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Debatte um Eurobonds: Bon-Bonds für Europa

Wunderträchtige Heilsbringer in der Eurokrise oder reine Geldverschwendung? Experten sind sich uneinig über die Erfolgschancen von Eurobonds.

Von Caspar Schlenk

Dieser Tage macht ein Wort die Runde in ganz Europa: Italien, die europäische Kommission und die deutsche Opposition kämpfen dafür, die Bundesregierung sträubt sich. Die Rede ist von Eurobonds - zu Deutsch: europäische Staatsanleihen. Der italienische Finanzminister Giulio Tremonti hat kurz vor dem deutsch-französischen Treffen in Paris noch einmal Öl ins Feuer gekippt: "Wir wären nicht da, wo wir sind, wenn wir Eurobonds gehabt hätten."

Das Prinzip der europäischen Staatsanleihen ist simpel: Während momentan jeder Euro-Staat eigene Anleihen - zu eigenen Zinssätzen - vergibt, wollen die Befürworter der Eurobonds gemeinsame Anleihen mit einheitlichem Zinssatz schaffen. Alle Euro-Staaten haften dann gemeinsam für den Ausfall. Wie bei einem Ehepaar, das bei einem Hauskauf gemeinsam bürgt. Die stark verschuldeten, so genannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) müssten dann weniger Zinsen zahlen, um ihre Schulden zu finanzieren. Deutschland hätte hingegen das Nachsehen und müsste tiefer in die Tasche greifen. Ökonomen errechnen Mehrausgaben in Höhe von 15 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr.

Befürworter mit Vorbehalt

Trotz der Nachteile für Deutschland werden die Reihen der Befürworter hierzulande länger. So setzt sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für die neue Anlageform ein: "Bei den Eurobonds geht es eben nicht darum, dass man für die anderen mitbezahlt", sagte er dem "Tagesspiegel". Seine Argumentation: Die hochverschuldeten Staaten hätten so die Möglichkeit, zu guten Konditionen an den Märkten Geld zu bekommen. "Zahlen müssen wir jetzt, wenn die Staaten auf eigene Rechnung versuchen, Geld zu leihen, und sie bekommen keins." Doch die Eurobonds dürften nicht ohne Bedingungen kommen: Es müsse eine starke Kontrolle durch das Europäische Parlament geben, so Bofinger.

Eine koordinierte Finanzpolitik fordern viele der Befürworter: SPD-Chef Sigmar Gabriel etwa will europäische Staaten, die von den Bonds profitieren unter eine gemeinsame Kontrolle stellen und ihnen Haushaltsrechte entziehen. Das sagte er am Sonntag im "Bericht aus Berlin". Laut der Maastricht-Verträge sei es legitim, dass Mitgliedsländer einen Teil ihrer Schulden durch eine "gemeinsame Verbürgung" sichern. Rund 50 bis 60 Prozent der Schulden dürften so finanziert werden, für den Rest müssten die Länder selbst aufkommen.

"Kein neues Instrument"

Doch das Modell ist umstritten, da die Auswirkungen schwer abzusehen sind. Geht es Staaten wirtschaftlich schlecht, steigen die Zinsen an den Kapitalmärkten, denn die Anleger haben Angst, dass das Land Pleite geht. Dies ist aber gleichzeitig ein Anreiz für die Länder zu sparen, da es für sie teurer wird, Schulden aufzunehmen. "Der einzige Mechanismus der Währungsunion, die Haushaltdisziplin der Länder zu stärken, ginge mit den Eurobonds verloren", sagt Ferdinand Fichtner, Konjunktur-Chef vom Deutschen Institut der Wirtschaft (DIW) im Gespräch mit stern.de. Außerdem seien durch den Euro-Rettungsschirm bereits europäische Anleihen vorhanden. Länder wie Griechenland müssten aber bislang in Brüssel vorstellig werden, um Kredite zu bekommen. Die Eurobonds könnte Griechenland dann selber auflegen. "Es macht also keinen Sinn, weil es kein neues Werkzeug ist", so Fichtner.

Ungewiss ist außerdem, wie viele Leute die Eurobonds kaufen würden. Doch dies wäre entscheidend für die Entwicklung des Zinses. Es wäre durchaus möglich, dass es einen Run auf die neue Anlageform gibt. So war die Nachfrage nach amerikanischen Staatsanleihen vor einigen Tagen gestiegen - trotz einer Herabstufung der amerikanischen Bonität. Anleger hielten demnach die US-Anleihen immer noch für sicherer als andere Anlageformen. Und auch wenn die Eurobonds den deutschen Staat mehr kosten: Zumindest der deutsche Sparer könnte von den höheren Zinsen profitieren.