Ratgeber Schritt für Schritt in die Fremde

Einfach die Koffer packen und los? Schön wär's. Wer ins Ausland ziehen will, sollte sich gut informieren, bevor er sich auf das Abenteuer einlässt. Jobs, Rente, Gesundheit - der stern beantwortet die wichtigsten Fragen.

1. Wo kann ich mich informieren?

Arbeitsagentur: Allgemeine Informationen und gute Merkblätter zum europäischen Ausland bietet der Europaservice im Internet (www.europaserviceba.de). Informationen zum außereuropäischen Ausland sind am besten bei der ZAV über die Auslandshotline, Tel.: 0180-52220 23 (12 Cent/Minute), einzuholen.
Wohlfahrtsverbände: Das Deutsche Rote Kreuz, das Diakonische Werk, das Raphaels-Werk und der Verein für internationale Jugendarbeit bieten Beratungsstellen. Eine Liste findet man bei: www.stern.de/auswanderer
Europäische Kommission: Deren Informationsservice hält Merkblätter bereit, telefonisch zu bestellen unter 030-2280-2000. Verlässliche und ausführliche Information gibt es auch im Internet: www.europa.eu.int/youreurope. Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK): für Selbstständige. Wer seinen eigenen Betrieb im europäischen Ausland gründen will, findet bei den IHK-Euroinfocentern Informationen: www.diht.de/eic. Weltweit helfen die Auslandshandelskammern vor Ort: www.ahk.de.

2. Wie finde ich einen Job?

Arbeitsagentur:

Klicken Sie auf der Homepage der Arbeitsagentur (www.arbeitsagentur.de) auf "Arbeits- und Ausbildungssuche" und "Stellenangebote", dann auf "Suchkriterien hinzufügen" und "Land ändern". Internationale Jobangebote gibt es alle 14 Tage in "Markt + Chance", einem Magazin, das in den Arbeitsagenturen ausliegt. Das Magazin kann auch kostenlos abonniert werden bei der Schenkelberg Stiftung: mcabo@schenkelberg-ag.de, Tel.: 02225/8893-118.

Eures-Vermittlung:

Das EU-Netzwerk Eures unterhält eine Stellenbörse für Europa (www.europa.eu.int/eures)

Jobmessen:

Die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) und die 16 Europaservice-Zentralen der Agentur für Arbeit veranstalten regelmäßig internationale Jobmessen, zu denen private Arbeitsvermittler, Zeitarbeitsfirmen und ausländische Arbeitgeber anreisen. Die Termine sind bei der Arbeitsagentur zu erfragen. Private Vermittlung: Vorsicht, unter den privaten Vermittlern, von denen viele Geld verlangen, tummeln sich auch einige schwarze Schafe. Wenn auf die Formalitäten bei Arbeit im nicht-europäischen Ausland nicht eingegangen wird, handelt es sich möglicherweise um illegale Beschäftigung, das heißt: Einreise als Tourist - und dann Schwarzarbeit. Örtliche Arbeitsagenturen haben häufig eine Liste mit unseriösen Anbietern vorliegen.

Eigenregie:

Wer selbst Stellenbörsen im Internet durchforschen will, braucht viel Geduld. Österreich: www.ams.or.at und http://derstandard.at; Schweiz: www.jobwinner.ch. USA: www.monster.com, www.bestjobsus.com, www.careermosaic.com. Neuseeland: www.seek.co.nz

3. Wie bewerbe ich mich im Ausland?

Prinzip eins: Genauso sorgfältig wie im Inland. Prinzip zwei: Erkundigen Sie sich nach Länderspezifika. Nennen Sie Ihr Abitur etwa bei einer Bewerbung in Österreich Matura. Damit zeigen Sie, dass Sie sich mit dem Land befasst haben. Länderbezogene Bewerbungstipps und -muster gibt es unter www.jobpilot.de und www.monster.de. Buchtipps: Dirk und Karsta Neuhaus: "Das Bewerbungshandbuch für Europa". Bietet hilfreiche und gut recherchierte Informationen von der Stellensuche bis zum treffenden Bewerbungsvokabular für Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. ILT-Verlag, 2004, 302 Seiten, 15,90 Euro. - Klaus Schürmann und Suzanne Mullins: "Weltweit bewerben auf Englisch." Geht detailliert auf englischsprachige Länder ein, von der Bewerbung bis zum Vorstellungsgespräch. Eichborn, 2003, 224 S., 16,90 Euro.

