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Medien: Kicker statt Kaffee

Industriellenerbe Christian Jacobs ist neuer Eigentümer der Fußball-TV-Rechte. Er zeigt sich nur ungern öffentlich - dem stern gab er Einblick in seine Pläne.

Oft kommt es nicht vor, doch neulich war Christian Jacobs mal wieder im Fußballstadion. "Mein Sohn ist glühender Werder-Fan", sagt er. Und weil der erst neun ist, musste Papa mit in die AOL-Arena zu HSV gegen Bremen. Wie war's? "Da war ziemlich viel Krach", sagt Jacobs, "aber es war eigentlich sehr nett."

Fußball und Jacobs

- das sind zwei Welten. Hier Ballon- und Halbseide, Männerschweiß, Bier aus dem Becher und lautes Gegröle. Da der Spross aus gutem Hause, ein 41-jähriger Herr, der die leisen Töne bevorzugt und sich nur ungern öffentlich zeigt. So einer wächst nicht mit Fußball auf, sondern mit Dressurreiten.

Christian Jacobs

entstammt der Kaffeedynastie Jacobs (Krönung, Milka, Toblerone). 1990 verkaufte sein Vater das Imperium an den US-Konzern Kraft und erwarb mit den Milliarden Neues: eine Schokoladenfabrik, Zeitarbeitsfirmen, Stollwerck. Über all das wacht seit etwa einem Jahr Christian Jacobs.

Seit kurzem

wacht der Wirtschaftsanwalt auch über Fußball. Mit dem einstigen Adidas-Sanierer Robert Louis-Dreyfus kaufte Jacobs die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga und der Weltmeisterschaft 2006 aus den Überresten der Kirch-Gruppe. Günter Netzer, der ein paar Prozent der Anteile hält, gibt der Firma Infront das Gesicht nach außen. Mit im Boot sitzt der saudische Scheich Salih Abdullah Kamil, von dessen angeblichen Kontakten zur El-Kaida Jacobs "nichts gewusst" haben will.

Der Fußball-Deal ist ein Milliardengeschäft, das Jacobs zu "einem der wichtigsten Männer des Weltfußballs" ("WamS") macht. Jacobs zum stern: "Ich bin überzeugt, dass man den Fußball weiter stark aufwerten kann. Es ist ein fabelhaftes Produkt." Aber auch ein riskantes Spiel. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesliga will außer dem Abo-TV Premiere kein Fernsehsender die Rechte kaufen. Zuletzt verzichtete sogar Sat 1, das seit Jahren alle Spiele in der Sendung "ran" zusammenfasst, auf die Option für die kommende Saison - zu teuer. "Wir bedauern den Schritt", sagt Jacobs. "Das Thema Sat 1 ist für mich erst einmal erledigt, denn wir sind an langfristigen Partnerschaften interessiert. Das ist wie in der Ehe, einmal geschieden ist ziemlich schwer wieder verheiratet. Aber unmöglich ist das nicht."

Hat Jacob

s einen Ladenhüter erworben? "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesliga nicht zu sehen sein wird." Er hält die Absagen auch von RTL, ARD und ZDF für das "übliche Verhandlungsgetümmel. Die verschießen erst einmal munter Rauchsignale". Vorsorglich prüfen Jacobs und Dreyfus aber die Bücher beim Deutschen Sportfernsehen (DSF), das zum Verkauf steht. Wenn alle Stricke reißen, könnten sie den Sender übernehmen und die Spielausschnitte der Bundesliga selbst zeigen: "Dass das DSF eine Rolle spielt, ist klar." 290 Millionen Euro pro Jahr musste Infront für die gesamten Rechte an der Liga zahlen - auf einen Verlust werden sich die neuen Eigentümer einrichten müssen.

Jacobs' Rechnung

zielt auf die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Rund um den Globus läuft bereits der Verkauf der Rechte, und angeblich läuft er gut. Jacobs träumt vom "ganz großen Volkserlebnis". Auch vor dem Fernseher: "Wir gehen davon aus, dass ARD und ZDF bei einer WM im eigenen Land an der vollen Anzahl der Spiele interessiert sind."

Geht es um

die WM, entwickelt Jacobs hochfliegende Pläne. Er will nichts weniger als "demonstrieren, wie eine moderne Dienstleistungsgesellschaft funktionieren kann". Einen Vorschlag hat er dem Organisationskomitee schon unterbreitet: Tausende Zeitarbeitskräfte sollen den Service im Stadion und drum herum gewährleisten - und die WM so zum Jobmotor machen. Den geeigneten Dienstleister kennt Jacobs auch schon: die weltgrößte Zeitarbeitsfirma Adecco. Sie gehört der Jacobs Holding.

So passen Jacobs und Fußball vielleicht besser zusammen, als mancher denkt.

Johannes Röhrig/Frank Thomsen / print