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Die Ware Wasser: Der Überfluss wird knapp

Nicht nur Öl und Gas gehören zu den umkämpften Ressourcen dieses Jahrhunderts, auch das Wasser wird knapp. Schon in 22 Jahren, so jüngste Prognosen, droht eine weltweite Wasserknappheit. Kein Wunder, dass auch in Deutschland Wasser immer teurer wird. Dabei kann jeder beim Verbrauch sparen - wir sagen wie.

Von David Meiländer

Vielleicht hat der chinesische Kaiser Chongzhen noch einmal verbittert in den Himmel geschaut, bevor er sich an einem Baum nördlich des Kaiserpalastes in Peking erhängte. Er war der letzte Herrscher aus der Ming-Dynastie, gestürzt unter anderem nach Jahrzehnten der Trockenheit und heftigen Bauernaufständen. Der Blick in den Himmel - nicht unbedingt eine religiöse Geste, eher eine pragmatische. Jedes Jahr im Sommer warten die Menschen in China auf die so genannten Monsun-Winde, die ihnen den für die Ernte so wichtigen Regen bringen. Sind sie zu schwach, müssen Millionen von Menschen hungern.

Dürre brachte Dynastien ins Wanken

Dürre und Trockenheit - das wollen Forscher an der Universität in Minnesota herausgefunden haben - brachten schon so manche chinesische Herrscher-Dynastie zu Fall. Denn die Forscher rekonstrierten aus Gesteinsbrocken die Klimageschichte Asiens - und stellten dabei verblüffende Zusammenhänge zu der politischen Entwicklung Chinas fest.

Heute, viele Jahrhunderte später, steckt China wieder mitten in einer Wasserkrise - doch diesmal ist sie hausgemacht. Vor einem Jahr brachte es der chinesische Vize-Umweltminister Pan Yue auf den Punkt: Die eigene Entwicklungspolitik habe China an den Rand des Zusammenbruchs seiner Umwelt und seine Ressourcen gebracht: 70 Prozent der Flüsse und Seen sind verschmutzt, nur 20 Prozent der Trinkwasserquellen sind laut Hygienestandards der Regierung überhaupt genießbar. Hunderte Millionen Menschen haben nichts Sauberes zum Trinken. Schuld ist die Umweltverschmutzung.

Deutschland droht lange Dürre

Wasserknappheit - sie droht nicht nur in China, im Nahen Osten oder in Afrika: Auch hier in Deutschland wird es eng. So rechnet der Deutsche Wetterdienst wegen des Klimawandels in den kommenden 100 Jahren mit langen Dürreperioden. Vor allem in Sachsen-Anhalt und Brandenburg komme es zu deutlich mehr Tagen, an denen Temperaturen von über 30 Grad gemessen werden. Die Folge: Deutlich weniger Niederschläge und damit Trockenheit. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OECD) entwirft kein gutes Zukunftsszenario: Schon in 22 Jahren rechnet sie mit einer weltweiten Wasserknappheit. Ein Drittel der Weltbevölkerung sei dann davon betroffen, prognostiziert sie in einer am Montag veröffentlichten Studie.

Vor allem in Afrika und demNahen Osten, um die großen Flüsse wie Jordan, Nil oder Euphrat rechnen deshalb viele Forscher sogar mit militärischen Konflikten. Schon in der Vergangenheit war die Stimmung gereizt: Weil Äthiopien in den 70er Jahren ankündigte, Dämme am Blauen Nil zu bauen, drohte der ägyptische Präsident Anwar as-Sadat damit, die Baustellen zu bombardieren. Als die Türkei in den 90er Jahren am Euphrat Staudämme baute, verschlechterten sich die Beziehungen zu den anderen Anliegerstaaten, vor allem Syrien, zunehmend. Denn pumpt ein Land an den oberen Verläufen Wasser aus dem Fluss, fehlt es den anderen Staaten.

