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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Unser Familienziel für das neue Jahr: Alles soll so bleiben, wie es ist

14 Tage lang checkten die Smartphones der Familie von Frank Behrendt in "Hollys Handy Hotel" ein. Der bemalte Schuhkarton mit Puppendeckchen in dem alle digitalen Devices ruhten, sorgte für ein zugewandtes Miteinander und genug Zeit zum Nachdenken über das neue Jahr.

Handyfreie Zeit: In "Holly's Handy Hotel" genossen die Smartphones der Familie Behrendt zwischen den Jahren eine für alle wohltuende Auszeit

Handyfreie Zeit: In "Holly's Handy Hotel" genossen die Smartphones der Familie Behrendt zwischen den Jahren eine für alle wohltuende Auszeit

Am letzten Tag des vergangenen Jahres dachte ich unter einer imposanten Trauerweide am Rheinufer an meinen besten Freund Klaus. Viel zu früh war er vor Jahren gestorben, ich vermisse ihn immer. Seine Lebensfreude war inspirierend und auch als er von seiner Krankheit gezeichnet war, hat er jeden Tag, der ihm geschenkt wurde, maximal genossen. Ein ewiges Vorbild für mich.

Sein Antrieb waren nicht mehr Geld oder ein Aufstieg, sondern weitere besondere Momente. "Wunderbar" war sein Lieblingswort. Wir haben oft gemeinsam bei genau diesem Wort mit einem San-Miguel-Bier in der Hand dem malerischen Sonnenuntergang über den Bergen von Mallorca zugeprostet. Aus dem CD-Player schnurrte meistens "It's wonderful" vom italienischen Reibeisen Paolo Conte. Immer wenn ich das Lied heute höre, beamt es mich augenblicklich in diesen magischen Moment zurück.

Als wir am Silvesterabend im Kreise meiner Lieblingsmenschen die Highlights des vergangenen Jahres Revue passieren ließen, freute ich mich, dass bei den Wünschen aller Familienmitglieder für 2019 nichts Spektakuläres dabei war. Im Gegenteil. In Summe war es ein ganz simpler Wunsch: Es soll einfach so bleiben, wie es ist. #Zufriedenheit. Ein kostbares Gut in einer Zeit, in dem das ewige Streben nach Mehr Standard zu sein scheint.

Die Kinder möchten, dass wir weiterhin gemeinsam so viel miteinander spielen. Wenn die Oma ihr Hörgerät auf lautlos stellt, ist wieder die maximale Dimension von Brettspiel-Spaß erreicht. Ganz gleich, ob bei den "Siedlern von Catan", dem aktuellen Spiel des Jahres "Azul" oder dem guten alten "Mensch ärgere dich nicht" - bei uns geht es stets hoch und laut her. Aber am Ende wird immer gelacht.

Meine Frau freut sich besonders darauf, an Bord eines Kreuzfahrtschiffes den ersten Espresso am Morgen auf dem Balkon mit Blick aufs weite Meer zu trinken. Das kriegen wir im Sommer wieder hin. Und die Handys bleiben wie im letzten Jahr ausgeschaltet unter Deck. Weil es so gut getan hat und das echte Leben immer noch so viel Schönes zu bieten hat, das man viel intensiver genießt, wenn man nicht parallel im Foto- und Sendemodus ist.

Ich freue mich weiterhin auf die wunderbaren Momente der Ruhe mit unserem Hund morgens im Wald. Ich liebe die Luft, die Bäume, das Licht, die Freude des kleinen Vierbeiners bei seinen Streifzügen durchs Unterholz. Ich bin sicher, meinem verstorbenen Freund Klaus hätte unser Vorsatz, einfach den Status Quo zu bewahren, sehr gefallen. Ich werde nie vergessen, dass er jedes Jahr aufs Neue auf die erste Innenseite seines Taschenkalenders den gleichen Spruch des antiken Philosophen Epiktet klebte: "Weise ist, wer nicht bedauert, was er nicht hat, sondern wer sich an dem freut, was er hat." Ein neues Jahr voller Zufriedenheit für euch alle! 

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