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Arbeitszeiten: Deutsche gehören zu den Fleißigsten

Die tatsächliche Wochenarbeitszeit beträgt in Deutschland 41,1 Stunden - damit gehören deutsche Beschäftigte zu den emsigsten Arbeitnehmern in Europa. Entspannter lassen es dagegen Franzosen und Italiener angehen.

In kaum einem anderen EU-Land wird so lange gearbeitet wie in Deutschland. Nach einer in Dublin veröffentlichten Studie der EU-Agentur zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen betrug die tatsächliche Wochenarbeitszeit in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr 41,1 Stunden. Dies seien 3,3 Stunden mehr als noch 2003, berichtete die Tageszeitung "Die Welt" unter Berufung auf den Bericht zur "Arbeitszeitentwicklung in der EU".

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte deshalb, die realen Arbeitszeiten zu verkürzen. Deutschland belegt der Studie zufolge bei der Länge der Wochenarbeitszeit unter den 28 im Vergleich berücksichtigten europäischen Ländern gemeinsam mit Österreich Platz 5. Länger gearbeitet wird nur noch in Bulgarien, Rumänien, Großbritannien und Tschechien. Schlusslichter sind Italien mit 38,4 und Frankreich mit 37,7 Stunden. Im Durchschnitt ist die tatsächliche Wochenarbeitszeit in den EU-Staaten mit 40 Stunden gut eine Stunde kürzer als in Deutschland.

Der DGB forderte angesichts dieser Zahlen ein rasches Gegensteuern. "Der Trend zu immer längeren Arbeitszeiten muss umgekehrt werden. Immer längere Arbeitszeiten behindern den Beschäftigungsaufbau, sind familienfeindlich und gesundheitsschädlich", sagte DGB-Chef Michael Sommer der Zeitung "Die Welt". Wenn die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt werde, hätten mehr Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz. Ältere Beschäftigte könnten bis zur Rente durchhalten und die Lebensqualität steige.

Tarifverträge sehen weniger vor

In Deutschland arbeiteten die Arbeitnehmer zudem deutlich mehr als in den Tarifverträgen vereinbart: Die in den Tarifverträgen festgelegte Wochenarbeitszeit liegt in Deutschland bei nur 37,6 Stunden und damit am unteren Ende des in der EU üblichen. Viele Beschäftigte müssten aber Überstunden machen, außerdem hätten immer weniger Unternehmen eine Tarifbindung. Darum liege die tatsächliche Wochenarbeitszeit höher als die tarifliche Arbeitszeit, hieß es im Bericht der "Welt".

Besonders betroffen von den langen Arbeitszeiten sind der Studie zufolge Männer. Ihre tatsächliche Arbeitszeit übertreffe die der Frauen im EU-Schnitt um 2,3 Stunden. Kleiner Trost für die Bundesbürger: Die reale Wochenarbeitszeit ist der Studie zufolge zwar lang. Doch auch die tariflich vereinbarten Ferien gehören zu den längsten in Europa. Mit 30 Tagen Jahresurlaub rangiert Deutschland zusammen mit Dänemark auf Rang zwei der Urlaubs-Rangliste. Mehr Ferien gibt es nur in Schweden. Die Arbeitnehmer in Estland und auf Zypern müssen dagegen mit 20 Urlaubstagen auskommen.

AP / AP