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Fleischskandal: Verdorbenes Fleisch im Döner

Das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz hat einem Betrieb die Zulassung entzogen, der verdorbenes Geflügelfleisch in den Handel gebracht haben soll. Das Fleisch wurde bereits zu Döner-Spießen verarbeitet.

Der als Verursacher des jüngsten Fleischskandals bekannt gewordenen Geflügelzerlegebetrieb im niedersächsischen Kreis Cloppenburg soll seine Zulassung verlieren. Landwirtschaftminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) habe das Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährungssicherheit (LAVES) angewiesen, dem Betrieb die EU-Zulassung zu entziehen, sagte Ehlens Sprecher Gert Hahne am Dienstagnachmittag in Hannover. Der entsprechende Bescheid werde gegenwärtig von dem Landesamt in Oldenburg vorbereitet.

Das Unternehmen habe sich in der Führung eines Fleisch verarbeitenden Betriebes als unzuverlässig erwiesen, begründete der Ministeriumssprecher den geplanten Entzug der Zulassung. Dass auch bei Kunden der Firma verdorbenes Fleisch gefunden worden sei, zeige, dass das Unternehmen "offenbar genussuntaugliches Fleisch ausgeliefert hat". Nach Angaben des Ministeriumssprechers kann der Betrieb rein rechtlich nach dem Entzug der EU-weiten Zulassung zwar noch weiter innerhalb Deutschlands Kunden beliefern. In der Branche gelte die EU-Zulassung aber mittlerweile als allgemeines Gütesiegel. Ohne Zulassung werde der Betrieb auch keine deutschen Abnehmer mehr finden, betonte Hahne.

Stilllegung nach Durchsuchungsaktion

Der 45-jährige Betriebsinhaber, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges und des Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz ermittelt, unterhielt im Kreis Cloppenburg zwei Betriebstätten. Eine ältere Betriebstätte in Lastrup hatte überhaupt keine EU-Zulassung und wurde von den Behörden nach einer Durchsuchungsaktion geschlossen. Der zweite neuere Betrieb in Lindern war nach der Durchsuchung nur vorübergehend still gelegt worden und durfte dann unter ständiger Aufsicht der Behörden zunächst weiter arbeiten. Seine faktische Stilllegung ordnete nun Landwirtschaftminister Ehlen an.

Die Behörden hatten der niedersächsischen Firma Lastrup nachgewiesen, ungenießbare Lieferungen vergammelten Geflügelfleischs in den Handel gebracht zu haben. In Nordrhein-Westfalen entdeckten Kontrolleure in einem Großbetrieb für Döner-Herstellung verdorbenes Fleisch. Drei von fünf Proben waren nach Ministeriumsangaben schlecht. Auch in anderen Bundesländern wird jetzt nach verdächtigem Geflügelfleisch gesucht.

"Es ist kein verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt"

Der Anwalt der verdächtigen Firma aus Lastrup bei Cloppenburg wies alle Vorwürfe zurück. "Es ist kein verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt", sagte Rechtsanwalt Axel Husheer am Dienstag. Das bei seinem Mandanten beschlagnahmte Hähnchen- und Putenfleisch sollte nicht ausgeliefert, sondern vernichtet werden. Zum Stand des Ermittlungsverfahrens gegen den Fleisch verarbeitenden Betrieb will die Staatsanwaltschaft an diesem Donnerstag Stellung nehmen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 45 Jahre alten Unternehmer wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges und Verstoßes gegen Lebensmittelgesetze. Er soll nicht mehr genießbares Fleisch verkauft haben, das auch bis auf den Tisch der Verbraucher gelangt ist. In seinem inzwischen geschlossenen Lager in Lastrup haben die Behörden rund 20 Tonnen Geflügelfleisch beschlagnahmt.

Der eigentliche Betrieb im wenige Kilometer entfernten Lindern arbeitet nach Angaben des Kreises Cloppenburg weiter, steht aber unter verschärfter Aufsicht der Lebensmittelkontrolleure. Rechtsanwalt Husheer sagte, sein Mandant werde keine Angaben machen, bevor die Staatsanwaltschaft Akteneinsicht gewährt hat. Das Fleisch in Lastrup war laut Husheer so genannte Retourenware, die aus dem Handel an den Betrieb zurückgegeben wurde. Sie sollte in den Müll. Bei Kunden der Firma in mehreren Bundesländern ließ die Staatsanwaltschaft zur Beweissicherung tonnenweise Geflügelfleisch sicherstellen. Die Sprecherin des NRW-Verbraucherministeriums, Carolin König, teilte mit, drei von fünf Proben aus einem Großbetrieb zur Döner-Herstellerung in Hagen seien schlecht gewesen.

Verdorbenes Fleisch zu Döner verarbeitet

Ein Verarbeitungsbetrieb im brandenburgischen Prignitz lieferte nach Angaben des Agrarministeriums in Potsdam rund 230 Kilogramm möglicherweise verdorbenes Geflügelfleisch aus dem niedersächsischen Betrieb in andere Länder. Betroffen seien vor allem Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen- Anhalt, erklärte das Ministerium. In Sachsen soll Ware aus dem verdächtigen Betrieb in Niedersachsen zu Döner verarbeitet worden. Es sei aber noch nicht klar, ob die 1,2 Tonnen Fleisch tatsächlich schlecht gewesen seien, sagte der Sprecher des Sozialministeriums in Dresden, Ralph Schreiber.

Die Justiz prüft außerdem, ob der Betrieb in Lastrup Fleisch mit Wasser aufgespritzt hat, um es schwerer zu machen und so höhere Preise zu erzielen. Anwalt Husheer sagte, das sei in der Branche nicht ungewöhnlich. "Man kann bis zu einer gewissen Obergrenze Gewürzflüssigkeit zusetzen." Der Betrieb habe dies aber erst erprobt, so dass kein solches Fleisch in den Handel gelangt war. Das Bundesverbraucherministerium hat die Länder zu einem Ausbau der Lebensmittelkontrolle aufgerufen.

DPA/AP / AP / DPA