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Belarus Nach erzwungener Landung: Diese europäischen Airlines meiden jetzt belarussischen Luftraum

Lufthansa meidet bis auf Weiteres den Luftraum von Belarus
Die Lufthansa gehört zu den Airlines, die nach der erzwungenen Landung einer Passagiermaschine in der belarussischen Hauptstadt Minsk bis auf Weiteres den Luftraum von Belarus meidet 
© Andreas Arnold / Picture Alliance
Am Sonntag wird eine Ryanair-Maschine über dem belarussischen Luftraum abgefangen. Am Boden wird ein oppositioneller Journalist festgenommen. Die EU ist empört und reagiert mit Sanktionen. Auch mehrere europäische Airlines ziehen nun Konsequenzen.

Nach der erzwungenen Landung eines Ryanair-Flugzeugs in Minsk und der Festnahme eines bekannten Oppositionellen erwarten Belarus weitreichende Konsequenzen: Die EU-Staats- und Regierungschefs brachten am Montagabend neue Sanktionen gegen das autoritär regierte Land auf den Weg. Sie vereinbarten die Sperrung des Luftraums für Flugzeuge aus Belarus sowie ein Landeverbot auf EU-Flughäfen und riefen Airlines aus der EU auf, den belarussischen Luftraum zu meiden.

"Wir tolerieren keine Versuche, russisches Roulette mit dem Leben unschuldiger Zivilisten zu spielen", sagte EU-Ratspräsident Charles Michel im Anschluss an die Gipfelberatungen in der Nacht zum Dienstag. Die Staats- und Regierungschefs hätten "zusätzliche Sanktionen gegen Einzelpersonen beschlossen, die an dieser Entführung beteiligt waren", sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Auch Unternehmen, "die dieses Regime finanzieren", sollten sanktioniert werden können. 

Diese Airlines fliegen nicht über Belarus

Mehrere Fluggesellschaften aus der EU kündigten an, den Luftraum von Belarus aus Sicherheitsgründen zu meiden, um eine Situation wie mit der Ryanair-Maschine zu verhindern.

Air Baltic: Die lettische Airline wird bis auf Weiteres den belarussischen Luftraum meiden. Die Airline habe beschlossen, das Eintreten in den belarussischen Luftraum zu vermeiden, bis die Situation klarer wird oder die Behörden eine Entscheidung treffen, teilte eine Sprecherin des Unternehmens in Riga mit. Air Baltic ist die größte Fluglinie in den baltischen Staaten.

Air France: Die französische Fluggesellschaft setzt ihre Flüge im belarussischen Luftraum aus. Ein Sprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur in Paris am Dienstag entsprechende französische Medienberichte.

Finnair: Die finnische Fluggesellschaft wird vorerst nicht mehr durch den belarussischen Luftraum fliegen. Dies teilte die Gesellschaft am Dienstag mit. Nach Angaben des Rundfunksenders Yle fliegt Finnair nur selten über Belarus. Betroffen sind demnach in erster Linie Flüge in die Türkei und nach Griechenland.

KLM: Die Airline mit Sitz in den Niederlanden beschloss, vorerst nicht mehr durch den belarussischen Luftraum zu fliegen.

Lufthansa: Die deutsche Airline wird den belarussischen Luftraum vorerst meiden. "Aufgrund der aktuell dynamischen Lage setzen wir die Operation im weißrussischen Luftraum vorerst aus", teilte das Unternehmen am Montagabend mit.

Scandinavian Airlines (SAS): Die skandinavische Fluggesellschaft, die in den Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden ihre Drehkreuze hat, kündigten an, Belarus künftig nicht mehr zu überfliegen.

Wizz Air: Auch Wizz Air meidet den belarussischen Luftraum. Ein Sprecher der Airline teilte am Montag mit, dass ein Flug von der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach Tallinn (Estland) umgeleitet wurde, sodass er nicht durch den belarussischen Luftraum musste. "Wir überwachen und bewerten kontinuierlich die Situation", sagte er der Agentur BNS.

Auch Singapore Airlines kündigte an, die Flüge Richtung Europa umzuleiten, um Belarus nicht zu überfliegen. "Die Sicherheit unserer Kunden und Crews hat oberste Priorität", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft aus Singapur. Auch britische Flugzeuge sollen auf Anordnung der Regierung in London den belarussischen Luftraum meiden. 

Belarus-Airline stellt Flüge nach London und Paris ein

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ordnete einen Stopp von Direktflügen von und nach Belarus an. Ukrainische Flugzeuge würden zudem nicht mehr durch belarussischen Luftraum fliegen, teilte die Präsidentschaft in Kiew mit. Das Verbot betrifft vor allem Reisen zwischen der Ukraine und Russland, bei denen viele Passagiere einen Zwischenstopp in Minsk einlegen, weil es seit 2015 keine Direktverbindungen mehr gibt.

Die staatliche Fluggesellschaft von Belarus setzt hingegen ihre Flüge nach London und Paris bis Ende Oktober aus. Belavia reagiere damit auf ein Verbot von Frankreich und Großbritannien für Maschinen aus der Ex-Sowjetrepublik, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Man bedauere die aktuelle Situation, "die wir nicht ändern können".

Vom Flughafen der belarussischen Hauptstadt Minsk waren für diesen Dienstag zudem Flüge nach Berlin und Warschau geplant. Zunächst wurde am Vormittag jedoch allein die Verbindung nach Paris zunächst gestrichen. 

Blogger Protassewitsch meldet sich - Opposition besorgt

EU will Druck auf Belarus aufrecht erhalten

Belarus hatte am Sonntag eine Ryanair-Maschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius unter dem Vorwand einer Bombendrohung und mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. Dort wurden der in Polen und Litauen im Exil lebende Oppositionelle Roman Protasewitsch und seine aus Russland stammende Freundin festgenommen.

Protasewitsch war früher Chefredakteur des oppositionellen Telegram-Nachrichtenkanals Nexta. Über Nexta waren nach der von massiven Betrugsvorwürfen begleiteten Präsidentschaftswahl in Belarus im vergangenen August Hunderttausende Demonstranten mobilisiert worden. Protasewitsch wird vorgeworfen, Massenproteste ausgelöst zu haben, worauf in Belarus bis zu 15 Jahre Haft stehen.

Wegen der Geschehnisse rund um die Präsidentenwahl und des massiven Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten sind bereits EU-Sanktionen gegen rund 90 Verantwortliche in Belarus in Kraft, auch gegen den autoritär regierenden Lukaschenko. Im Dezember wurden auch Sanktionen gegen sieben staatsnahe Unternehmen verhängt. Ein weiteres Sanktionspaket gegen rund 40 weitere Belarussen war bereits für Juni geplant.

Von der Leyen kündigte an, den Druck auf die Regierung in Minsk bis auf Weiteres aufrecht zu erhalten. In der EU stehe schon seit Längerem ein drei Milliarden Euro schweres Investitions- und Wirtschaftspaket für das Land bereit, sagte sie weiter. Dieses bleibe aber "solange eingefroren (...), bis Weißrussland demokratisch wird".

rw DPA AFP

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