Universitätskliniken Die Zeichen stehen auf Streik


In einer Urabstimmung entscheiden 22.000 Ärzte an Universitätskliniken darüber, ob sie in den Streik treten. Es zeichnet sich eine starke Streikbereitschaft ab - mit Konsequenzen für die Patienten.

Im Tarifkonflikt der 22.000 Ärzte an den deutschen Universitätskliniken zeichnet sich ein flächendeckender Streik ab. Nach den ersten Ergebnissen einer Urabstimmung hätten in einzelnen Universitätskliniken in ganz Deutschland weit über 90 Prozent der Ärzte für einen unbefristeten Ausstand gestimmt, sagte der Sprecher des Marburger Bundes, Athanasios Drougias, am Dienstag in Berlin. Zur Beteiligung machte die Ärztegewerkschaft keine Angaben. Die Unikliniken warnten, Operationen müssten wahrscheinlich verschoben werden. Der Streik soll am Donnerstag beginnen.

Das Endergebnis der bis zum Abend laufenden Urabstimmung wird für Mittwoch erwartet. Für einen Streik müssen mindestens 75 Prozent zustimmen. Drougias sagte, die Streikvorbereitungen liefen auf Hochtouren. Am Donnerstag sei eine Großkundgebung der Mediziner in Mainz mit symbolisch gemeintem Beginn um 12.05 Uhr geplant. Kundgebungen soll es auch in Tübingen und Heidelberg geben. Drougias wertete die ersten Stimmergebnisse als "deutliches Signal der Klinikärzte für ihr gutes Recht auf anständige Arbeitsbedingungen und leistungsgerechte Vergütung zu kämpfen".

Operationen nur in Notfällen

Der Vorsitzende des Bundesverbands der Unikliniken, Rüdiger Strehl, warnte: "Beim Streik in der Küche kann man das Essen von außerhalb beziehen, aber für Ärzte gibt es keinen Ersatz." Operationen seien dann oft nur noch in Notfällen möglich, sagte Strehl der DPA. Die Forderung der Ärztegewerkschaft nach 30 Prozent mehr Gehalt nannte Strehl vor allem bei jungen Ärzten "völlig überzogen". Nachwuchsärzte seien erst nach drei bis vier Berufsjahren voll einsatzfähig. Drougias wies dies als "blanken Unsinn" zurück. "Strehl wäre gut beraten, sich aus seinem stillem Kämmerlein in die Krankenversorgung der Universitätskliniken zu begeben, um zu erkennen, dass es gerade die jungen Assistenzärzte sind, die wie die Kesselflicker schuften", sagte der Marburger-Bund-Sprecher.

Unabhängig vom Ausgang der Urabstimmung wird in Hamburg nicht gestreikt. Das sagte der Personalchef des Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE), Oliver Füllgraf, der Deutschen Presse-Agentur (DPA) am Dienstag. "Das UKE wird definitiv nicht bestreikt", sagte Füllgraf, der auch Verhandlungsführer des Krankenhaus-Arbeitgeberverbandes Hamburg (KAH) ist. Grund für den "Normalbetrieb" sei die Friedenspflicht im Zuge der laufenden Tarifverhandlungen zwischen Marburger Bund und KAH. Das UKE war 2005 wie andere Kliniken in der Hansestadt aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ausgetreten und zum KAH gewechselt. Die Tarifverhandlungen seien auf gutem Weg, betonte Füllgraf. Die besonders strittige Arbeitszeit sei bereits "unter Dach und Fach". Marburger Bund und KAH haben nach seinen Worten für die rund 1200 UKE-Ärzte eine Regelarbeitszeit von 40-Stunden pro Woche vereinbart, die individuell auf bis zu 48 Stunden erhöht werden könnte.

Ärzte fordern bessere Arbeitsbedingungen

Bundesweit wollen die Arbeitgeber die Arbeitszeit der Beschäftigten auf 42 Stunden erhöhen sowie Sonderzahlungen streichen. Der Marburger Bund hatte die Tarifverhandlungen in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt. Die Ärzte fordern bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent höhere Einkommen. Parallele Tarifverhandlungen für die Mediziner an den kommunalen Krankenhäusern laufen dagegen weiter.

DPA DPA

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