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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Farbe bekennen: Jede Menge Liebe unterm Regenbogen

In Köln lebt Frank Behrendt auch deshalb gerne, weil die Domstadt für Offenheit und Toleranz steht. Gefeiert wird hier oft und viel, zum Beispiel aktuell beim Festival "Cologne Pride", das seit 1991 vom Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. organisiert wird. Heute vor 50 Jahren mussten sich die Schwulen in New York die Freiheit ihrer sexuellen Orientierung erst einmal gewaltsam erkämpfen.

CSD-Parade

Szene von der Kölner CSD-Parade im vergangenen Jahr

Picture Alliance

Wenn gut gelaunte junge Menschen sich im Sommer grell bemalt in bunten Kostümen zu lauter Musik in den Armen liegen, dann wissen viele gar nicht mehr, dass der Ursprung der Feierlichkeiten unter dem Banner des Regenbogens ein ernster war: In der Christopher Street in New York stürmten am Vorabend des 28. Juni 1969 Polizisten die Bar "Stonewall". Nichts ungewöhnliches in der damaligen Zeit, denn Razzien in Schwulenbars waren damals an der Tagesordnung. Aber in diesem Jahr wehrten sich die Betroffenen und es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Die Aufstände waren der Auftakt zu einer Emanzipationsbewegung, die das Feld für einen toleranten Umgang mit der Homosexualität ebnete. Das wird zu Recht jedes Jahr gefeiert. Eine der größten Festivitäten in Europa rund um den CSD ist die "Cologne Pride". Köln wird dann zum pulsierenden Zentrum für Menschen aller sexuellen Orientierungen. Wenn man sich das bunte Programm anschaut, gibt es jede Menge Formate für Begegnungen und einen vorurteilsfreien Austausch.

Ich kenne viele Firmen, die mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern teilnehmen und auch gemeinsam auf einem eigenen Wagen bei der Parade mitfahren. Heute ist es zum Glück alles andere als verpönt, Farbe zu bekennen und sich als tolerantes weltoffenes Unternehmen zu outen. Das war wahrlich nicht immer so. Ich erinnere mich noch sehr gut an Zeiten, in denen Schwule und Lesben in Unternehmen alles dafür taten, um nicht aufzufallen. Führungskräfte mit anderen sexuellen Orientierungen konnte man seinerzeit gar mit der Lupe suchen und selbst dann fand man sie kaum.

In der Politik war es nicht anders: 18 Jahre ist es erst her, dass sich mit Klaus Wowereit seinerzeit der erste Politiker mit dem legendären Satz: "Ich bin schwul - und das ist auch gut so", outete. Ein Paukenschlag - nicht nur medial. Seinem Erfolg hat das nicht geschadet - im Gegenteil. Mich hat es als Chef nie interessiert, wer wen geliebt hat, wichtig war mir nur, dass die oder der Mitarbeiter/in ein passendes Puzzleteil für unser Gesamtkonstrukt war.

Als Agentur durfte es zum Glück auch schon damals bunt(er) sein. Ich erinnere mich, dass in einem Bewerbungsgespräch in den 80ern eine Mitarbeiterin am Ende zaghaft anmerkte, dass sie mit einer Frau zusammenlebte. Ob das für mich ein Problem wäre, war ihre bange Frage. Ich habe gelacht und sie in den Arm genommen. "Du bist ein toller Mensch und kannst was, das zählt. Ansonsten freue ich mich, wenn du glücklich bist", war meine Antwort. Sie strahlte, ich stellte sie ein. Wir haben lange Jahre sehr erfolgreich zusammengearbeitet und hatten viele wunderbare Gespräche auch abseits der Job-Themen.

Bei der "Cologne Pride" gibt es zahlreiche Programmpunkte, die eine herrlich ungezwungene Beschäftigung mit dem Thema sexuelle Vielfalt und Toleranz bieten. Ich habe in den vergangenen Jahren diverse Events besucht und sie haben mich allesamt weitergebracht. Klasse finde ich, dass auch die Kirche sich nicht wegduckt: "Love without Borders: Anders lieben und dennoch praktizierender Christ sein? Geht das zusammen?" lautet der Titel eines Jugendgottesdienstes der Evangelischen Gemeinde Köln, den Jugendliche für Jugendliche gestalten.

Aber es gibt auch ernste Töne, denn so offen und frei wie hier bei uns ist der Umgang mit der LGBTQI (Lesbian Gay Bisexual Transgender Intersexual) Community leider nicht in jedem Land. Deshalb ist die traditionelle Parade bei allem Spaß auch eine Demonstration: Für das, was überall eigentlich normal sein sollte. Das diesjährige Motto klingt dabei wunderbar selbstbewusst und involvierend und ich klatsche auch als Hetero begeistert Beifall: "50 YEARS OF PRIDE: VIELE: GEMEINSAM. STARK."