HOME

Stern Logo Stern-Stimmen

F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Warum Kinder im Büro kein Problem, sondern eine Bereicherung sind

Nicht nur in den Ferienzeiten haben berufstätige Eltern oft ein Betreuungsproblem. Immer mehr Arbeitgeber helfen ihren Arbeitnehmern inzwischen mit entsprechenden Angeboten bei der Lösung. Frank Behrendt hatte seine Jüngste jetzt wieder im Büro dabei und alle profitierten.

Frank Behrendts Tochter Holly am Arbeitsplatz von Papa

Frank Behrendts Tochter Holly am Arbeitsplatz von Papa

Als erste Amtshandlung stellte Holly den Drehstuhl höher, damit sie mich über den Bildschirm auf dem Schreibtisch sehen konnte. Es ist bei uns inzwischen ein liebgewonnenes Ritual, dass meine Jüngste an Schulferientagen, an denen meine Frau und ich arbeiten, ab und zu mit ins Büro kommt.

Als sie bei herrlichem Frühlingswetter unsere Dachterrasse inspizierte fragte sie einen vorbeilaufenden Kollegen, wieso er sich nicht mal draußen hinsetzt. Der junge Mann erklärte, dass er im hellen Sonnenlicht auf seinem Display nichts erkennen würde. Holly überzeugte das nicht: "Dann mach doch einfach mal eine kleine Pause und guck in den blauen Himmel, der ist sowieso schöner als ein Bildschirm."

Zack, da war sie wieder, die wunderbare kindliche unbefangene Logik. Der nette Berater lachte und setzte sich einen Moment in die Sonne. Holly war zufrieden und grinste. Ich muss bei solchen Situationen immer an den berühmten Song "Kinder an die Macht" von Herbert Grönemeyer denken. Jede Textzeile ein Nicken:

"Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht, was sie tun, die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende, wir werden in Grund und Boden gelacht, Kinder an die Macht."

Gelacht wurde in der Tat viel an den Tagen, an denen Holly im Büro war. Wer sie sah, hatte Spaß. Holly auch. Sie malte, schrieb Geschichten oder las in ihrer "Wendy". Zwischendurch durfte sie kleine Aufgaben erledigen, was sie eifrig und voller Stolz tat. "Ihr Einsatz war stets vorbildlich und sie wurde von den Kollegen aufgrund ihrer hilfsbereiten und zuvorkommenden Art sehr geschätzt", würde in ihrem Zeugnis stehen.

Tim Mois, Chef des Düsseldorfer Telefonie-Anbieters sipgate ist der Traumchef vieler Eltern: Bei ihm sind Kinder im Büro ganz normal. Die Firma, die einst als Start-up in einem Studentenwohnheim entstand und mit dem Tarifvergleich "billiger-telefonieren.de" startete, baut heute für hunderttausende Kunden innovative Festnetz- und Mobilfunkprodukte für zu Hause, unterwegs und das Büro.

Genauso innovativ wie das Produktangebot ist die Denke der inzwischen auf 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsenen Company. Bei sipgate muss sich niemand Sorgen um die Betreuung der Kinder machen, dafür sorgt die Firma. Der smarte Chef erkennt sogar eine echte Win-Win-Situation für alle Beteiligten: "Anders als man annehmen würde, haben die Kinder einen beruhigenden und zugleich belebenden Effekt im Büro. Es gibt eigentlich keinen Grund, Kinder nicht viel regelmäßiger mit ins Büro zu bringen." Word.

Als Holly gestern nicht mit ihrem kleinen Rucksack an meiner Seite ins Office tänzelte, fragten die Kolleginnen und Kollegen sofort nach dem kleinen Sonnenschein, der die Flure im Haus der Kommunikation zuvor mit ihrem Lachen beschallt hatte. Meine Jüngste hatte einen Zahnarzttermin und konnte daher nicht mitkommen. Aber ich sollte ausrichten, dass sie bald wieder vorbeikommt. "Ich kann euch ja nicht alleine lassen, dann wärt ihr immer sehr traurig." Genau so sieht es aus.