Managergehälter Gute Unternehmer statt Egoisten


Die aufgeregte Debatte über die Höhe der Managergehälter trifft nicht den Kern des Problems: Es geht nicht um die Höhe der Gehälter, sondern darum, wie sie zustande kommen. Belohnt werden derzeit nicht gute Unternehmer, sondern Eigennutz-Maximierer. Das Gehalt des Managers wird vom Wohl der Firma abgekoppelt.
Ein Kommentar von Jan Boris Wintzenburg

Die Gerechtigkeitsdebatte ist im vorweihnachtlichen Berlin angekommen. Wer hätte gedacht, dass in Zeiten des Aufschwungs, der laut weit verbreiteter Politikermeinung nun endlich bei den Bürgern ankommt, die Frage, was Arbeit wert ist, solche Emotionen auslösen kann: Wütend hacken Politiker aller Couleur auf den paar angestellten Managern rum, die in Deutschland mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen.

Es ist kurios, dass es bei der Diskussion nur um die Frage geht, ob die Bosse zu viel Geld erhalten und nicht darum, wie Normalverdiener mehr bekommen können. Schon werden schlaue Modelle diskutiert, wie man die Gehälter stutzen kann. Das "20-fache Angestelltengehalt" sei für Manager noch akzeptabel, findet etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel. Andere nennen das 50- oder 100-fache. SPD-Chef Kurt Beck lässt "gesetzliche Möglichkeiten" der Beschränkung prüfen - als ob es um Besoldungsstufen im Beamtenrecht ginge.

Dabei ist es vorrangig die Aufgabe der Politik, sich um die Verbesserung der Lebensbedingung aller Bürger zu kümmern, nicht um die Verschlechterung der Bedingungen für wenige. Damit führen die Volksvertreter genau das, was sie bei der Diskussion der auch nicht immer niedrigen Politikerbezüge als "Neiddebatte" beklagen. Das eigentlich Ungerechte ist aber, dass viele Bürger von einem Vollzeitjob zunehmend schwer leben, geschweige denn etwas für das Alter zurücklegen können. Doch diese Probleme schieben die Regierungsparteien weiter vor sich her.

Vorweihnachtliches Wahlkampfgetöse

Dass die von den Politikern in Berlin geführte Debatte keineswegs ernst gemeint ist, zeigt ein simpler Punkt: Wäre die Politik überzeugt, mehr als das 20-fache Angestelltengehalt (etwa eine Million Euro) zu verdienen sei unmoralisch, könnte sie mit einem neuen Spitzensteuersatz von sagen wir 60, 70 oder gar 80 Prozent für Einkommen über der Millionengrenze dem Treiben schnell ein Ende bereiten. Stattdessen wird so lange geprüft, bis die nächste Sau durchs Dorf getrieben werden kann. Bis zur nächsten Bilanzrunde, bei der neue Manager-Exzesse aktenkundig werden, herrscht dann wieder Ruhe an der Gerechtigkeits-Gehaltsfront für Bosse.

Und das ist schade. Denn die ständig steigenden Managerbezüge zeigen ein fundamentales Problem: Die Kontrolle angestellter Manager ist viel zu schwach. Die gewaltigen Gehaltssprünge der vergangenen Jahre waren nur möglich, weil Top-Manager sich in der Regel in den Aufsichtsräten gegenseitig kontrollieren - und über ihre Gehälter abstimmen. Es wurden Vergütungssysteme geschaffen, die neben der opulenten Bezahlung auch noch Sicherheitsnetze installiert, die Vorstände vom Wohlergehen der ihnen anvertrauten Unternehmen regelrecht abkoppeln: Ruhegelder, Rentengarantien, Prämien, Abfindungen, Versicherungen gegen Managementfehler und langfristige Verträge. So wurden aus unternehmerisch denkenden Chefs kühl kalkulierende Eigennutz-Maximierer. Sie handeln auf Kosten der langfristigen Aktionäre und der Mitarbeiter.

Gefährliches Gehaltssystem

Es haben sich Gehaltsstrukturen entwickelt, die volkswirtschaftlich auf lange Sicht kontraproduktiv sind. Handelt ein Manager mit Blick auf den langfristigen Erhalt und das Wohlergehen seines Unternehmens, hat er davon in der Regel wenig. Ja, er wird manchmal sogar dafür bestraft, weil nur relativ kurzfristige Erfolge zur Gehaltsberechnung herangezogen werden. Dass das kurzfristige Handeln langfristig das Unternehmen gefährdet und Jobs kosten kann, spielt dagegen keine Rolle.

Die USA, in denen sich solche Gehaltsstrukturen schon viel früher gebildet haben, sind ein gutes Beispiel dafür: Nach reinen Kostenkriterien wurde die Industrieproduktion immer mehr in andere Länder verlagert, in denen sie scheinbar günstiger war und mehr Rendite versprach. Inzwischen ist ein großer Teil der industriellen Basis der USA verloren gegangen - was sich nun im gewaltigen Außenhandelsdefizit und dem damit verbundenen schwachen Dollar zeigt.

Damit es uns in Deutschland nicht genauso geht, sollten Politik und Wahlvolk nicht über die Höhe der Managergehälter diskutieren. Die Frage ist, wie sie zustande kommen. Doch das ist leider kein emotionales Wahlkampthema, das so schön neidisch macht.


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