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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Experiment geglückt: Ferien ohne Social Media machen glücklich(er)

Vierundzwanzigtausendneunhundert Minuten hat Frank Behrendt in den Ferien allen Social-Media-Kanälen Adieu gesagt. Keine Strandfotos auf Instagram, keine Botschaften auf Twitter, keine funny Posts auf Facebook. Auch keine stern-Stimme. Jetzt ist er zurück. Mit einem Lächeln.

Der Auslöser für den handyfreien Urlaub war der Wunsch von Frank Behrendts Tochter Holly. Von ihr stammt dieses Bild.

Der Auslöser für den handyfreien Urlaub war der Wunsch von Frank Behrendts Tochter Holly. Von ihr stammt dieses Bild.

Jeden Tag machte Kreuzfahrtdirektor Michael Hogenbirk mit seinem charmanten niederländischen Singsang die Durchsagen auf der "Mein Schiff 6". Der Mann, der sich selbst stets als den "fliegenden Holländer" anmoderierte, vermittelte gute Laune pur. Und immer beendete er seine Mitteilungen am Mikrofon mit dem gleichen Satz: "Was immer ihr heute tut, tut es mit einem Lächeln im Gesicht." 

Den sprechenden Sonnenschein vermissen wir jetzt schon. Und wir werden auch viele andere vermissen, die uns auf unserer wunderbaren Reise durchs Mittelmeer begegnet sind und die ich bisher mit niemandem digital geteilt habe. Denn auf die Nutzung der Kanäle habe ich diesmal komplett verzichtet. Wer mich als Viel-Poster kennt, weiß, dass mich das durchaus Überwindung gekostet hat. Aber es hat sich gelohnt. 

Posten, liken, sharen hat auch etwas Zwanghaftes, Getriebenes. Es nicht zu tun, befreit. Stattdessen sammelte ich Eindrücke. Dazu braucht es nicht mal abgespeicherte Bilder auf dem Smartphone. Es war übrigens auch regelrecht befreiend, nicht permanent herum zu knipsen. "Wozu auch?", bemerkte mein Sohn als wir gemeinsam das imposante Kolosseum in Rom bewunderten, indem wir einfach nur staunend da standen und die einmalige Atmosphäre in uns aufsaugten: "Ein Foto davon findet man ja auch mit Google im Internet - warum soll man noch eins machen?" 

Die Weisheit eines 11-jährigen Digital Natives. An den verschiedenen Destinationen unserer Reise unternahmen wir jede Menge Ausflüge auf eigene Faust. Jean, der wunderbare Taxifahrer auf Korsika, fuhr uns zur schönsten versteckten Bucht der Insel. Immaculata, die in Pisa Archäologie studiert hatte, weihte unsere auf dem "Platz der Wunder" in ultimative Geheimnisse des Schiefen Turms ein, die kein normaler Führer erzählte. Vor dem Kloster Montserrat hoch über Barcelona lauschten wir fasziniert Felipe, der in Deutschland studiert hat und mit glänzenden Augen von der Zeit erzählte, als der "blonde Engel" Bernd Schuster bei Barca das Publikum verzückte. 

Europa hat uns angelächelt und wir haben zurückgelächelt. Abseits aller Probleme die eine große Gemeinschaft naturgemäß mit sich bringt, ist das menschliche grenzüberschreitende Miteinander ein Wert, den es mit aller Kraft zu verteidigen gilt. Das Bild, wie meine Kinder überall interkulturelle Herzlichkeit live erlebten, hat sich bei mir eingebrannt. Ganz tief. Holly fasste das Ferienresümee in ihrer typischen Art kompakt zusammen: "Das Allerbeste war aber, dass Papa nicht am Handy war." Auch das speichere ich lächelnd auf meiner persönlichen Festplatte ab. Für die nächsten Social-Media-freien Ferien. 

Drei Kinder sitzen auf der Rückbank eines Autos und machen Star-Posen