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Katastrophe vor der Tür Diese Website zeigt, was der Klimawandel mit dem eigenen Zuhause anstellen könnte

Weitgehend zerstört präsentiert sich der Ortskern von Rech im Ahrtal drei Monate nach der Flutkatastrophe
Die Flutkatastrophe an der Ahr im Juli hat bislang 134 Menschen das Leben gekostet
© Boris Roessler / DPA
Die Folgen des Klimawandels kosten Jahr für Jahr unzählige Menschenleben. Doch ist es schwer, sich etwas vorzustellen, was nicht gerade vor der eigenen Haustür passiert. Eine kanadische Website will dies ändern.

Der Kampf gegen den Klimawandel bestimmt die Gegenwart und die Zukunft – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich. Dass die Temperaturen nicht nur in Indien steigen, Hurrikane nicht nur die Ostküste der USA heimsuchen und Waldbrände allein die Regenwälder im Amazonas verzehren, haben die Deutschen dieses Jahr bitterlich erfahren müssen. 133 Menschen sind bei der Flutkatastrophe im Ahrtal in diesem Sommer ums Leben gekommen. Die Folgen des Klimawandels klopfen längst an die deutschen Haustüren

Wem das immer noch "zu weit weg" ist, sei ein Besuch auf der Website "ThisClimateDoesNotExist.com" ans Herz gelegt. Die Entwickler haben es sich zum Ziel gemacht, die reellen Gefahren des Klimawandels bildlich zu veranschaulichen – wortwörtlich.

Eine "auf Empathie basierende Erfahrung"

Auf der Website können Nutzer eine beliebige Adresse angeben – die private Anschrift, das Elternhaus, ein Wahrzeichen. Dann macht sich eine künstliche Intelligenz ans Werk und wandelt das entsprechende Bild aus Google Street View um. Im Anschluss sehen Nutzer ein überraschend realistisches Bild des Ortes in drei unterschiedlichen Katastrophenszenarien: Überschwemmung, Brand oder Smog.

Künstliche Darstellung des Kölner Domds im Feuerschein
Der Kölner Dom im Schein eines verheerenden Feuers
© ThisClimateDoesNotExist.com
Künstliche Darstellung des Kölner Domds bei einer Überschwemmung
... im Fall einer heftigen Überschwemmung 
© ThisClimateDoesNotExist.com
Künstliche Darstellung des Kölner Domds im Smog-Dunst
... oder im giftigen Smog-Dunst
© ThisClimateDoesNotExist.com

"Damit der Planet die Klimakrise bewältigen kann, müssen wir alle so handeln, als ob unsere Häuser direkt betroffen wären", heißt es auf der Website. Das Projekt, das diese Woche online ging, sei eine "auf Empathie basierende Erfahrung", mit der jeder Mensch die Auswirkungen des Klimawandels persönlicher erleben und die psychologische Distanz verringern kann. Es sei das Ergebnis von zwei Jahren Arbeit, sagte Yoshua Bengio, Professor an der Universität von Montreal, gegenüber CNN. "In der Vergangenheit haben die Bürger von Wissenschaftlern, Berichten und Diagrammen über den Klimawandel gehört", so Bengio. "Und es gibt einen kognitiven Aspekt, der besagt, dass uns etwas nicht so viel Angst macht, wenn wir es nicht direkt vor Augen haben."

Quellen: "ThisClimateDoesNotExist.com"; "CNN"


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