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Gleichberechtigung im Militär: Die Rückkehr der Walküren – Norwegens Militär schickt Frauen an die Front

Norwegen schafft ein absolut gleichberechtigtes Gender-Militär. Frauen dienen in jeder Position, eine Quote von 50 Prozent ist das Ziel. Aber: Dafür gibt es auch die Wehrpflicht für Frauen.

Im Dienst gibt es keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern mehr.

Im Dienst gibt es keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern mehr.

Norwegen machte früh Ernst mit dem Thema Frauen und Militär. Schon 1988 öffnete das Land alle Positionen im Militär für weibliche Bewerber. Neben Israel war Norwegen damit das erste Land, welches Frauen in Kampfverbänden einsetzen würde. Kein Wunder, wehrhafte Frauen gibt es zuhauf in der skandinavischen Mythologie und Geschichte – von den legendären Walküren bis zu den Schild-Maiden der Wikinger.

Zwei Jahre Erfahrungen

Vor zwei Jahren startete eine neue Phase: Das 138. Luftabwehrbataillon sollte ausprobieren, wie der Anteil von Frauen weiter gesteigert werden kann. Da Norwegen die Wehrpflicht auch für Frauen eingeführt hat, kalkuliert man mit einem hohen Frauenanteil in der Zukunft. Denn trotz der skandinavischen Tradition haben sich vorher nicht allzu viele Frauen freiwillig gemeldet. Auch nach 30 Jahren sind nur 10 Prozent der freiwilligen Soldaten Frauen, außerdem verlassen überproportional viele Frauen die Streitkräfte nach wenigen Jahren.

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Das Luftabwehrbataillon wurde jedoch mit je 50 Prozent Frauen und Männer ausgestattet. Elisabeth Braw hat für das renommierte Fachblatt "Foreign Affairs" das Experiment beobachtet (Norway's Radical Military Experiment. How Full Gender Integration Paid Off). Die 21-jährige Mari Gillebo dient seit zwei Jahren in der Einheit. Dort werden Frauen genau wie Männer behandelt, es gibt sogar gemischte Schlafräume. "Zuerst war ich skeptisch wegen der 50/50 Aufteilung. Ich mag diese Frauenquoten nicht", gesteht Gillebo.

Keine Männerzone mehr

Im Luftabwehrbataillon sind die Anforderungen für Frauen und Männer exakt die gleichen. Es gab keine Probleme mit sexueller Belästigung. "Wenn die Jungs und Mädchen die Räume teilen, gemeinsam trainieren, zusammen essen und überhaupt zusammen arbeiten, führt das zu weniger Belästigungen und zu mehr Einheit zwischen den Geschlechtern", sagt Stein Maute, Kommandeur des Bataillons. Außer einigen Witzen gibt es keine Klagen. Mari Gillebo findet sogar: "Viele Mädchen machen sehr viel Sport und Übungen mit den Jungs. Mehr als wenn sie nur mit anderen Frauen trainieren würden."

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U.S. Army Oberleutnant Kirsten Griest und Kriegskameraden nehmen am Kampftraining während des Ranger Kurses in Fort Benning, Georgia, teil. Mit ihrem Abschluss zeigen Griest und andere Frauen, dass es weibliche Soldaten zu Führungskräften bringen können.

U.S. Army Oberleutnant Kirsten Griest und Kriegskameraden nehmen am Kampftraining während des Ranger Kurses in Fort Benning, Georgia, teil. Mit ihrem Abschluss zeigen Griest und andere Frauen, dass es weibliche Soldaten zu Führungskräften bringen können.

Leben in der Friend-Zone

Nina Hellum vom Forsvarets Forschungsinitut begleitete das Experiment. "Das Geschlecht existiert auch weiter", sagt sie. "Aber es spielt keine große Rolle in der Einheit." Die Expertin scheint die Kaserne allerdings auch in eine weitgehend "sexfreie" Zone verwandelt zu haben. Sexuell aufgeladene Männergespräche sind ebenso verboten, wie Pin-Up-Poster und andere Erotik-Bilder. Zwar ist von Smartphones und privaten Notebooks nicht explizit die Rede, aber man darf wohl annehmen, dass auch dort Porno-Videos verbannt sind.

Im Ergebnis hat es zwischen den Geschlechtern nicht gerade geknistert. In den zwei Jahren sollen ganze acht Soldaten - also vier Paare - gedatet haben. Nur ein einziges Mal soll es Gerüchten zufolge zum Sex auf der Basis gekommen sein. Hellum: "Das Militär-Leben ist nicht so romantisch. Man muss hart arbeiten und erlebt sich auch in unvorteilhaften Situationen." Die gemeinsamen Schlafräume hätten sich bewährt: "So sind Frauen und Männer mehr in der Friend-Zone." 

Mari Gillebo benötigte einige Zeit, sich an die gemischten Schlafräume zu gewöhnen. "Ja, es gab mal Kommentare über das Aussehen der Frauen. Das ist nicht anders als sonst in der zivilen Gesellschaft." Und sie gibt zu: "Wir Mädchen machen auch Witze über die Männer." Mari Gillebo findet die Atmosphäre im Militär ziemlich "kumpelhaft", wie unter Verwandten. Hellum glaubt, dass die Quote "unerwünschte männliche Verhaltensweisen" im Militär zurückdrängen könnte.

Die Wehrpflicht macht es möglich

Eine französischen  Soldatin, die anonym bleiben wollte, äußerte der Autorin gegenüber erhebliche Bedenken über die gemischten Zonen. Schlafraum und Bad seien die einzigen Räume, in denen eine Soldatin ein klein wenig geschützte Privatsphäre genießen könne. Das wolle sie auf keinen Fall verlieren. Die französische Berufssoldatin verbringt ihr Leben in Kasernen, das ist eine andere Perspektive als die einer Wehrpflichtigen, deren Dienst zwölf Monate dauert. 

Vom Modell Norwegen können andere Staaten kaum etwas lernen. Eine Quote, die 50 Prozent Frauen anstrebt, liegt in der nahen Zukunft nur bei den Staaten im Rahmen der Möglichkeiten, die sich wie Norwegen für eine Wehrpflicht von Frauen und Männern entscheiden. Ohne Zwang kam selbst das fortschrittliche Norwegen nur auf zehn Prozent Frauenanteil.

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