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Eurokrise: Spanien-Hilfen beflügeln Börsen

Die Börsen in Asien und Europa reagieren mit großer Erleichterung auf die EU-Milliardenhilfen für Spaniens Banken. Der Dax in Frankfurt kletterte zum Start um zwei Prozent. Ein Wirtschafts-Nobelpreisträger gießt jedoch Wasser in den Wein.

Die geplante Milliardenhilfe der Eurozone für Spaniens angeschlagene Banken hat für steigende Kurse an den Börsen in Europa und Asien gesorgt. Der Dax in Frankfurt am Main lag am Montagmorgen nach der Öffnung mit 6255,65 Punkten 2,0 Prozent im Plus. In Madrid öffnete die Börse sogar mit einem Kurssprung von mehr als vier Prozent. Auch in London stiegen die Kurse um 1,8 Prozent, in Paris kletterten sie nach der Öffnung um 1,98 Prozent.

Zuvor hatten bereits die Börsen in Asien den Beschluss der Hilfe für Spanien mit Kurssprüngen honoriert. In Japan stiegen die Kurse um 1,96 Prozent, in Seoul um 1,7 Prozent. In Hongkong lag der Index 2,4 Prozent im Plus, in Shanghai um 1,0 Prozent. Auch der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar und dem japanischen Yen stieg im asiatischen Handel. Ebenfalls nach oben ging der Ölpreis.

Die Eurozone will Spaniens angeschlagene Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Die Regierung in Madrid hatte nach wochenlangem Zögern am Samstag um europäische Hilfen für seinen kriselnden Bankensektor gebeten und will in Kürze dazu einen offiziellen Antrag stellen.

Schäuble kündigt Überwachung von Spaniens Reformen an

Für die zugesicherten 100 Milliarden Euro Notkredite an Spanien hat Bundesfinanzminister Schäuble eine genaue Überwachung der spanischen Reformen angekündigt. "Es wird genauso eine Troika geben. Es wird genauso überprüft werden, dass das Programm eingehalten wird", sagte er im Deutschlandfunk. Allerdings beziehe sich die Kontrolle ausschließlich auf die Restrukturierung des Bankensektors.

Als Gründe für das wankende Bankensystem in Spanien verwies Schäuble unter anderem auf Probleme auf dem Immobilienmarkt. Die aktuellen Schritte seien eine Erkenntnis aus der Immobilienkrise in den USA. "Als Lehre aus der Krise von damals haben wir Spanien geraten: Ihr müsst die spanischen Banken mit genügend Geld ausstatten - ob die das wollen oder nicht."

Aus dem Rettungsfonds EFSF erhalten bereits die drei Länder Portugal, Irland und Griechenland Nothilfen für ihre gesamten Haushalte. Sie müssen dafür weitreichende Reform- und Sparauflagen - nicht nur in der Bankenbranche - einhalten. Im Juli soll der EFSF durch den permanenten Rettungsfonds ESM abgelöst werden, der anders als der EFSF auch über Bareinlagen der Euroländer verfügt.

Stiglitz: Hilfsprogramm ist "Voodoo-Ökonomie"

Kritik an den Milliarden-Hilfen kam Joseph Stiglitz. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger kritisierte das Hilfsprogramm für Spaniens Banken als "Voodoo-Ökonomie". "Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung", sagte Stiglitz in einem Reuters-Interview. Dies könne nicht funktionieren. Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben. "Man muss sich dem zugrundeliegenden Problem stellen, und das ist: das Wachstum zu fördern", sagte der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, der als scharfer Kritiker von Sparprogrammen gilt. "Deutschland hält daran fest, dass die Stärkung durch Haushaltsdisziplin kommt, aber das ist ein komplett falsche Diagnose", warnte Stiglitz. Der Preis, den Deutschland für einen Zerfall des Euro zahlen müsse, sei höher als der Preis für die Rettung der Gemeinschaftswährung.