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L. Karasek: Tippt die noch ganz richtig?: Warum ich manchmal Dinge tue, die unpassend sind

Mit einem Doppelkinderwagen auf ein Straßenfest zu gehen, ist irgendwie unpassend. Trotzdem nimmt stern-Autorin Laura Karasek ihre Zwillinge mit. Auch wenn sie den Unmut anderer dafür erntet.

Von Laura Karasek

Es gibt immer einen Grund, warum man unpassende Dinge tut

Es gibt immer einen Grund, warum man unpassende Dinge tut

Man sollte sein Fahrrad nicht auf dem Gehweg abstellen! Man muss seinen Kinderwagen möglicherweise nicht mit auf ein Straßenfest nehmen! Man muss seinen Reisepass an der Sicherheitskontrolle vielleicht griffbereit haben...

Aber: manchmal hat man ja seine Gründe. Oder einfach leider zu viele Snacks in der Handtasche, so dass man nicht sofort an den Reisepass kommt. Und ich wühle da zwischen Müsliriegeln, Bananen (schon leicht aufgeplatzt und ausgequetscht, weshalb Bananenmus an meinen Kosmetikartikeln klebt), Hausschlüsseln und Lippenstiften auch nicht schneller, wenn Sie hinter mir drängeln, stöhnen und mir motivierend "Machen Sie mal hin, Blondie! Hier wollen noch andere fliegen!" rufen. Motzmanie! Früher hieß es: Klotzen statt Kleckern. Heute heißt es anscheinend: Motzen und Meckern.

Szene Eins: Der Frühling ist da! Ich will Freunde auf einem Platz in der Stadt treffen. Es ist Straßenfest. Tausend Stände und Buden verkaufen Weine und Würstchen. Ich bin gut gelaunt und trage eine Sonnenbrille und zum ersten Mal in diesem Jahr keine Jacke. Es ist Samstag und ich packe meine Kinder in den – Achtung – Doppelkinderwagen! Sie sind nämlich Zwillinge. Und sie sollen mit! An die Sonne, an die Luft. Als ich auf dem Platz ankomme, die Kinder dösen selig in ihren Sitzen vor sich hin, finde ich meine Freunde nicht sofort. Also schiebe ich mich mit dem Wagen durch die Massen, alle Leute stehen herum, trinken Wein, atmen Gezwitscher. "Entschuldigung," ich muss ein bisschen Slalom durch die trinkende Menge fahren und entdecke meine Freunde auf der anderen Seite des Platzes. Da sagt eine Frau hinter mir "Was will DIE denn hier mit ihrem Scheiß Doppelkinderwagen? Kann die ihre Gören nicht zuhause lassen." Ich bin fassungslos. Da steht diese Frau in der Sonne und trinkt – und hat trotzdem noch so schlechte Laune. "Wenn Sie keine Menschen mögen, bleiben Sie doch besser zuhause," entgegne ich. Eine Frau neben mir mischt sich ein: "Genau! Diese Kinder zahlen irgendwann mal Ihre Rente!" "Was bist Du denn für ne Mutter? Nimm erstmal die Sonnenbrille ab, bevor Du mit mir sprichst!" motzt die erste Frau mich weiter an. "Ich muss zu meinen Freunden. Schönen Tag noch. Es ist Frühling!" sage ich und gehe weiter. Innerlich zittere ich. Wie kann jemand so sein? Wie kann jemand Kinder so hassen? Was habe ich ihr getan? Jetzt bloß nicht weich werden... Denke ich noch. Die Sonnenbrille versteckt die Tränen. Heuschnupfen? Heulschnupfen.

Nagellack verschmiert jedes Mal

Szene Zwei: Ich sitze im Zug. Auf dem Weg nach Berlin, eine große Geburtstagsfeier. Ich habe es – als arbeitende Mutter – nicht geschafft, mir zuhause noch die abgeblätterten roten Fingernägel neu zu lackieren. Ist ohnehin immer schwierig mit den Kindern. Die wollen nämlich nicht warten mit dem Hochheben und Umarmen, bis der Nagellack getrocknet ist. Jedes Mal verschmiert irgendwas an mir oder meinen Zwillingen, wenn ich diesen Versuch unternehme. Ich musste schon eine meiner Blusen und drei Strampler wegwerfen, weil die roten Nagellack Spuren nicht mehr zu beseitigen waren... Ich sage zwar immer: Mach nicht zwei Mal denselben Fehler – mach ihn fünf Mal, nur um sicherzugehen... Aber langsam gehen mir die Klamotten aus. Also zuhause bleibt keine Zeit. Im Zug aber hat die junge Frau von heute und Mutter endlich mal Zeit für sich. Entschleunigung. Eigentlich will ich ein Buch lesen und vier Zeitungsartikel, die ich mir extra rausgerissen und mitgenommen habe... Vier Stunden also Ruhe und Bildung. Und: Spa Programm. Beauty. Statt zu lesen, schaue ich erstmal aus dem Fenster und höre Musik. Wer braucht Bildung, wenn man auch tagträumen kann? Lesen kann ich später. Die Realität ist für die, die ihre Träume nicht aushalten...

Als ich eine Stunde vor Berlin meine gesamte geheime Playlist (nur Schnulzen und Klassik) durchgehört habe, fallen mir meine Nägel wieder ein. Gelesen wird dann auf der Rückfahrt. Also hole ich den Nagellack raus und lackiere. Der Zug ruckelt etwas und ich bin linkshändig und ungeschickt, aber der Daumen hat schon mal geklappt! Stolz schaue ich den Finger an – kaum was überlackiert... Gerade will ich mich dem Zeigefinger zuwenden, da steht der hinter mir sitzende Mann auf und sagt "Sagen Sie, spinnen Sie?" Ich erschrecke – und rutsche natürlich mit dem Lack auf dem Finger aus. Alles daneben. "Sie verpesten hier die ganze Luft! Haben Sie kein Zuhause?" Ich bin ob dieser Aggressivität so verschreckt, dass ich gar nichts sage. Ich seh halt auch nach Opfer aus. Mit mir kann man's ja machen.

"Ich lasse Sie hier aus dem Zug werfen, wenn Sie nicht sofort damit aufhören! Oder ich rufe die Polizei!" poltert er weiter. Ich setze mich um und ringe mit den Tränen.

Ich schäme mich. Ich schäme mich für meine Nägel. Für meine Reaktion. Und für ihn. Was für ein böser, boshafter, schlechter Mensch!

Und nein, das fällt nicht unter Notwehrexzess oder Verhältnismäßigkeit. Das ist einfach nur fies. Fies sucks. Motzen sucks.

Diana Knodel im Profil

Lasst Eure Laune bitte woanders raus! Oder kauft Euch wenigstens ne Hundeleine. Cheers!


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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.