4. Wie kann ich die Sprache lernen?

Sprachkenntnisse sind entscheidende Türöffner, zu erwerben etwa an Volkshochschulen. Einige Bildungseinrichtungen bereiten Arbeitslose sprachlich auf einen Auslandsaufenthalt vor. So das Baltic-Training-Center in Rostock, das Kurse für die Niederlande und Skandinavien anbietet (www.btcweb.de). Englisch und Französisch lernen Arbeitslose in verschiedenen Arbeitsagenturen (www.europa-jobcenter.de). Bei Bewerbungen im englischsprachigen Ausland ist es sinnvoll, einen Kurs zu belegen, der mit einem Zertifikat (TOEFL, Cambridge) abschließt. Eine Liste qualitätsgeprüfter Anbieter findet man unter www.fdsv.de.

5. Wie bekomme ich ein Visum/eine Arbeitsgenehmigung?

Europa:

Zur Einreise in EU-Länder ist kein Visum notwendig. Zudem kann ein Deutscher innerhalb der EU - außer in den zehn neuen Mitgliedsstaaten - jegliche Arbeitsstelle ohne gesonderte Arbeitserlaubnis antreten. In Nicht-EU-Ländern wie Schweiz und Norwegen muss in der Regel eine Arbeits- bzw. Aufenthaltsgenehmigung beantragt werden.

Weltweit:

Die Bestimmungen für Arbeitssuchende im außereuropäischen Ausland sind komplex, die Bearbeitung der Anträge dauert mehrere Monate. Informieren Sie sich in den Botschaften der Zielländer. USA: www.usbotschaft.de, Australien: www.australian-embassy.de, Neuseeland: www.nzembassy.com, Kanada: www.kanada-info.de. 6. Wie sichere ich mich im Ausland sozial ab? Kranken-,

Arbeitslosen- und Rentenversicherung:

Diese Beiträge zahlen Sie künftig im Ausland, wenn es dort entsprechende Regelungen gibt. Besprechen Sie Ihre Absicherung mit dem ausländischen Arbeitgeber. Innerhalb der EU gilt: Sie zahlen die gleichen Beiträge wie Inländer und haben Anspruch auf die gleichen Leistungen. Diese können aber stark vom deutschen Niveau abweichen. Sichern Sie sich im Zweifelsfall privat ab.

Rentenversicherung:

Ihre in Deutschland erworbenen Rentenansprüche bleiben gewahrt und werden mit den im Ausland erworbenen verrechnet. Genauere Informationen gibt es unter: www.deutsche-rentenversicherung-bund.de Krankenversicherung: Denken Sie daran, mit Ihrer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung eine Stilllegungs- oder Ruhe-vereinbarung abzuschließen. Sonst drohen bei Rückkehr Probleme. Wer längere Zeit nicht in Deutschland gelebt hat, kann nämlich nicht automatisch wieder in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehren.

Arbeitslosenversicherung:

Wer in Deutschland Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann es für drei Monate ins EU-Ausland und in die Schweiz "mitnehmen", um dort nach Arbeit zu suchen. Weitere Informationen erteilt die Arbeitsagentur.

7. Was kostet das Auswandern?

Im EU-Ausland beschränkt es sich im Wesentlichen auf die Umzugskosten, Heimfahrten und erhöhte Telefonrechnungen. Teurer wird es außerhalb Europas: mit Gebühren für Visum, diverse Anträge, manchmal auch Gesundheits- oder polizeiliches Führungszeugnis (zwischen 800 und 2000 Euro). Die dafür erforderlichen Papiere müssen übersetzt werden, was schnell ein paar hundert Euro kosten kann. Hinzu kommen Reisekosten, gegebenenfalls der Transport des Besitzstands. Eine Auswanderung nach Neuseeland kann pro Person gut und gerne 8000 Euro kosten.

8. Bekomme ich Förderungen bei der Auswanderung?

Die Arbeitsagentur fördert unter bestimmten Voraussetzungen Ausbildungssuchende, Arbeitslose und "von Arbeitslosigkeit Bedrohte", die im Ausland Arbeit finden. Fördermöglichkeiten: einmalige Reisekostenbeihilfe (bis 300 Euro), Kostenbeihilfe für die täglichen Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstelle in den ersten sechs Monaten, Trennungskostenbeihilfe (monatlich 260 Euro für die ersten sechs Monate), Ausrüstungsbeihilfe für Arbeitskleidung und -gerät (bis 260 Euro), Übergangsbeihilfe (bis 1000 Euro als Darlehen), Umzugskostenbeihilfe (bis 4500 Euro).

Buchtipp:

Martin Massow: "Karriere-Atlas Europa." Wurde seit 2001 nicht mehr aktualisiert, bietet dennoch hilfreiche Informationen von der Einreise über länderspezifische Bewerbung bis zur Arbeitserlaubnis und Sozialversicherungen in 46 Ländern. Gute Anfangsorientierung. Econ, 2001, 618 Seiten, 10,95 Euro.

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