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Deutsch-Arabische Gesellschaft: Dr. No

Wenn Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft wird, trifft er auf einen irakischen Millionär mit zweifelhaftem Doktortitel.

Präsident wäre Walter Döring liebend gern geworden. Zu seinem Glück konsultierte der baden-württembergische Wirtschaftsminister (FDP) vor einer Zusage aber Parteifreund Klaus Kinkel. Der Ex-Außenminister warnte: Finger weg von der Kandidatur zum Präsidenten der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG).

Den Posten soll Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) kriegen, wenn die DAG-Mitglieder am Donnerstag dieser Woche im Berliner Hotel Adlon zur Wahl eines Nachfolgers von Jürgen Möllemann zusammentreten. Auch für die Vizepräsidentenposten präsentiert die DAG honorige Namen: Peter Glotz, lange SPD-Spitzenmann und nun Professor an der Uni St. Gallen; Egon Jüttner, CDU-Bundestagsabgeordneter und Professor an der Bundeswehr-Uni München; Rudolf Kraus, CSU, Chef des Entwicklungshilfeausschusses des Bundestags; und Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionsvorsitzender im Kieler Landtag.

Mit ihnen im DAG-Präsidium soll der gebürtige Iraker Dr. Mohamed Al-Sady sitzen, ein Strippenzieher, der beim Postenpoker kräftig mitmischte. Die Kandidatur von Wiesheu, sagte er stolz dem stern, sei sein Verdienst. Und: Al-Sady zahlt - das Vorstandsmenü im Adlon ebenso wie die Spreefahrt nach der Wahl. Vor 40 Jahren ist Al-Sady "mit dem Orient-Express von Basra über Bagdad nach München" eingewandert. Heute ist er Inhaber der IBG Investitions-, Beratungs-, Beteiligungs- und Projektentwicklungs-GmbH in Nürnberg. Der schwerreiche Mitinhaber von 27 Firmen ist allein in Spanien an sieben Hotels beteiligt, darunter die Jet-Set-Herberge Marbella Club. Er ist eine Schlüsselfigur in den deutsch-arabischen Beziehungen seit 20 Jahren. Er besitzt Fotos, die Kanzler Gerhard Schröder zeigen, wie er lachend auf Al-Sady zugeht. Er kennt, wie er dem stern sagte, Edmund Stoiber "sehr gut". Und ein Doktor der politischen Wissenschaft ist er noch dazu - "Promotion summa cum laude", wie er in seinem von der DAG verbreiteten Lebenslauf verkündet.

Ein Märchen wie aus Tausendundeiner Nacht. Zu schön, um wahr zu sein. Denn die Doktorurkunde vom 2. Mai 1991 bewertet Al-Sadys Arbeit an der Berliner Humboldt-Universität (HU) nur mit "cum laude". Dubios auch, wie der Titel (Thema: "Internationale Zahlungs- und Kreditmodalitäten als Grundlage effizienter Wirtschaftsbeziehungen - aktuelle Aspekte des deutsch-arabischen Handels") zustande kam. Vor der Wende, so Al-Sady zum stern, habe er "keine Beziehungen" zur DDR gehabt: "Ich hatte nichts mit dem Osten zu tun." Die Wahrheit: Am 10. November 1988 schloss Al-Sady mit der HU einen Vertrag über eine "Fernaspirantur". Für dieses auf vier Jahre angelegte Fernstudium mit Promotion wurde eine jährliche Zahlung von 10.630 Mark vereinbart. Kurz vor der Wiedervereinigung, am 17. September 1990, zahlte Al-Sady laut Quittung 10.630 Mark an die DDR-Firma Intercoop und erhielt seinen Doktortitel.

Der war für Ausländer leicht zu haben in der DDR. Um ihre Devisennot zu lindern, schuf sie laut HU den "Kommerzstudenten". Zuständig war die "Exportabteilung" ("Immaterieller Export") der HU. Als Kommerzstudenten kamen vor allem gut betuchte Araber infrage. Die Dissertationen hatten oft nicht mal das Niveau einer Diplomarbeit an einer Uni im Westen.

Die Frage ist, ob Al-Sady überhaupt an der HU studiert hat. Am 7. November 1990 fertigte die Uni-Verwaltung einen Vermerk an: "Lt. Exportabteilung Studium nicht angetreten, exmatrikuliert." Als Beginn des Studiums ist der 1. März 1990 eingetragen. Im Dezember 1990 soll Al-Sady dann seine Doktorarbeit abgeliefert haben, das Rigorosum folgte am 12. April 1991. Im Mai war er dann schon Dr. oec. und nicht Dr. rer. pol.

Mit am Tisch beim Rigorosum saß Dr. Said Al-Sadi. Mit dem, beteuert der Millionär, habe er "nie etwas zu tun gehabt". Nach Aktenlage saß Said Al-Sadi im Beirat der Deutsch-Irakischen Gesellschaft, als Mohamed Al-Sady deren Präsident war. Laut Generalsekretär Harald Bock ist Said Al-Sadi heute auch DAG-Mitglied. Früher soll er eng mit dem irakischen Geheimdienst und der Stasi zusammengearbeitet haben, die ihn wegen seiner Kontakte zu Willy Brandt schätzte - wie es in der Stasi-Akte respektvoll heißt.

von Rudolf Lambrecht und Hans Peter Schütz / print