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Gericht billigt Insolvenzplan: Karstadt endgültig gerettet

Aufatmen bei den 25.000 Karstadt-Beschäftigten: Das Amtsgericht in Essen hat den Insolvenzplan angenommen. Damit ist die Übernahme durch Investor Nicolas Berggruen in letzter Instanz bestätigt.

Die Rettung der Warenhauskette Karstadt mit 25.000 Mitarbeitern ist nun auch formell besiegelt. Das Amtsgericht Essen billigte am Freitag den Insolvenzplan für Karstadt, nachdem alle Gläubiger des Vermieterkonsortiums Highstreet dem Mietvertrag mit dem neuen Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen zugestimmt hatten. Der neue Vertrag, mit dem Berggruen die Mieten für die Warenhäuser drückt, war die letzte Voraussetzung für die Erfüllung des Kaufvertrags - und zugleich die letzte Hürde für die Billigung des Gerichts.

Berggruen, Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verkündeten die Karstadt-Rettung in einer Filiale auf dem Kurfürstendamm in Berlin. "Karstadt steht. Karstadt wird jetzt, glaube ich, ein sehr aufregendes Leben haben", sagte Berggruen. "Ich bin irrsinnig glücklich, dass ich dabei bin." Die Ministerin sprach von einem "Tag der Freude" für das Unternehmen.

Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, empfand "große Erleichterung". Görg dankte den Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten für ihre Unterstützung während der Insolvenz.

Schlüsselgewalt am 1. Oktober

Nun bestehe nur noch eine 14-tägige Beschwerdefrist, in der mögliche Verfahrensfehler beanstandet werden können, teilte das Gericht mit. Am 1. Oktober soll dann Berggruen die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH erhalten.

Der 49-jährige Milliardär, Sohn des legendären Kunstsammlers Heinz Berggruen, will 70 Millionen Euro eigenes Kapital in das Unternehmen investieren. Die Marke Karstadt soll verjüngt und modischer werden. Die Warenhauskette erhält mit seinem Einstieg anders als das frühere Schwesterunternehmen Quelle eine neue Chance. Dem Versandhändler blieb vor fast einem Jahr nach gescheiterten Rettungsversuchen nur die Schließung.

Auch mit Berggruens Einstieg steht Karstadt nach Einschätzung von Branchenkennern eine schwierige Zukunft bevor. Das Kaufhaus-Konzept für Innenstädte gilt als überholt, für die gesamte Warenhaus-Branche rechnen Experten in den kommenden Jahren allenfalls mit einer Stagnation. Entscheidend dürften daher Berggruens Maßnahmen zur Neuausrichtung der Kette sein.

Berggruen-Widersacher enttäuscht

In die Röhre guckt nach dem Berggruen-Einstieg dessen Mailänder Widersacher Maurizio Borletti. Der Warenhaus-Unternehmer hatte bis zuletzt auf ein Scheitern der Verhandlungen gepokert. Er wollte Karstadt selbst übernehmen. "Wir akzeptieren die Entscheidung, auch wenn unser Angebot das bessere war", sagte ein enttäuschter Borletti der Zeitung "Il sole 24 ore".

Im Karstadt-Stammhaus in Wismar freuten sich die Beschäftigten. "Wir haben lange gehofft und gebangt. Nun sind wir einfach froh und erleichtert, dass es weitergeht", sagte Betriebsratschefin Viola Hopp.

Anerkennend äußerte sich die Konkurrenz, der Handelskonzern Metro mit seiner Warenhaus-Tochter Galeria Kaufhof: "Wir gratulieren Herrn Berggruen zu dieser Entscheidung, mit der er jetzt in der alleinigen Verantwortung steht, um für Karstadt ein nachhaltiges und profitables Kaufhauskonzept umzusetzen", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Metro hatte lange Interesse gezeigt, Kaufhof mit Karstadt zu einer "Deutschen Warenhaus AG" zu fusionieren.

mad/dho/DPA / DPA