Schweizer Arbeitsmarkt Greencards für Heidis Heimat


Wer immer schon mal in der Schweiz arbeiten wollte, hat ab Juni dazu beste Chancen: Die Eidgenossen öffnen ihren Arbeitsmarkt für Europäer - allerdings nur für die 15 Staaten des alten Europa. Besonders gut sieht es im Gastgewerbe aus.

Dass es sich in der Schweiz gut leben, arbeiten und verdienen lässt, hat sich in Europa mittlerweile herumgesprochen. Ab 1. Juni öffnen die Eidgenossen ihren Arbeitsmarkt für diejenigen, die in den 15 "alten" Ländern der Europäischen Union, also ohne die Staaten des ehemaligen Ostblocks, aber auch in Liechtenstein, Norwegen, Island, Malta und Zypern leben. Erwartet wird eine deutliche Zunahme von Fach- aber auch Hilfskräften etwa in der Gastronomie aus dem Ausland für den Schweizer Markt. Davon wiederum erhoffen sich viele einen weiteren Konjunkturschub, wenn die neue Konkurrenz auch etwas auf die Löhne drücken könnte. Hintergrund einer erwarteten neuen Einwanderungswelle sind die so genannten bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, die vor fünf Jahren abgeschlossen wurden. Seitdem wurde 15.000 Europäern jedes Jahr erlaubt, sich dauerhaft in der Schweiz niederzulassen. Die meisten kamen aus Deutschland, von denen derzeit etwa 200.000 dort leben. Es folgen Frankreich, Italien oder Portugal. Diese Bewilligungen waren nach Auskunft der Behörden immer in kurzer Zeit vergeben. Somit wurden auch 50.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Jetzt rechnet man eben mit denjenigen, die es bisher vergeblich versucht haben. Werden es zu viele, könnte die Schweiz noch einmal Kontingente einführen - aber nur noch bis 2013.

Nur 113.000 Schweizer waren arbeitslos gemeldet

Das Wirtschaftsministerium in Bern geht aber davon aus, dass das Land und seine Konjunktur frische Arbeitskräfte gut verkraften werden. Die Arbeitslosenquote lag im April bei 2,9 Prozent nach 3,0 Prozent im März. Gerade mal knapp 113.000 Menschen waren arbeitslos gemeldet, was als Vollbeschäftigung gilt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll in diesem Jahr um zwei Prozent zunehmen, 1,7 Prozent könnten es 2008 sein, bei einer Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent. Für Dieter Grossen, den Vizedirektor des Bundesamtes für Migration, gibt es also bei der Einwanderung in die Schweiz einen Nachholbedarf. "Vor allem im Juni und Juli rechnen wir mit einer starken Nachfrage von EU-Bürgern nach Arbeitsplätzen in der Schweiz." Ziel der schweizerischen Einwanderungspolitik war es, die Zuwanderung so zu steuern, dass "Menschen aus dem gleichen Kulturraum und mit beruflicher Qualifikation in die Schweiz kommen", so Grossen. Heute lebten weniger Menschen aus Drittstaaten in der Schweiz. Stattdessen steige der Anteil an EU-Angehörigen mit guter Ausbildung. "Die Personenfreizügigkeit hat für die Schweiz wahrscheinlich schon positive Effekte", sagte Daniel Lampart, Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Für die Unternehmen werde es künftig noch einfacher, hochqualifiziertes Personal zu bekommen. Allerdings warnen die Gewerkschaften vor Lohndruck. Und wer aus Ländern außerhalb der EU kommt, findet wohl nur noch einen Arbeitsplatz in der Schweiz, wenn er hochqualifiziert ist. Unabhängig davon wird das Parlament über die Weiterführung und die Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf die neuen, also die osteuropäischen EU-Staaten, entscheiden müssen. Darüber soll 2009 abgestimmt werden. Hängt die Konjunktur aber bis dahin wieder durch, werden hitzige Debatten über die gesamte Freizügigkeit erwartet.

DPA DPA

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