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Die West-Firmen wollten keine Verwechslung aufkommen lassen und änderten die Bezeichnung in "Made in West Germany". Einige Jahre nach der deutschen Einheit war der West-Hinweis wieder verschwunden.