Sparen ist einfach

Verhältnisse, die man sich hierzulande kaum vorstellen kann. In Deutschland und den meisten Teilen von Europa herrscht Wasserüberfluss. Beim Wasserverbrauch liegt die Landwirtschaft mit bis zu 80 Prozent vorne, der Rest verschwindet in den Haushalten. Gerade Privatleute spüren die Preissteigerungen: Vor 15 Jahren mussten sie noch 40 Prozent weniger bezahlen. Heute kostet ein Kubikmeter Wasser 1,86 Euro. Pro Woche verbraucht eine vierköpfige Familie rund vier Kubikmeter und käme somit auf Kosten von 7,44 Euro. Ihre Rechnung ist dennoch höher, es kommen noch Gebühren für Sielbenutzung und Sielanschluss hinzu. Am Jahresende kann die Rechnung durchaus im mittleren dreistelligen Bereich liegen.

Und auch außerhalb der eigenen vier Wände geht der Wasserbrauch munter weiter: Sei es in der Schule, bei der Arbeit, auf Reisen - überall werden die Toiletten mit Trinkwasser gespült. Doch es gibt auch Einsparpotential. Es zu nutzen ist nicht nur aus finanziellen Gründen sinnvoll, es hilft auch der Umwelt. Denn wer weniger Wasser verbraucht, spart gleichzeitig Energie und hilft somit auch bei der Deckelung des CO2-Ausstoßes. stern.de nennt die vier wichtigsten Tipps für einen niedrigen Wasserverbrauch.

Toilettenkasten auswechseln!

Ein Kasten voller Trinkwasser - soviel wird verbraucht, wenn man die Klospülung benutzt. Bis zu 14 Liter benötigen die alten Toilettenkästen dafür jedes Mal. Auf den ganzen Tag gerechnet macht das ein Viertel des Trinkwasserbedarfs eines Haushaltes aus. Zuviel - laut Bundesumweltministerium reichen neun Liter völlig aus. Umrüsten lohnt sich also und ist gar nicht so teuer: Je nach Modell zwischen fünf und 40 Euro.

Bei vielen Spülkästen kann die Wassermenge aber auch variiert werden, um die optimale Wassermenge einzustellen. Zu erkennen sind solche Geräte zum Beispiel an ihrem Prüfsiegel, dem "Blauen Engel".

Sparduschköpfe benutzen!

Täglich baden kostet! Nicht nur Wasser, sondern auch Energie. Deutlich effizienter ist da das Duschen, bei dem im Vergleich zum Vollbad nur ein Drittel der Wassermenge verbraucht wird. Dennoch gibt es auch hier eine Menge Potential - mit den so genannten Sparduschköpfen. Denn während ein herkömmliche Dusche 17 Liter pro Minute verbraucht, kommt die Sparvariante mit der Hälfte aus. Würden alle Haushalte noch heute umsteigen, hätten sie zusammen jährlich fünf Milliarden Euro mehr in der Tasche - das hat die Gesellschaft für Konsumforschung ausgerechnet. Auch hier ist die Umrüstung nicht teuer - die Sparduschköpfe in den Baumärkten kosten zwischen 15 und 35 Euro.

Wasser - und damit Geld - lässt sich aber auch durch das egene Verhalten sparen. Zum Beispiel: Beim Einseifen und Zähneputzen sollte das Wasser abgestellt - und nicht sinnlos weiter laufen gelassen werden.

Nicht mit der Hand spülen!

Tatsächlich sind Geschirrspüler deutlich effizienter als ein Mensch. Um das Geschirr einer vierköpfigen Familie zu säubern, bräuchte man 40 Liter Wasser. Wassersparende Geräte erledigen das schon mit 15 Litern und schonen zudem auch die Stromrechnung. Das gilt allerdings nur für Spülmaschinen mit der "Effizienzklasse A".

Den Regen nutzen!

Auch fürs Blumengießen im Garten geht Trinkwasser drauf - gerade hier lohnt sich das Sammeln von Regenwasser. Dafür gibt es auch Anlagen, die sich jedoch nicht immer auch finanziell rentieren: Die Kosten sind meistens höher als die Einsparungen. Das Prinzip aber ist umweltschonend: Das Wasser wird über das Dach gesammelt und in einen Speicher geleitet, von wo aus man das Wasser beispielsweise bequem für den Gartenschlauch nutzen kann. Auf Trinkwasser kann dafür dann verzichtet werden. Es ist sogar möglich Regenwasser durch Filter in Trinkwasser umzuwandeln, doch die entsprechenden Pumpen sind meist laut und nicht alle Anbieter sind verlässlich.