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Krise: US-Autobauer betteln um Milliardenkredit

Die drei großen amerikanischen Automobilhersteller GM, Ford und Chrysler benötigen dringend frisches Geld - von bis zu 25 Milliarden Dollar ist die Rede. Und das soll vom Staat kommen. Andernfalls könnten bis zu drei Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. Die Politik ist noch nicht sonderlich beeindruckt.

Die drei großen Autobauer der USA haben staatliche Finanzhilfen von insgesamt 25 Milliarden Dollar gefordert, um die Unternehmen vor dem Aus zu retten. General Motors, Ford und Chrysler können aber nicht mit schneller staatlicher Hilfe rechnen. Finanzminister Henry Paulson lehnte es ab, einen Teil des 700-Milliarden-Dollar-Pakets für die Banken an die Autokonzerne abzuzweigen. Auch im Kongress wurden am Dienstag Vorbehalte laut.

"Unsere Branche braucht eine Brücke, um den finanziellen Abgrund zu überbrücken, der sich vor uns aufgetan hat", erklärte General-Motors-Vorstandschef Rick Wagoner vor dem Bankenausschuss des Senats. Wagoner machte keine eigenen Management-Fehler, sondern die Finanzkrise für die schlechte Lage verantwortlich. Ein Zusammenbruch der Branche würde den Verlust von drei Millionen Arbeitsplätzen bedeuten, warnte der Chef der Opel-Konzernmutter.

Chrysler steht nach eigenen Angaben vor dem Abgrund, falls er keine staatliche Finanzspritze erhält. Konzernchef Robert Nardelli erklärte vor dem Ausschuss, Chrysler habe pro Monat zwischen vier und fünf Milliarden Dollar an Kosten für Löhne und Gehälter, zur Bezahlung der Rechnungen von Zuliefern und anderes. Falls Chrysler Insolvenz beantrage, wären die Kosten für eine Umstrukturierung größer als die Ausgaben, die der Staat für eine Überbrückungshilfe zahlen müsse, sagte Nardelli weiter. Und es sei nicht sicher, dass Chrysler nach einer Insolvenz weiterbestehen könne. Beide Manager erklärten auf Nachfragen von Senatoren, sie seien bereit, über einen Gehaltsverzicht nachzudenken, um ihre Opferbereitschaft unter Beweis zu stellen.

Der demokratische Ausschussvorsitzende Christopher Dodd sagte jedoch den Manager, ihre Branche suche eine "Behandlung für weitgehend selbst zugefügte Wunden". Der republikanische Senator Mike Enzi kritisierte, die Finanzkrise sei "nicht der einzige Grund, warum die heimische Automobilindustrie in Schwierigkeiten ist". Er nannte ineffiziente Produktionsstrukturen und kostspielige Tarifverträge.

Die Demokraten streben jedoch eine Gesetzesvorlage an, wonach die Autohersteller und ihre Zulieferer 25 Milliarden Dollar aus dem Rettungspaket für die Finanzindustrie erhalten sollen. Im Gegenzug sollen den Managern die Bonuszahlungen gestrichen werden. Hinter den Kulissen wurden Verhandlungen über eine Kompromisslösung geführt, die den Automobilkonzernen noch vor dem Jahresende eine Entlastung bescheren soll. Die Aussichten wurden aber in Washington skeptisch bewertet. "Mein Gefühl ist, dass diese Woche nichts geschehen wird", sagte der republikanische Senator Bob Corker.

Die Entwicklung in den USA wird auch von der Bundesregierung in Berlin aufmerksam beobachtet. Die Bundesregierung werde zunächst abwarten, wie Amerika die eigene Branche unterstütze, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Triest.

Der deutsche Automobilhersteller Opel befinde sich in einer besonderen Situation. Die Muttergesellschaft General Motors bemühe sich um staatliche Hilfen, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Berlusconi sagte, für die italienische Autoindustrie seien gegenwärtig keine Hilfen erforderlich. "Vorerst denken wir nicht, dass wir in diese Richtung intervenieren sollten."

AP / AP