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Jobsuche: BA holt Zeitarbeitsfirmen ins Boot

Zeitarbeitsfirmen galten lang als die Schmuddelkinder des Arbeitsmarkts. Aber damit ist es vorbei: Nun kooperiert auch die staatliche Arbeitsagentur mit ihnen, um Jobsuchende schneller zu vermitteln. Im Vergleich zu unseren EU-Nachbarn ist der Anteil der Zeitarbeiter in Deutschland immer noch gering.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Zeitarbeit? Ist das nicht "moderner Sklavenhandel"? Ein Vorbehalt, der fast so schwer wegzukriegen ist wie ein Tattoo. Dabei gilt schon seit 2004: Zwischen Zeitarbeitern und Stammbelegschaft darf es auf vergleichbaren Positionen keine Unterschiede geben. Die früher üblichen Lohnabschläge von bis zu 40 Prozent sind Geschichte. Trotzdem: Das Image der Zeitarbeitsfirmen ist schlecht. Da kommt das Bündnis mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) gerade recht. "In den Köpfen muss sich endlich etwas verändern", sagt Sylvia Knecht, Vorstandssprecherin der "Dis AG" in Düsseldorf, die Fach- und Führungskräfte vermittelt.

"Ein enormes Potenzial"

Offiziell soll die Kooperation am 1. Mai anlaufen, eine entsprechende Vereinbarung wurde am Mittwoch in Nürnberg unterzeichnet. Die BA bringt in die Zusammenarbeit ihre IT-Systeme ein, zum Beispiel sollen sich die Zeitarbeitsunternehmen auf den BA-Plattformen vorstellen und Bewerberbörsen veranstalten dürfen. "Wir wollen es den Unternehmen leichter machen, auf unseren Arbeitskräftepool zuzugreifen", fasst BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker zusammen.

Lange hat die BA gezaudert und gezögert, mit den Zeitarbeitsfirmen zusammenzuarbeiten. Jetzt aber glaubt sie einen strategisch wichtigen Partner erkannt zu haben. "In der Zeitarbeit steckt enormes Potenzial", sagt Becker. Die positive Entwicklung der Zeitarbeit sei ein Grund für die gesunkenen Arbeitslosenzahlen der vergangenen Monate. Arbeiteten 1996 noch 180.000 Leiharbeitnehmer bei Unternehmen, seien es 2006 schon 600.000 gewesen

Zehn Prozent Akademiker

"Die Zeitarbeitsbranche gehört zu den Branchen, in denen momentan die meisten Arbeitsplätze entstehen", bestätigt Ingrid Hofmann, Vizepräsidentin des Bundesverbands Zeitarbeit Personaldienstleistungen (BZA). Noch längst aber sind nicht alle Hausaufgaben gemacht - im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher. Liegt der Anteil der Zeitarbeiter in Deutschland erst bei 2,3 Prozent, ist er in Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Schweden mindestens doppelt so hoch. Bis zum Jahr 2010 soll das europäische Niveau laut Hofmann auch in Deutschland erreicht werden. Jeder zehnte Beschäftigte bei einer Zeitarbeitsfirma ist Akademiker. Um nicht mit einem Diplom auf der Straße zu stehen oder sich von Praktikum zu Praktikum zu hangeln, fangen sie sich Personaldienstleitern an, selbst wenn die angebotenen Jobs weit unter der eigenen Qualifikationen liegt. Die Hoffnung, dass sich aus dem Job eine Dauerstellung entwickelt, erfüllt sich nicht immer: Etwa 30 bis 40 Prozent aller Zeitarbeiter erhalten einen festen Vertrag.

"Wir suchen händeringend"

Mit der Kooperation verpflichten sich Zeitarbeitsunternehmen, Stellenangebote nur dann zu melden, wenn sie tatsächlich Bedarf haben. Den scheint es indes zu geben. "Wir suchen händeringend nach guten Fachkräften", sagt Marcel Pelzer von der Zeitarbeitsfirma "Manpower". Gefragt sind vor allem Kräfte für den kaufmännischen Bereich und in der Metall verarbeitenden Branche. "Vielleicht können wir jetzt endlich mehr Bewerber für Zeitarbeit interessieren", hofft Pelzer.

Die Kooperation beschränkt sich nicht nur auf die 15 großen Unternehmen. Die Agenturen für Arbeit und eine koordinierende Stelle in der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) bieten die gleichen Vereinbarungen auch mittleren und kleineren Zeitarbeitsfirmen an.

  • Sylvie-Sophie Schindler