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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Alle Wege führen nach Soest

Dass Frank Behrendt an einem Samstag um 5:30 Uhr aufstehen musste, um seinen Junior zu einem Basketball-Finalturnier nach Soest zu fahren, hatte ihn zunächst alles andere als erfreut. Aber als er da war, fand er einen idyllischen Platz, der ihn verzauberte.

Panorama von Soest in Westfalen

Panorama von Soest in Westfalen

Die Dame irrte umher und sah sich suchend um. Ob ich wüsste, ob das Museum im Romanischen Haus geöffnet hatte, fragte sie mich in gebrochenem Deutsch. Es war 13:30 Uhr, erst um 15:00 Uhr öffnete es wieder. "Schöner Platz" meinte sie, als sie meinen aufgeklappten Laptop auf dem massiven runden Steintisch unter einem alten Baum sah. Ich nickte. Und sie setzte sich zu mir auf die Holzbank.

Dorina hieß sie, ihre Eltern stammten aus Ungarn. Als junges Mädchen war sie in Deutschland gewesen, weil der Vater bei einer Firma in der Nähe von Soest gearbeitet hatte. Jahrzehnte war das her. Eine alte Schulfreundin hatte sie irgendwann über das Internet wieder aufgespürt, beide hatten sich viele Jahre geschrieben. Dorinas Mann war lange sehr krank gewesen, deshalb hatte sie die oft versprochene Reise aus Budapest zurück in die alte Heimat bisher nie angetreten.

Nach der Trauer über den Tod ihres Mannes hatte sie sich nun endlich ein Herz gefasst und die Reise in die Vergangenheit angetreten. Die Freundin hatte im Vorfeld von einer Überraschung gesprochen, die sie zum Wiedersehen mitbringen wollte.

Ein unerwartetes Wiedersehen

Wir redeten weiter und irgendwann bogen eine große grauhaarige Frau und ein fröhlicher Mann mit Hut und Stock um die Ecke des hohen Steinhauses. Der rüstige Rentner war ein Verehrer von Dorina aus der Schulzeit, wie die Freundinnen mir später erklärten. Er hatte einen kleinen Blumenstrauß dabei und küsste galant ihre Hand.

Die umschwärmte stieß lachend "Jóképú férfi" aus, "Schöner Mann". So hatte sie den ehemaligen Mitschüler einst immer neckisch genannt. Er lachte und die drei saßen nebeneinander auf dem Bänkchen in der Sonne und strahlten um die Wette. Im Burghof der um das Jahr 1200 erbauten Anlage fanden an diesem Tag vier Hochzeiten statt, wie mir die quirlige Fotografin der familiären Glücksmomente erzählte.

Als ich den romantischen Platz verließ, wurde ich irgendwie das Gefühl nicht los, dass bei einer künftigen Hochzeit an diesem besonderen Ort zwei Menschen "Ja" zueinander sagen könnten, die ich gerade zufällig unter einem alten Baum getroffen hatte. Wenn ich dabei als weiterer Trauzeuge benötigt werde: frankzdeluxe@gmail.com 

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