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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Wenn zwei malaysische Tiger den Rücken beglücken

An nahezu allen Flughäfen gibt es mittlerweile mobile Massage-Stationen für ein schnelles Wellness-Erlebnis. Frank Behrendt traf kürzlich dort vor seinem Flug einen spannenden Typen, der nicht nur wunderbar massieren, sondern auch tolle Geschichten erzählen konnte.

Bestes Gesprächsthema bei der Massage: traumhafte Palmenstrände

Bestes Gesprächsthema bei der Massage: traumhafte Palmenstrände

Getty Images

Die Tiger auf seinen beiden Unterarmen waren wahrlich kunstvoll gestochen. "Habe ich in Kuala Lumpur machen lassen", erklärte mir Masseur Mick, während er sich Öl auf die Handflächen träufelte. Mein ursprünglicher Flug wurde wegen technischer Probleme gestrichen, ich wartete auf den nächsten und nutzte die Zeit diesmal für eine Massage.

Mein Nacken schmerzte, in Hotels schlafe ich traditionell schlecht. Ich liebe diese kleinen Auszeiten im Business-Alltag. Handy auf lautlos, 10, 20 oder 30 Minuten zwischendurch mal kurz abtauchen. Ich komme mit Mick ins Gespräch. Von den Tigern aus Malaysia fliegen wir zurück nach Braunschweig. Dort hatte er an der Technischen Universität vor Jahren ein Luft- und Raumfahrttechnik-Studium begonnen und nach zwei Semestern abgebrochen. "Die Liebe hat mich weggezogen", erklärte er. Er folgte seiner angebeteten Ajala nach Indien und landete am Palolem Beach im Südindischen Goa.

Mick kommt regelrecht ins Schwärmen als er vom Wasser, dem Palmenstrand und den bunten Hütten dort spricht. Über 6.000 Kilometer von der Heimat entfernt kam er erstmals mit seinem heutigen Massage-Job in Kontakt: Er startete als Aushilfe in "Daddu's Healing Centre" und lernte viel von dem immer lächelnden Chef, offenbar einem wahren Meister seines Faches. Anschließend machte Mick noch eine richtige Physiotherapeuten-Ausbildung "zum Entsetzen meiner Eltern, die mich lieber als Entwickler bei der Nasa gesehen hätten" erzählt er. Aber er hat seinen Weg nicht bereut, ist seitdem viel rumgekommen in der Welt und düst bald wieder nach Malaysia, um dort mit einem Kumpel Langkawis Inselwelt zu erkunden.

Als TV-Serien-Fan hatte ich direkt den Piraten "Sandokan, den Tiger von Malaysia" vor Augen. Die Serie lief in den 70er Jahren im Fernsehen und Kabir Bedi, der attraktive Hauptdarsteller mit den Samtaugen, verzückte seinerzeit die Zuschauer in ganz Europa. Lange her. Ein paar schnelle Trommelschläge, dann war meine Zeit leider um. "Junge, du warst aber total verspannt" lautete das Resümee des Masseurs. Ich reckte mich und antwortete: "Aber nur im Rücken, ansonsten bin ich der Guru der Gelassenheit." Mick hörte sich die Geschichte wie es dazu kam an und hatte Spaß.

Er empfahl mir nochmals Daddu, den Magier der Masseure am indischen Traumstrand. Und wie ich das Leben kenne, werde ich da irgendwann einmal landen. "Einen Rückflug brauchst du dann nicht mehr, denn nach seiner Massage schwebst du sowieso über allen Wolken", pries Mick den großen Meister. Ich glaubte ihm sofort und flog davon. Allerdings mit einem Airbus der Lufthansa. 

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