Jobwelt Chance und Zumutung


Die Jobwelt verändert sich rasant. Für Beschäftigte und Arbeitslose gelten neue Regeln. Was Sie jetzt wissen müssen.

Die Jobwelt verändert sich rasant. Für Beschäftigte und Arbeitslose gelten neue Regeln. Was Sie jetzt wissen müssen.

Teilzeit

Es gibt unterschiedliche Modelle - vom kürzeren Arbeitstag über freie Tage in der Woche bis zu längerem Urlaub oder einem Sabbatical. Arbeitnehmer haben in Betrieben mit mehr als 15 Mitarbeitern ein Recht auf Teilzeit. Das Gesetz bestimmt, dass sich Arbeitgeber und -nehmer über die Verteilung der Arbeitszeit einigen sollen. Im Streitfall hat der Arbeitnehmer die Möglichkeit zu klagen. Wer Teilzeit arbeitet, hat ein geringeres Bruttoeinkommen, er zahlt weniger Steuern, aber auch weniger in die Rentenversicherung ein. Mittlerweile arbeitet jeder fünfte Erwerbstätige Teilzeit - aber nicht jeder freiwillig. Rund 13 Prozent aller Teilzeitarbeiter hätten gern einen Vollzeitjob. Befristete Arbeitszeitverkürzungen werden in Krisenzeiten immer gängiger. Wollen Mitarbeiter Teilzeit einführen, um betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, sind sie allerdings auf den Goodwill des Arbeitgebers angewiesen.

Zeitarbeit

Wer bei einer der rund 4.000 deutschen Zeitarbeitsfirmen beschäftigt ist, bekommt einen Arbeitsvertrag mit Urlaubsanspruch, Sozialversicherung und Kündigungsschutz. Die Löhne bei Zeitarbeitsjobs liegen allerdings deutlich unter denen, die Firmen ihren eigenen Mitarbeitern zahlen. Dennoch ist es für viele der 300.000 deutschen Zeitarbeiter eine Chance, in eine Festanstellung zu rutschen.

Multi-Jobs

Wer zwei Jobs hat, braucht auch zwei Steuerkarten - und landet damit häufig in der unattraktiven Steuerklasse VI. Ausnahme: Mini-Jobs, in denen weniger als 400 Euro verdient wird. Hier zahlt der Arbeitgeber eine Steuerpauschale. Der Arbeitnehmer kann seine 400 Euro Lohn abgaben- und versicherungsfrei einstecken. Auch wenn die Hauptbeschäftigung mit dem Mini-Job kombiniert wird, bleibt der Mini-Job steuerfrei.

Ich-AG

Der Zuschuss des Arbeitsamtes für Ich-AGler beträgt im ersten Jahr 600 Euro monatlich, im zweiten Jahr 360 Euro und im dritten Jahr 240 Euro. Die staatliche Förderung wird aber nur gewährt, solange das Jahreseinkommen 25.000 Euro nicht übersteigt. Mit dem Geld vom Arbeitsamt sollen die Neu-Unternehmer vor allem ihre Beiträge in die Renten- und Krankenversicherung zahlen, da sich Selbstständige selbst versichern müssen.

Überbrückungsgeld

Eine Alternative zur Ich-AG: Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen, erhalten vom Arbeitsamt sechs Monate lang eine Förderung in Höhe des Arbeitslosengeldes plus Zuschlag für die Sozialversicherungen. Antragsteller müssen einen Businessplan vorlegen und ihn von Berufsverbänden oder Fachleuten wie Steuerberatern prüfen lassen.

Berufswechsler

Wer in seinem Beruf keine Beschäftigung mehr findet, kann beim Arbeitsamt eine Umschulung beantragen. 92.000 Arbeitslose nutzten im vergangenen Jahr dieses Angebot. In der Zeit der Umschulung erhält man Unterhaltsleistungen in Höhe des Arbeitslosengelds beziehungsweise der Arbeitslosenhilfe. Allerdings verkürzt sich durch die Umschulung die Zeit, in der man anschließend noch Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, um 50 Prozent.

Kündigungsschutz

Kleinbetriebe mit bis zu fünf Festangestellten dürfen zusätzlich bis zu fünf befristete Jobs schaffen, ohne dass der Kündigungsschutz gilt. Bisher musste ein Betrieb, der in die Krise gerät, in der Regel seine jüngeren, zuletzt eingestellten Beschäftigten zuerst entlassen. Künftig sollen Arbeitgeber und Betriebsrat freier aushandeln können, wer gehen muss. Die Leistung der Mitarbeiter wird dabei stärker als bisher berücksichtigt. Wer seine Kündigung erhalten hat, sollte zuerst überprüfen, ob ordnungsgemäß gekündigt wurde: Die Kündigung muss schriftlich erfolgen (kein Fax!), die Kündigungsfristen müssen eingehalten sein. Vorher muss der Betriebsrat angehört werden. Eine betriebsbedingte Kündigung kann unwirksam sein, wenn es jetzt oder in absehbarer Zukunft im Unternehmen einen freien Arbeitsplatz gibt, auf dem der Gekündigte eingesetzt werden kann. Wer glaubt, dass die Kündigung nicht rechtens ist, muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang Klage beim Arbeitsgericht einreichen. Verliert der Arbeitgeber den Prozess, muss er den Gekündigten wieder einstellen oder ihm eine Abfindung zahlen.

Arbeitslosengeld

Die Bezugsdauer wird ab 2006 auf 12 bis 18 Monate begrenzt (bisher maximal 32 Monate). Höhe: durchschnittlich 60 Prozent des letzten Monatsnettoeinkommens; mit Kind ca. 67 Prozent.

Markus Grill, Doris Schneyink, Nikola Sellmair


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