Metalltarifverhandlungen Erste Bezirke übernehmen Pilotabschluss


Nach dem Düsseldorfer Pilotabschluss für die Metall- und Elektroindustrie haben jetzt erste IG-Metall-Bezirke den Abschluss übernommen. Unterdessen wurde aber auch Kritik an der Einigung laut.

Erste IG-Metall-Bezirke haben heute den Abschluss übernommen, der in Düsseldorf für die Metall- und Elektroindustrie vereinbart wurde. In weiteren Tarifgebieten wird in den kommenden Tagen über eine Übernahme beraten. Unterdessen wurde aus dem Arbeitgeberlager Kritik am Pilotabschluss laut.

Vier Bezirke übernehmen Pilotabschluss

Als erste übernahmen die in der Mittelgruppe zusammengefassten IG-Metall-Bezirke Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie Osnabrück-Emsland den Abschluss. Die IG Metall in Bayern will den Pilotabschluss im Kern übernehmen. Allerdings lasse sich die Einigung nicht in allen Details auf Bayern übertragen, teilte die Gewerkschaft nach einer Sitzung der Tarifkommission in Ingolstadt mit. Die Arbeitgeber ließen offen, ob sie zustimmen. "Vor allem bei den Themen Ausbildung und Qualifizierung gibt es noch Diskussionsbedarf", sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der bayerischen Metall-und Elektroindustrie, in München.

Auch die Große Tarifkommission der IG Metall im Südwesten reagierte positiv. "Ich gehe davon aus, dass das Tarifergebnis nächste Woche große Zustimmung erhalten wird", sagte Bezirksleiter Jörg Hofmann. Am 2. Mai will die Tarifkommission endgültig über eine Übernahme beschließen.

Kritik aus dem Arbeitgeberlager

Trotz einer generellen Übernahmeempfehlung durch die Gewerkschaftsspitze und Gesamtmetall gab es im Arbeitgeberlager Vorbehalte. Kritische Töne kamen vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Die Einkommenserhöhungen von drei Prozent kosteten Arbeitsplätze und belasteten massiv die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland, sagte der VDMA-Präsident Dieter Brucklacher. Auf einhellige Zustimmung stieß dagegen die erstmals vereinbarte Öffnungsklausel, nach der die endgültige Entscheidung über Einmalzahlungen in die Betriebe verlagert wird.

"Eine Flexibilisierung mit Augenmaß als Ergänzung und Vertiefung auf dem Sockel des Flächentarifvertrags ist ein Erfolg versprechendes Modell", sagte der Hamburger Professor für Industrie- und Betriebssoziologie, Jürgen Prott. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, zwar sei die Einigung mit Einkommenserhöhungen von drei Prozent "teuer erkauft". Dennoch sei der Abschluss insgesamt zu begrüßen, weil er die Möglichkeit eröffne, auf die wirtschaftliche Situation stärker zu reagieren.

Kein Einfluss auf die Konjunkturentwicklung erwartet

Volkswirte der deutschen Großbanken sehen durch den Abschluss keinen Einfluss auf die Konjunkturentwicklung. Allerdings gehe von dem Abschluss auch kein Impuls für mehr Beschäftigung in der Branche aus, stellten die Ökonomen der Deutschen Bank, Commerzbank und Dresdner Bank übereinstimmend fest. Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters verteidigte den Abschluss. "Die Kritik ist weder angemessen noch hat sie einen wirtschaftlichen Hintergrund", sagte Peters am Montag am Rande der Vorstandstagung der Gewerkschaft in Fulda.

Im Bezirk Küste bahnte sich ein Konflikt um den ebenfalls in Düsseldorf vereinbarten Tarifvertrag zur Weiterbildung an. Die Arbeitgeber äußerten Vorbehalte, die Qualifizierung der Beschäftigten in einem Tarifvertrag zu verankern. Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, Thomas Klischan, sagte: "Da müssen wir intensiv diskutieren, ob wir das wirklich brauchen." IG Metall Bezirksleiterin Jutta Blankau erklärte: "Wir sind nicht bereit, davon abzuweichen".

Weitere Beratungen in den nächsten Tagen

Für Thüringen standen am Montagabend Beratungen über den Abschluss an. Am Dienstag beraten Arbeitgeber und IG Metall für die Beschäftigten im Tarifbezirk Niedersachsen über eine Übernahme des Abschlusses. Für Berlin und Brandenburg soll am Mittwoch über eine Übernahme verhandelt werden. Voraussichtlich am Freitag wird im Bezirk Küste verhandelt.

Die Tarifparteien hatten sich im Düsseldorfer Pilotabschluss auf Einkommenserhöhungen von drei Prozent ab dem 1. Juni geeinigt. Für die Monate März, April und Mai wurde eine Einmalzahlung von 310 Euro beschlossen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von insgesamt 13 Monaten.

DPA DPA

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