Luftverkehr Finnair macht aus der Not eine Tugend

Die Fluggesellschaft Finnair hat ihre geographische Lage optimal ausgenutzt. Passagiere auf dem Weg von Europa nach Asien bevorzugen die Zwischenlandung in Helsinki. Das zeigen auch die Geschäftszahlen.

Die "neue Seidenstraße" ist das Erfolgsgeheimnis der finnischen Fluggesellschaft Finnair. "Wir waren die Ersten, die 1992 nach Japan auf der Polarroute flogen, als Russland-Überflüge noch nicht möglich waren", sagt Finnair-Präsident Jukka Hienonen. Am 9. Oktober 1923 unter dem Namen Aero O gegründet und damit eine der wohl ältesten Fluggesellschaften der Welt, hat Finnair aus ihrer geographischen Not längst eine Tugend gemacht. "Blicken Sie auf die Landkarte, dann liegen wir in Europa am falschen Ende für Nordamerika, aber am richtigen Ende für Asien", sagt Hienonen.

Inzwischen hat Finnair elf Ziele in Asien auf ihrem Programm. "Der Flughafen Helsinki-Vantaa ist der natürliche Zwischenstopp auf dem Weg von Europa nach Ostasien. Viele große mitteleuropäische Städte - beispielsweise auch Hamburg und Berlin - haben keine direkten Verbindungen nach Asien", sagt Hienonen. In den USA fliegt Finnair - zum Vergleich - im regelmäßigen Linienverkehr nur New York an. In Deutschland sind es sechs Städte mit 13 Flügen pro Tag, drei Mal landet eine Finnair-Maschine etwa in Düsseldorf. Hannover, Bremen und Nürnberg sollen hinzukommen.

Marktnische Ostasien ausgebaut

"Wer nach Japan oder China fliegen will, muss sowieso umsteigen", sagt Hienonen. Es mache daher wenig Sinn, erst ein bis zwei Stunden nach Westen und wieder nach Osten zu reisen. "Da ist es sinnvoller, gleich über Helsinki nach Osten zu fliegen." Die gleichsam von der Natur geographisch vorgegebene Marktnische Ostasien baute Finnair in den vergangenen Jahren aus. Die Fluggesellschaft, die rund 9500 Mitarbeiter beschäftigt - darunter 700 Piloten einschließlich zehn weiblicher Flugkapitäne -, konnte sich im Schatten der großen Europas - Lufthansa, Air France und British Airways - gut behaupten, wie seit einigen Jahren schwarze Zahlen belegen.

Und die Zahlen sprechen für sich. Die Finnair-Gruppe brachte im vergangenen Jahr 8,5 Millionen Passagiere von A nach B. Ihre Flüge sind bis zu 73 Prozent ausgelastet und weisen durchschnittliche Zuwachsraten von fünf Prozent aus. Auf ihren Asienrouten erzielte die Fluggesellschaft sogar einen Zuwachs von 15 Prozent. Die Auslastung hier liegt bei mehr als 80 Prozent. Der Frachtumsatz nach Asien stieg im vergangenen Jahr um 44 Prozent.

Weniger Treibstoffverbrauch spricht für Airbus

Die Finnair-Flotte - die beiden Töchter FlyNordic und Aero ausgenommen - hat ein Durchschnittsalter von 4,4 Jahren und ist damit eine der jüngsten in Europa. Neben elf Airbus A319, zwölf Airbus A320 und sechs Airbus A321, hat Finnair 14 McDonnell-Douglas 82/83, von denen neun für die Tochter FlyNordic fliegen, acht MD-11 und sieben Boeing 757 am Start. Die Airline, die zu 57,04 Prozent in staatlichem Besitz ist, will im Mittel- und Langstreckenlinienverkehr langfristig nur auf Airbus umstellen. Im Langstreckenverkehr sollen die "großen Europäer" Airbus A340-300 und Airbus A350-900 fliegen, im Europa- und Inlandsverkehr etwa die Jets der A320-Familie.

Die Diskussion über den neuen Airbus sieht Hienonen gelassen. "Wir werden diese Flugzeuge erst in sechs Jahren bekommen. Wir gehen davon aus, dass Airbus bis dahin alle Probleme gelöst hat", sagt der Finnair-Präsident. Airbus habe versprochen, dass die A350-900 ein Drittel weniger Treibstoff als die MD-11 verbrauchen werde. "Das ist für uns das entscheidende Argument."

Karl Morgenstern/DPA DPA

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