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Discounter: Diese Probleme machen Aldi Nord schlechter als Aldi Süd

Aldi Nord und Aldi Süd rücken zwar langsam enger zusammen. Dennoch trennt die Discounter viel. Von Kundenzufriedenheit bis zum Umsatz - immer hat Aldi Süd die Nase vorn. Aber warum?

Aldi Nord kämpft mit Problemen

Aldi Nord kämpft mit Problemen.

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Quer durch Deutschland zieht sich eine unsichtbare Grenze. Der "Aldi-Äquator" teilt die Republik in Aldi-Nord-Land und ins Aldi-Süd-Gebiet. Und auch wenn der Name des Discounter-Pioniers nahelegt, dass Aldi Nord und Süd doch eigentlich sehr ähnlich sein müssen, trennen diese beiden Discounter Welten.

Die "Wirtschaftswoche" hat sich die Billigheimer im Vergleich angesehen. "Egal ob Flächenproduktivität, Umsatz pro Mitarbeiter oder Kundenzufriedenheit – in allen zentralen Leistungskennziffern liegt der Süden vorn", sagt Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, zur "Wiwo".

Der Kundenmonitor Deutschland zeigt recht deutlich, dass Aldi Nord dem südlichen Bruder bei fast allen Punkten hinterherhinkt. Und so feiert sich der Süd-Discounter für die Top-Platzierung, wenn es um Wurst, Bio-Produkte, Kundenzufriedenheit, Freundlichkeit der Mitarbeiter oder die Gestaltung des Marktes geht. Lediglich beim Thema Preis-Leistung hat der Norden die Nase vorn. Doch wieso ist der Norden abgeschlagen? Wie kam es zu diesem Bruch? 

Wie kam es zum Aldi-Bruch?

Abgesehen vom Namen eint Aldi wenig. Die Gebrüder Theo und Karl Albrecht hatten nach dem Krieg den Tante-Emma-Laden der Eltern übernommen und zum Filialbetrieb ausgebaut, in dem Grundnahrungsmittel zu kleinen Preisen verkauft wurden. Ab dem Jahr 1961 trennen sich die Wege der Brüder: Die Republik wird in Aldi-Nord und Aldi-Süd aufgeteilt. Auch wenn sich die Geschäftsidee bei beiden Discountern erhält - die Brüder gestalten ihre Reiche höchst unterschiedlich.

Und dieser historische Bruch ist auch eines der drei großen Probleme, mit denen Aldi Nord kämpfen muss, um Anschluss an den Discounter-Bruder im Süden zu halten. Denn Aldi Nord stand unter der Kontrolle von Theo Albrecht, der von einem krankhaften Sparzwang besessen war. Immer noch wird die Geschichte überliefert, dass es Albrecht nicht ertragen konnte, wenn irgendwo Licht brannte, das nicht gebraucht wurde. Oder ein Mitarbeiter aus Langeweile mit Büroklammern spielte. Billige Effizienz - das war sein Credo. Und auch das seiner rechten Hand, Hartmuth Wiesemann, der im Sinne des alten Patriarchen die Discount-Philosophie fortsetzte. Keiner der Männer galt als Innovator. Warum auch. "Aldi Nord hielt deutlich länger als der Süden am ursprünglichen Konzept des Harddiscounts fest, verzichtete auf Sortimentsveränderungen und schob die Modernisierungen der Filialen auf", sagt Stephan Rüschen zur "Wiwo". 

Und so verrotteten Fenster, Fassaden und Fußböden. Bis vor wenigen Jahren sahen viele der Aldi-Nord-Filialen immer noch so aus wie in den 1980er Jahren. Ein riesiger Investitionsstau türmte sich auf. 

Karl Albrecht, Herrscher über Aldi Süd, war da weitsichtiger. Er hatte sich deutlich früher von der knallharten Billigmasche verabschiedet. Behutsam wurde am Konzept gefeilt, ohne dabei die preissensiblen Kunden aus dem Blick zu verlieren. Und so festigte sich das Bild vom schmuddeligen Aldi-Nord und dem aufgeräumteren Aldi-Süd. 

Aldi Nord modernisiert Filialen

Nun will Aldi Nord aufholen. Ein milliardenschweres Modernisierungspaket soll die maroden Filialen aufhübschen. Das kostet nicht nur Geld, sondern lässt auch den Umsatz sinken. Denn viele Läden müssen während der Baumaßnahmen schließen und erwirtschaften keinen Umsatz. Das Ergebnis: Aldi Nord schrieb 2018 erstmals in Deutschland rote Zahlen. (+++ Lesen Sie hier die Analyse: Wie Aldi Nord in die Krise rutscht +++)

Ein weiterer Grund, warum Aldi Nord nicht an Aldi Süd heranreicht, ist das Auslandsgeschäft. Hier legten die Brüder nach der Trennung 1967 los. Und teilten sich die Welt auf. Dabei bewies Karl Albrecht den richtigen Riecher: Er machte sich früh mit Aldi-Märkten in den USA breit. Inzwischen umfasst das Imperium auch das südliche Osteuropa. Und auch in Großbritannien ist Aldi-Süd unterwegs und treibt die etablierten Akteure wie Tesco vor sich her. 

Aldi Nord kämpft im Ausland

Aldi Nord zog es auch in die USA, allerdings unter dem Namen Trader's Joe. Diese Supermarktkette ist höherpreisig als Aldi. Diese Strategie beispielsweise auch nach Europa zu holen, hat Aldi Nord offenbar verschlafen. Ansonsten hat Aldi Nord vor allem den europäischen Markt im Blick - und da blieb das Wachstum überschaubar. Weder in Spanien, noch Portugal oder Frankreich konnte Aldi richtig durchstarten. Dabei gab es Potential. 

Zuletzt machten die Aldi-Erben vor allem durch Streitigkeiten untereinander auf sich aufmerksam. Nach dem Tod von Theo Albrechts Ehefrau Cäcilie "Cilly" Albrecht wurde ihr Testament öffentlich, in dem sie dem Familienstrang um ihre Schwiegertochter Babette Albrecht die Eignung für wichtige Posten absprach. 

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kg