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Nach der Insolvenz: "Toys R Us" ist zurück - und die neuen Geschäfte werden zu riesigen Spielplätzen

Im Herbst 2017 schlitterte die Spielwarenkette "Toys R Us " in die Insolvenz. Jetzt ist der Konzern zurück und eröffnet die ersten neuen Märkte. Und die vereinen Spielplatz mit Kauf. Die Strategie dahinter könnte funktionieren.

Toys R Us

Toys R Us will einige neue Filialen in den USA eröffnen.

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"Toys R Us" kehr zurück. Am Samstag eröffnet in New Jersey die erste Filiale nach der Pleite im September 2017, eine Woche später wird in Houston ein weiteres Geschäft eröffnet. Und das soll erst der Anfang sein: Die Spielwarenkette will zurückkehren - und dabei die Nostalgie der alten Läden mit neuem Konzept vereinen.

Nach Jahrzehntelangem Wachstum traf den Spielwarenhändler "Toys R Us" die Onlinekonkurrenz besonders hart. Der Verkauf 2005 an Investoren wie Bain und KKR und der damit einhergehende Übertrag der Schulden auf das Unternehmen, lasteten ebenfalls schwer. Befreien konnte sich "Toys R Us" nicht, die Insolvenz folgte. Rund 64.000 Mitarbeiter in 1500 Filialen waren damals betroffen. Während die profitablen Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz an den Wettbewerber Smyths Toys aus Irland verkauft wurden, mussten in den USA rund 800 Geschäfte geschlossen werden, weil sich kein Käufer finden ließ.

Nach Insolvenz: So gespenstisch sieht es im verlassenen Hauptquartier von "Toys R Us" aus
Toys R Us

Lobby der "Toys R Us"-Zentrale in Wayne, New Jersey: Auch Giraffe Geoffrey, das Maskottchen der insolventen Firma, steht zum Verkauf. 

So will "Toys R Us" durchstarten

Jetzt kehrt "Toys R Us"wieder in den stationären Handel zurück. Und der soll Kinder und Eltern zum Spielen verführen. "Wir wollten , dass überall, wo Sie sich im Geschäft umdrehten, Interaktivität herrscht”, sagte Richard Barry, Chef des "Toys R Us"-Mutterkonzerns Tru Kids zu "CNBC". Es gebe eine Vielzahl digitaler Spielmöglichkeiten, aber auch analoges Spielzeug darf man anfassen. "Wir glauben, dass 'Toys R Us' berühmt war und die Kunden uns wirklich als Experten auf dem Gebiet sahen”, sagte Barry. “Und wir möchten, dass wir das auch künftig sind, aber auf eine ganz andere Weise als zuvor, denn dies ist ein High-Touch-Erlebnisladen.“

Der Laden soll rund 6000 Quadratmeter groß sein und ist damit deutlich kleiner als die alten US-Filialen der Kette, die früher bis zu 40.000 Quadratmeter groß waren. Die Verkäufer werden darauf geschult, gemeinsam mit Eltern und Kindern Spielzeuge auszuprobieren. In der Mitte des neuen Geschäfts in New Jersey steht - benannt nach dem ehemaligen Giraffen-Maskottchen - das "Geoffrey's Tree House", ein Klettergerüst in Hausform. Gekauft werden kann im Geschäft - aber auch im neu aufgesetzten Online-Shop. 

Erlebnisfläche statt Spielzeugladen

Dass es überhaupt zu einem neuen Anlauf für den Spielzeugladen kommt, ist der Mutterfirma Tru Kids, die Anfang 2019 gegründet wurde, zu verdanken. Gemeinsam mit dem Start-up B8ta soll so das traditionsreiche Spieleunternehmen neu entstehen. B8ta gilt als Revolutionär des Einzelhandels. Die Firma aus San Francisco reduziert den Einzelhandel auf Showfläche. Dort können sich die Hersteller direkt einmieten. Wo dann das Produkt am Ende gekauft wird - im Laden, im Netz oder sonst wo - ist B8ta herzlich egal. Denn das Unternehmen bietet Mehrwert für die Hersteller: Es sammelt Daten von Kunden: Sämtliche Geschäfte sind mit 3D-Kameras ausgestattet, die filmen, wie Kunden Produkte ausprobieren, sich auf Tablets informieren oder sich von einem Verkäufer beraten lassen. Die Infos aus den Gesprächen, die Fragen der Kunden, die Bewegungen im Geschäft, das Zahlungsverhalten - all diese Daten bekommen die Hersteller von der Firma.

Kind in der Festivalmenge

 

B8ta betreibt mehr als ein Dutzend Geschäfte in Einkaufszentren in den USA. Dort werden unterschiedliche Marken präsentiert - und genau diese Logik wird nun auch auf die neuen "Toys R Us"-Geschäfte übertragen. Marken wie Nerf, Nintendo oder Lego bekommen kleine Mini-Boutiquen in den Stores.

kg