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Doppel-Pass: Staatsbürgerschaft im Angebot – darum müssen Reiche nie mit dem Schlauchboot fliehen

Reiche können entweder einen Pass kaufen oder sie erwerben ein Dauervisum wie die Greencard. Strenge Einwanderungsbestimmungen gelten nur für Arme, reiche Migranten sind dagegen überall willkommen.

Zypern steht in der Kritik, weil es die Staatsbürgerschaft verkauft.

Zypern steht in der Kritik, weil es die Staatsbürgerschaft verkauft.

Getty Images

2200 Flüchtlinge sind nach UN-Angaben 2018 im Mittelmeer ertrunken. Die Personalien vieler Toter sind unbekannt, aber eines dürfte sicher sein: Reiche finden sich wohl nicht unter ihnen. In vielen Ländern wird erbittert über die Einwanderungsfrage gestritten. Verschwiegen wird meist, dass Lager, Zäune und Abschiebungen nur für die Armen dieser Welt vorgesehen sind. Wer Geld hat, muss weder durch die mexikanische Wüste wandern, noch über die EU-Mauer in Ceuta klettern oder in einem Schlauchboot das Mittelmeer überqueren. Er wird auch nicht abgeschoben. Die Todesrouten sind für die Habenichtse gedacht, die Reichen können sich ganz legal entweder einen Pass oder ein Aufenthaltsrecht in ihrem Wunschland kaufen.

Spezialisierte Beratungsunternehmen

Inzwischen gibt es Unternehmen wie Henley and Partners, CS Global und Apex, die sich auf die Vermittlung eines Passes oder von Visa spezialisiert haben. Sie sagen, nur wenige ihrer Kunden siedeln tatsächlich in das betreffende Land um. Für die meisten ist der Zweit-Pass eine Art Versicherungspolice.

Ein zweiter Pass bringt viele Vorteile. Kein Wunder, dass bei Befragungen wie dem Citizenship Survey 2017 von CS Global, 89 Prozent der Befragten Interesse an einem Doppelpass bekundet haben. 80 Prozent fanden die Idee selbst dann reizvoll, wenn sie Geld für den Zweitpass bezahlen müssten. Individuell variiert die Situation je nach Land des Erstpasses. Lebt man im Land, das wenig Rücksicht auf die Bürgerrechte nimmt, kann der Pass die eigene Rechtssicherheit erhöhen. Fürchtet man Krisen im Heimatland, bietet der zweite Pass die Chance, problemlos in den zweiten Staat auszuwandern.

Der Bedarf ist also da, und eine ganze Reihe von Ländern verkaufen ihre Staatsbürgerschaft. Das ist meist keine Gebühr, sondern ein Programm, um Investitionskapital ins Land zu holen. Wer in Immobilien, die Landwirtschaft oder in strukturschwache Regionen investiert, wird mit einem zweiten Pass belohnt.

Goldene Visa

Eine Stufe unterhalb eines echten Passes rangieren sogenannte "Gold Visa" – wie die Greencard der USA. Doch so ein privilegiertes Niederlassungsrecht hat Nachteile. Anders als eine echte Staatsbürgerschaft kann dieses Recht einfach widerrufen werden. Es gilt auch nicht automatisch für enge Verwandte. Im Ausland gilt man stets als Staatsbürger seines ersten Landes. Litauen bietet so ein Investitionsmodell an, doch dann kann man sich damit allein in dem kleinen baltischen Land niederlassen. Ein echter Pass hingegen wäre eine Eintrittskarte in den ganzen EU-Raum.

Nuri Katz leitet ein Beratungsunternehmen, das Pässe vermittelt. Er sagte zu "Business Insider": "Für viele wohlhabende Menschen ist es wichtig, einen zweiten oder dritten Pass zu haben, um reisen zu können. Für einige ist es auch ein Statussymbol, wie der Kauf eines schicken Autos, um es deinen Freunden zu zeigen."

Grundsätzlich geht es vielen auch darum, einen steuermindernden Pass zu besitzen. "Es gibt gewisse Vorteile, wenn man die zweite Staatsbürgerschaft nutzt, um einen Wohnsitz in Ländern zu schaffen, in denen die Steuerlast geringer wäre als in den Ländern, in denen man sich zum jetzigen Zeitpunkt befindet."

In den USA kann man sich keine echte Staatsbürgerschaft kaufen, dafür aber die begehrte Greencard (EB-5-Visum). Sie gewährt ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht und das Recht, in den USA zu arbeiten. Dafür muss man nur etwa 500.000 Dollar in bestimmten Branchen investieren. Vorteil hier: Das Geld wird vielleicht nicht super-profitabel angelegt, doch es ist nicht weg. Der Nachteil: Wird man in den USA straffällig, kann das Visum widerrufen werden.

Von billig bis teuer 

Die Billigheimer des Passhandels sind die Mini-Staaten in der Karibik. Hier kann man schon ab 100.000 Euro einen Pass bekommen. Doch außer dem Recht, sich in den Steuerparadiesen niederzulassen, kann man nicht allzu viel mit so einem Dokument anfangen. Begehrter sind die Pässe von EU-Ländern. In Österreich ist so ein Erwerb im Prinzip möglich, doch die Kosten sind extrem hoch. Die lockere und günstige Vergabepraxis in Malta und Zypern sorgt regelmäßig für Ärger in der EU, weil sich dort Russen günstig mit einem EU-Pass eindecken.

Diese nicht vollständige Liste zeigt ungefähr die Dimensionen:

  • Zypern 1.500.000 Euro
  • Malta 880.000 Euro
  • Bulgarien 500.000 Euro
  • Türkei 850.000 Euro
  • Moldawien 250.000 Euro
  • St. Kitts and Nevis 130.00 Euro
  • Antigua and Barbuda 100.000 Euro

Eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung, die in etwa mit der Greencard der USA vergleichbar ist, gibt es in vielen EU-Staaten. Ein solches Aufenthaltsrecht kostet 65.000 Euro in Lettland, 250.000 in Griechenland und 500.000 Euro in Spanien. Ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht kostet in begehrten Ländern deutlich mehr: Australien verlangt 1,3 Millionen Euro, Neuseeland ruft 1,7 Millionen Euro auf und Großbritannien 2,25 Millionen.

In Deutschland gibt es keine Preisliste, aber wer hier investiert, kann nach § 21 Aufenthaltsgesetz eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Quellen

MSNGuardianBloomberg