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Skurriler Fall: Warum 400.000 Euro in einem Finnair-Flieger zehn Jahre lang Ermittler und Justiz beschäftigten

Vor zehn Jahren wurden in einem Flugzeug von Finnair mehr als 400.000 Euro gefunden. Es wurde ermittelt, es kam sogar zu einem Rechtsstreit. Nun wurde erneut ein Urteil gefällt – und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

In einem Flugzeug der "Finnair" wurden mehr als 400.000 Euro gefunden

In einem Flugzeug der "Finnair" wurden mehr als 400.000 Euro gefunden

DPA

Ein ungewöhnlicher Streit beschäftigte über fast zehn Jahre Ermittler und Richter in Finnland. Wie bei so vielen Streitigkeiten, ging es ums Geld. Im Oktober 2009 nahm alles seinen Lauf: Eine chinesische Staatsbürgerin wurde in Madrid von spanischen Behörden aus einem Flugzeug der nationalen Fluggesellschaft Finnair entfernt, welches das Ziel Helsinki hatte. Im Gepäck der Frau wurde eine beträchtliche Summe Bargeld gefunden, wie der finnische Rundfunk Yle berichtet. Laut dem finnischen Sender mtv wäre der Flug der Frau weiter nach Peking gegangen.

Doch als das Flugzeug in Finnland landete, machte man eine erstaunliche Entdeckung. In Chipsdosen und in Verpackungen für Schokoladentafeln in einer Tasche wurden insgesamt 409.760 Euro in bar gefunden, so mtv weiter. Die Chinesin hatte diese dort zurückgelassen, bevor die aus dem Flugzeug geholt wurde.

Verdächtige Chinesin holte das Geld nie ab

Das Geld wurde der finnischen Polizei wegen des Verdachts übergeben, dass es sich um einen Fall von Geldwäsche handeln könnte, so Yle weiter. Das finnische nationale Untersuchungsbüro (NBI) leitete daraufhin eine Geldwäscheuntersuchung ein, die 2013 abgeschlossen wurde. Die beschlagnahmte Geld wurde dann freigegeben.

2014 teilte die Polizei der Chinesin dann mit, dass das Geld, wenn es nicht innerhalb von drei Monaten in Anspruch genommen werde, an den finnischen Staat gehen würde. Nach Angaben der Polizei habe sie sich nie nach dem Geld erkundigt. Daraufhin bekam die Firma Lost and Found International Finland Interesse an dem Geld. Die Firma fungiert als Fundbüro für den Flughafen Helsinki als auch für Finnair selbst.

Die Fundbüro-Firma wollte, dass das Geld an sie übergeben werden sollte. Das NBI weigerte sich allerdings das Geld freizugeben und argumentierte, dass es dem finnischen Staat gehörte. Der Streit wurde dann vor das Bezirksgericht von Helsinki gebracht. Die Angelegenheit wurde laut mtv durch die Tatsache erschwert, dass die Beschlagnahmung des Geldes bereits aufgehoben worden war.

Fundbüro beansprucht Geld für sich 

Nach Angaben des Unternehmens bestand daher kein Grund mehr, das Geld zu behalten und forderte die Kriminalpolizei auf, die Gelder an sie zu übergeben. Das Fundbüro argumentierte vor Gericht, dass das Vermögen als verloren befunden wurde und der Entdeckungsgesetzgebung unterliegen sollte. Laut finnischem Gesetz müssen in öffentlichen Verkehrsmitteln gefundene Waren dem Abteilungspersonal oder dem Fundbüro übergeben werden.

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Im Frühjahr 2018 entschieden dann die Richter, dass das Geld dem finnischen Staat und nicht der Firma gehöre. Ein Berufungsgericht bestätigte am 16. September 2019 das Urteil des Bezirksgerichts, so Yle und mtv. Nun werde noch untersucht, welche Regierungsbehörde das Geld bekommen werde. Bis dahin verbleibe es auf dem Konto der Kriminalpolizei, berichtet die Zeitung "Ilta-Sanomat".

Lost and Found International kann sich im Falle einer weiteren Anfechtung nur noch an den Obersten Gerichtshof Finnlands wenden. Laut "Ilta-Sanomat" beabsichtige das Fundbüro vor das Oberste Gericht zu ziehen.

Quellen: Yle (1), Yle (2), mtv, "Ilta-Sanomat" 

rw