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Finanztest: Abzocke beim Abiball – wenn das Abschlussfest zur finanziellen Katastrophe wird

Der Abiball wird immer pompöser gefeiert. Partys im Schloss mit DJ, Fotografen und schickem Essen rufen inzwischen eigens dafür gegründete Agenturen auf den Plan. Doch "Finanztest" warnt, dass die Verträge schnell zu einem finanziellen Fiasko führen können.

Abiball als Abzocke

Abiball als Abzocke: Finanztest warnt vor teuren Agenturen

Getty Images

Roter Teppich, ein Schloss, edel eingedeckte Tisch, feinstes Catering samt Getränkeflatrate und dazu DJ, Fotografen und Sicherheitdienst: Abibälle werden immer pompöser. Rund 30.000 Euro kostet das Spektakel. "Seit etwa zehn Jahren werden die Feiern immer größer und teurer", sagt Dieter Cohnen, Sprecher der Landes­eltern­schaft der Gymnasien in Nord­rhein-West­falen, zu "Finantest". Die Schulabgänger feiern das Ende ihrer Schulzeit ausladend - und nutzen dafür auch die Dienste von professionellen Agenturen, die sich auf Abibälle spezialisiert haben. Doch das ist nicht ganz ungefährlich, berichtet "Finanztest".

Aufmerksam wurden die Experten von "Finanztest" auf die Verträge mit diesen Agenturen durch Betroffene, die mitunter auf mehreren tausend Euro sitzengeblieben sind. So erging es einer Schülerin aus Berlin, die den Abiball mit ihren Mitschülern über die Agentur Abiplaner buchte. Sie unterschrieb den Vertrag mit der Agentur und war plötzlich Veranstalterin. Eigentlich ging der Jahrgang davon aus, dass sie rund 200 Karten verkaufen würden. Der Jahrgang umfasste 80 Schüler. Doch die Agentur riet zu rund 380 Karten, das seien "Erfahrungswerte", wurde der Schülerin gesagt. Doch der Verkauf der Karten verlief schleppend. Am Ende entschieden sich die Schüler, den Vertrag zu stornieren. Kostenpunkt dafür: 8375 Euro. "Uns tut das sehr leid. Wir haben dabei draufgezahlt", sagt Olaf Marsson, Geschäftsführer von Abiplaner zu "Finanztest". Die Agentur habe inzwischen die Verträge überarbeitet und das Risiko für die Vertragspartner nahzu auf Null zurückgefahren. 

Wenn der Abiball richtig teuer wird

Das Problem: Die jungen Leute wollen zwar ein ausschweifendes Fest, doch ihnen selbst fehlt das Knowhow eine solche Party allein zu stemmen. Doch auch bei den Verträgen sind sie zu oft zu naiv. "Dort werden Geschäfte mit wirtschaftlich völlig unerfahrenen jungen Menschen gemacht", sagt der Berliner Rechtsanwalt Karun Dutta. Er hat bereits Schüler von 15 verschiedenen Schulen gegen Agenturen vertreten. Ein weiteres Problem in seinen Augen: Nach dem Abi zerbricht der Zusammenhalt zwischen den Schülern, sie gehen ins Ausland oder ziehen zum Studieren in andere Städte. Auf den Kosten würde dann der Vertragsunterzeichner allein sitzen bleiben. Und zum Teil wird es noch schlimmer, denn Frage der Haftung sei nicht immer geklärt. "Wenn das Büfett nicht reicht, der Fluchtweg zugestellt ist oder jemand über ein Kabel stürzt und sich verletzt, ist der Veranstalter in der Haftung. Er ist für die Sicherheit verantwort­lich und die Besucher haben mit ihm einen Vertrag, nicht mit der Even­tagentur", sagt Rechts­anwalt Thomas Waetke zu "Finanztest".

"Finanztest" hat einige Ratschläge parat: So ist es unklug, den Abiball kurzfristig zu planen. Auch die Unterschrift unter einem Vertrag mit einer Event-Agentur sollten die Schüler nicht leichtfertig geben, sondern das Kleingedruckte genau studieren. Auch die Kalkulation der Gästezahl ist wichtig, um kein böses Erwachen bei der Endabrechnung zu haben. Um nicht auf der Party noch Dinge verhandeln zu müssen, solle alles vorab vertraglich geklärt werden - wie lange die Flatrate bei den Getränken gilt oder wann der DJ nach Hause geht.

Finanztest bemängelt nicht generell die Agenturen

Die Experten bemängeln zwar einige Vertragsklauseln, doch generell Abraten würden nicht sie von Agenturen, die geprüft wurden. Allerdings machen sie auch klar: Wer einen pompösen Abiball feiern will und wenig Risiko bei den Finanzen eingehen möchte, muss höhere Kosten einplanen. 

Der Abiball der jungen Frau aus Berlin konnte trotz Stornierung stattfinden. Die hohen Stornogebühren und die Kosten für ein neues Fest wurden aus dem Ticketverkauf und mit Hilfe von Sponsoren und Elternvertretern aufgefangen. Am Ende tanzte der Jahrgang in der Schulmensa.

Den vollständigen Bericht mit allen Ratschlägen von "Finanztest" erhalten Sie gegen Gebühr unter www.test.de. 

kg