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Arcandor-Insolvenz: Metro prüft Fusion und Weiterverkauf

Nach der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor buhlt Metro-Chef Eckhard Cordes weiter um die Karstadt-Warenhäuser. Und spielt mit dem Gedanken, nach einer möglichen Fusion mit der eigenen Tochter Kaufhof, den neuen K.u.K.-Konzern wieder zu verkaufen. Einen Interessenten aus dem Ausland gibt es offenbar schon.

Der italienische Unternehmer Maurizio Borletti ist einem Medienbericht zufolge an einer Beteiligung an einem neuen Warenhauskonzern interessiert, der aus einer möglichen Fusion von Kaufhof und Karstadt entstünde. Nach der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor prüfe Metro-Chef Eckhard Cordes bereits den Weiterverkauf eines möglichen neuen Konzerns an einen ausländischen Käufer, berichtet das "Handelsblatt". In Kreisen zweier beteiligter Investmentbanken werde Borletti als Interessent genannt. Der solle dabei von einem nicht genannten Finanzinvestor unterstützt werden. Borletti sagte dem "Handelsblatt": "Es laufen derzeit Diskussionen, an denen wir uns beteiligt haben. Aber angesichts der delikaten Lage ziehe ich es vor, nicht zu kommentieren."

Auch Metro hielt sich zu einer möglichen Übernahme der geplanten Deutschen Warenhaus AG durch den Italiener bedeckt. "Uns liegt dazu nichts vor", sagte ein Sprecher dem "Handelsblatt". Er bestätigte aber, dass Metro die Warenhäuser zunächst einer ein- bis zweijährigen Umstrukturierung unterziehen wolle, um sie dann mehrheitlich abzugeben. Dabei sei auch ein Börsengang eine Option.

Cordes bekräftigte das Interesse seines Konzerns an den zu Arcandor gehörenden Karstadt-Warenhäusern. "Wir wollen einen starken Kaufhauskonzern bauen", sagte er dem ZDF. "Wir haben ein kurz- und mittelfristiges Ziel, dieses neue Ganze zu schaffen, und ich glaube sogar, und da bin ich jetzt ganz tollkühn, dass es die Möglichkeit geben könnte, ein solches neues Unternehmen an die Börse zu bringen", betonte der Metro-Chef.

Nach der geplanten Zusammenlegung von Karstadt und Kaufhof sollten von den dann insgesamt gut 200 Warenhäusern etwa 160 erhalten bleiben. Zugleich zeigte Cordes sich zuversichtlich, dass es keine kartellrechtlichen Bedenken geben sollte. Es habe dazu bereits Vorgespräche gegeben.

Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) appellierte an die künftigen Betreiber der Warenhäuser, die Insolvenz als Chance zu nutzen. "Jedes Haus verdient eine Chance, jede Stadt braucht Unterstützung", sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Er wolle dazu nach besten Kräften mit flankierender städtebaulicher Förderung einen Beitrag leisten.

Der Deutsche Städtetag hofft, dass trotz des Insolvenzantrags "möglichst viele der Kaufhäuser erhalten bleiben und Arbeitsplätze in einem sehr großen Umfang gerettet werden können". Wie Städtetagspräsidentin Petra Roth der "Passauer Neuen Presse" sagte, haben die mehr als 70 betroffenen Städte "ein starkes Interesse an Lösungen für die Beschäftigten und daran, dass die Warenhäuser auch unter veränderten Vorzeichen weiter zu attraktiven Innenstädten beitragen können".

Kurz vor dem Auslaufen lebenswichtiger Darlehen hatte Arcandor am Dienstag die Reißleine gezogen und für sich und die Töchter Karstadt, Primondo und Quelle Insolvenzanträge gestellt. Kunden sollen dennoch wie gewohnt bei Karstadt einkaufen können.

Steinmeier kritisiert Guttenbergs Kurs

Wie zuvor schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte auch Guttenberg erneut die Entscheidung, Arcandor keine staatliche Hilfe zu gewähren. "Wenn Eigentümer und Gläubiger nicht bereit sind, Risiken zu übernehmen, kann man diese doch nicht dem Steuerzahler aufbürden", sagte Guttenberg der "Bild"-Zeitung. Im Übrigen sei eine Insolvenz nicht das Ende aller Dinge, sondern könne den Boden für einen erfolgreichen Neuanfang bereiten. Dem Bericht zufolge will der Wirtschaftsminister sich am heutigen Mittwoch mit Arbeitnehmervertretern des Arcandor-Konzerns treffen, um über die Rettung von Arbeitsplätzen beim insolventen Unternehmen zu beraten.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kritisierte den Kurs Guttenbergs. "In einer Regierung muss man an einem Strang ziehen", sagte Steinmeier der "Bild". "Es kann doch nicht sein, dass der Arbeitsminister für Arbeit kämpft und der Wirtschaftsminister für Insolvenzen." Regierende, denen egal sei, was mit abertausenden Arbeitsplätzen passiere, sollten in ihrem Amtseid noch einmal ihre Pflicht nachlesen, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden, so Steinmeier weiter.

Rund 43.000 Beschäftigte der Karstadt-Mutter Arcandor bangen um ihre Arbeitsplätze. Die Geschäfte laufen aber weiter. Das erfahrene Duo aus Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und dem eigens ernannten Arcandor-Bevollmächtigten Horst Piepenburg soll unter dem Schutz des Insolvenzverfahrens Arcandor sanieren und möglichst viele Stellen erhalten.

DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters