ENERGIEMARKT Mit Ministers Hilfe


Nach Angaben aus Koalitionskreisen wird der Energiekonzern E.ON morgen die Ministererlaubnis für die Übernahme des größten deutschen Gasimporteurs Ruhrgas erhalten.

Europas zweitgrößter Energiekonzern E.ON steht vor einem großen Sprung nach vorn: Nach Angaben aus Koalitionskreisen wird das Düsseldorfer Unternehmen morgen die Ministererlaubnis für die Übernahme des größten deutschen Gasimporteurs Ruhrgas erhalten. Damit wird der Stromriese auch zur Nummer eins auf dem deutschen Gasmarkt. Allerdings sei die Genehmigung mit hohen Auflagen verbunden, hieß es in Berlin. Geleitet werden soll der neue Energiegigant ab dem nächsten Jahr vom bisherigen Stinnes-Chef Wulf Bernotat.

Die Entscheidung über die Ministererlaubnis wird der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Alfred Tacke, morgen in Berlin offiziell bekannt geben. Nach Informationen der »Berliner Zeitung« müssen sich E.ON und Ruhrgas, um die Erlaubnis zu erhalten, von ihren Beteiligungen am ostdeutschen Gasunternehmen VNG in Leipzig trennen. VNG könnte so zum Kernstück eines konkurrierenden Anbieters werden. Außerdem soll E.ON der Zeitung zufolge Wettbewerbern einen deutlich erleichterten Zugang zum Ruhrgas-Leitungsnetz ermöglichen.

Auf die Forderung nach einem Verkauf der E.ON-Beteiligung am Gas-Regionalversorger Thüga verzichte das Wirtschaftsministerium dagegen. Thüga ist an rund 130 Stadtwerken beteiligt und ist ein wesentlicher Bestandteil des Plans von E.ON, sich zu einem integrierten Gasversorger zu entwickeln, der alle Stufen von der Exploration des Gases bis zur Versorgung des Endkunden abdeckt. Der Energiekonzern selbst äußerte sich nicht zur ausstehenden Ministererlaubnis.

Verkauf von Stinnes lässt Kassen klingeln

Doch stellte der Konzern personell die Weichen für die Zukunft. Das Aufsichtsratspräsidium des Energieriesen nominierte am Mittwochabend den Vorsitzenden des Tochterunternehmens Stinnes, Wulf Bernotat, als neuen Vorstandschef. Bernotat soll am 1. Mai kommenden Jahres die bisherige Doppelspitze bestehend aus Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson ablösen.

Der gebürtige Göttinger hatte nach einem Jurastudium seine Karriere beim Mineralölkonzern Shell begonnen. Er arbeitete für den Konzern unter anderem in Hamburg, London und zuletzt als Vorstandsmitglied von Shell France in Paris. Seit 1998 steht er an der Spitze der nun vor dem Verkauf stehenden E.ON-Logistiktochter Stinnes und beeindruckte mit seiner Arbeit auch Branchenkenner. So urteilte Union-Investment-Analyst Thomas Meier: »Stinnes hat in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet, um sich zu restrukturieren. Der Vorstand hat einen Superjob gemacht.«

Außerdem sicherte sich der Konzern auch die restlichen 40 Prozent der Anteile an Deutschlands größtem Gasimporteur. Der Kaufpreis für die bislang von ExxonMobil, Shell und Preussag gehaltenen Aktien betrage 4,1 Milliarden Euro, berichtete das Unternehmen. Der Energieriese hat damit künftig alleine das Sagen bei der Ruhrgas AG.

Gleichzeitig setzte der Konzern auch seine Politik fort, sich von Nicht-Kerngeschäftsfeldern zu trennen. Denn der Aufsichtsrat stimmte dem Verkauf der E.ON-Beteiligung am Logistikunternehmen Stinnes an die Deutsche Bahn zu. Der Konzern erhält für seine 65,4-prozentige Beteiligung nach eigenen Angaben rund 1,6 Milliarden Euro. Den Buchgewinn aus der Transaktion bezifferte der Energiekonzern auf rund 600 Millionen Euro.


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