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Urlaubsanspruch: Kann mein Chef mir vorschreiben, wann ich meinen Urlaub nehme?

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Doch nicht jeder Arbeitnehmer hat dieselben Ansprüche. Was gesetzlich vorgeschrieben ist, ob er verfällt, wenn er nicht genommen wird und ob der Chef das letzte Wort hat, erfahren Sie hier.

Ein Paar liegt in einer Hängematte als Symbolfoto für Urlaubsanspruch

Füße hoch: Wer arbeitet, hat auch ein Recht auf Urlaub

Getty Images

Eine erst kürzlich veröffentlichte Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab: Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Berufstätigen in Deutschland sind auch im Urlaub für den Chef oder die Kollegen erreichbar. Eine rechtliche Grundlage gibt es hierfür allerdings nicht. Urlaub ist immerhin Urlaub. Und da sollte man sich erholen und nicht an die Arbeit denken.

Ob mir der Chef in meine Urlaubsplanung reinreden darf, ob er mich im Zweifel sogar aus dem Urlaub holen darf und wie viel Urlaub jedem Arbeitgeber laut Gesetz zusteht: Hier finden Sie die wichtigsten Antworten:

Wie viel Urlaub steht mir gesetzlich zu? 

Laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) beträgt der gesetzliche Mindesturlaub vier Wochen, beziehungsweise 24 Werktage pro Jahr, wenn Sie Montag bis Samstag arbeiten. Entsprechend besteht bei einer 5-Tage-Woche ein gesetzlicher Mindesturlaub von 20 Arbeitstagen. Wer in einem Unternehmen mit Tarifvertrag arbeitet, hat in der Regel einen längeren Urlaubsanspruch - in der Metall- und Elektroindustrie sind es beispielsweise 30 Tage. Auch in zahlreichen anderen Branchen wie in der Energie und Wasserversorgung oder bei Banken und Versicherungen ist der 30-Tage-Urlaub inzwischen die Regel.

Ab wann steht mir Urlaub zu?

Laut Gesetz hat man nach Aufnahme einer Tätigkeit in einem Betrieb erstmals nach sechs Monaten einen Urlaubsanspruch.

Kann mir mein Chef vorschreiben, wann ich meine Urlaubstage nehme?

Grundsätzlich Ja. Zwar sind die Wünsche des Arbeitnehmers laut BUrlG zu berücksichtigen, jedoch kann der Arbeitgeber aufgrund "dringlicher betrieblicher Belange" oder wegen Urlaubswünschen anderer, die "unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen", Einfluss auf den Zeitpunkt nehmen. Nämlich dann, wenn er die Schulferien bei Angestellten mit schulpflichtigen Kindern berücksichtigen muss. Wird man sich nicht einig, hat der Betriebsrat mitzubestimmen.

Darf der Chef mich aus dem Urlaub holen?  Und falls ja, unter welchen Umständen?

Grundsätzlich nicht. Einmal erteilter Erholungsurlaub lässt sich in aller Regel nicht einseitig widerrufen. Hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zur Erfüllung des Anspruchs auf Erholungsurlaub (§ 1 BUrlG) freigestellt, kann er den Arbeitnehmer nicht einmal aufgrund einer Vereinbarung aus dem Urlaub zurückrufen (so urteilte das Bundesarbeitsgericht in einem Fall aus dem Jahr 2000). Es müssen also Extremfälle sein, dass ein Rückruf aus dem Urlaub gerechtfertigt ist.

Kann ich Resturlaub mit ins neue Jahr mitnehmen?

Normalerweise muss der Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Es sei denn, es liegen dringende betriebliche oder in der Person liegende Gründe (zum Beispiel Krankheit) vor, die es dem Arbeitnehmer nicht möglich machen, den Urlaubsanspruch im laufenden Kalenderjahr zu nehmen. Dann müssen die verbliebenen Tage in den ersten drei Monaten des Folgejahres, also bis spätestens zum 31. März, gewährt und genommen werden. 

Was ist, wenn ich im Urlaub krank werde?

Werden die Krankheitstage durch ein ärztliches Attest bestätigt, werden die Tage der Arbeitsunfähigkeit nicht auf den jährlichen Urlaub angerechnet. Heißt: Die Urlaubstage stehen dem Mitarbeiter weiterhin zu. Allerdings darf er die Krankheitstage nicht einfach hintendran hängen. Der Urlaub muss dann neu genehmigt werden. Das Bundesarbeitsgericht entschied zudem auf Grundlage einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs bereits im Jahr 2012, dass ein wegen einer langjährigen Erkrankung nicht genommener Urlaub erst 15 Monate nach Ablauf des Urlaubsjahres verfällt.

Kann ich mir Urlaubstage auszahlen lassen?

Im Gesetz heißt es dazu, dass der Jahresurlaub abgegolten werden müsse, wenn er wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden könne, zum Beispiel im Falle einer fristlosen Kündigung oder eines Aufhebungsvertrags mit sofortiger Wirkung. 

Kann mein Urlaubsanspruch verfallen? 

Nur dann, wenn der Arbeitgeber seinen Angestellten zuvor über die Verfallsfristen aufgeklärt hat. Das hat das Bundesarbeitsgericht im Februar 2019 in einem Grundsatzurteil entschieden. Demnach müssen Arbeitgeber ihre Beschäftigten künftig auffordern, noch nicht beantragten Resturlaub zu nehmen und darauf aufmerksam machen, dass er sonst verfällt. Unternehmen müssen ihre Angestellten "klar und rechtzeitig" auf nicht genommenen Urlaub hinweisen. Wann ein Hinweis rechtzeitig kommt - dazu trafen die Bundesrichter noch keine Entscheidung. Nach Ansicht von Experten können Beschäftigte nun prüfen, ob sie vielleicht doch noch Anspruch auf Resturlaub haben, von dem sie dachten, dass er verfallen sei.

Quelle: Bundesurlaubsgesetz, dgbrechtsschutz.de AFP/DPA

jek