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Finanzkrise: Hypo-Real-Estate-Aufsichtsrat tritt zurück

Der Münchner Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate will sich mit einem radikalen Umbau aus der Krise retten. Fast der gesamte Aufsichtsrat werde ausgewechselt, teilte der Konzern mit. Gleichzeitig werde mit höchster Priorität das Geschäftsmodell überarbeitet.

Der Großteil des Aufsichtsrats der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate ist zurückgetreten. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender soll Michael Endres werden, teilte der Konzern am Montag in München mit. Endres war früher Vorstand bei der Deutschen Bank, von der bereits der neue Hypo-Real-Estate-Chef Axel Wieandt geholt worden war, und tritt die Nachfolge von Klaus Pohle an, der das Kontrollgremium in den vergangenen Wochen übergangsweise geleitet hatte. Neben Pohle erklärten sieben weitere Aufsichtsratsmitglieder der Hypo Real Estate ihren Rücktritt, darunter auch der frühere Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer.

Die Hypo Real Estate wolle ihr Überleben mit einem radikalen Umbau sichern, erklärte Wieandt. Das Management der Bank überarbeite derzeit mit höchster Priorität das Geschäftsmodell, um es an die nachhaltig veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die Umstrukturierung werde allen Beteiligten schwierige Entscheidungen abverlangen. Einzelheiten zum künftigen Geschäftsmodell nannte Wieandt aber nicht und ließ auch offen, ob es zu einem Stellenabbau kommen wird.

Im dritten Quartal hatte der Immobilienfinanzierer nach den am Montag veröffentlichten endgültigen Zahlen einen Verlust von 3,1 Milliarden Euro eingefahren. Neben Milliardenabschreibungen auf die Tochter Depfa Bank trugen dazu auch Belastungen aus der Pleite von Lehman Brothers in Höhe von 175 Millionen Euro und Abschreibungen durch die Krise in Island mit 43 Millionen Euro bei.

Um eine Pleite zu verhindern, hatte der Konzern in der vergangenen Woche 50 Milliarden Euro erhalten, die ihm Banken und Bund Anfang Oktober nach einer dramatischen Rettungsaktion zugesichert hatten. Zusätzlich will der Konzern weitere Unterstützung aus dem Rettungspaket des Bundes beantragen. Die Liquiditätskrise bedrohe noch immer die Existenz der Gruppe, sagte Wieandt. Die Unterstützung durch Finanzwirtschaft, Bundesbank, Bundesregierung und Finanzmarktstabilisierung sei unerlässlich.

DPA/Reuters / DPA / Reuters