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Nach Verkauf des Hochspannungsnetzes: Vattenfall verspricht unveränderte Stromtarife

Der schwedische Energieversorger Vattenfall verkauft sein Hochspannungsnetz in Deutschland an einen belgischen Netzbetreiber und einen australischen Finanzinvestor.

Der schwedische Energieversorger Vattenfall verkauft sein Hochspannungsnetz in Deutschland an einen belgischen Netzbetreiber und einen australischen Finanzinvestor. Der Kaufpreis für die 9.700 Kilometer Überlandleitungen beträgt 810 Millionen Euro, wie Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka am Freitag in Berlin sagte. Der Vereinbarung zufolge erhält das belgische Unternehmen Elia 60 Prozent der Anteile, Industry Funds Management (IFM) erwirbt 40 Prozent.

Die Transaktion der Vattenfall-Tochter 50Hertz Transmission solle bis Ende Juni abgeschlossen sein, sagte Hatakka. Nötig seien noch die Zustimmung der Kartellbehörden und des Bundeswirtschaftsministers. "In beiden Fällen erwarten wir keine Probleme", betonte Hatakka. Die Tarife der Kunden sollten unverändert bleiben.

Damit wird bereits das zweite der vier großen Stromübertragungsnetze in Deutschland von einem ausländischen Unternehmen übernommen. Im November hatte E.ON als erster deutscher Energiekonzern sein Höchstspannungsnetz für eine Milliarde Euro an den staatlichen niederländischen Netzbetreiber Tennet verkauft.

Die übrigen deutschen Höchstspannungsnetze gehören RWE und EnBw. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft beträgt die Länge der Höchstspannungsnetze in Deutschland insgesamt 35.708 Kilometer.

Hintergrund der Verkäufe ist, dass die EU-Kommission die Energiewirtschaft seit längerem dazu auffordert, Stromerzeugung und -übertragung zu trennen. Die Tatsache, dass sich Stromnetze und Kraftwerke in einer Hand befinden, gilt als eines der größten Wettbewerbshindernisse auf dem deutschen Strommarkt.

Hatakka begründete den Verkauf damit, dass es strategisch richtig sei, Netze von der Erzeugung zu trennen. "Das ist ein wichtiger Schritt, Transparenz auf dem Markt zu schaffen und gehört zu einem guten Marktdesign."

Elia-Geschäftsführer Daniel Dobbeni sagte, die Transaktion stelle einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zum Aufbau des europäischen Strommarkts dar. Dafür setze sich Elia als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber seit der Gründung 2001 ein.

Greenpeace begrüßte den Verkauf als richtigen Schritt zum Knacken der Monopolstellung der vier großen Energiekonzerne. Energieexperte Karsten Smid sagte, Vattenfall habe das Stromnetz vom Staat für einen Apfel und ein Ei bekommen und habe sich mit dem Verkauf jetzt eine goldene Nase verdient. Nun müssten die neuen Betreiber das veraltete Netz modernisieren. Klimaschutz mit Erneuerbaren Energien erfordere Investitionen in moderne Stromnetze.

Derweil berichtete das "Handelsblatt", dass die deutschen Stadtwerke Sturm gegen die geplante Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke laufen. Demnach fordern 150 Energieversorger von der Bundesregierung, die Kernkraftwerksbetreiber im Falle einer Laufzeitverlängerung zu verpflichten, alte Kohlekraftwerke stillzulegen. Andernfalls drohten die Stadtwerke mit der Stornierung ihrer geplanten Milliardeninvestitionen in neue klimafreundliche Kraftwerke. Die Stadtwerke, die rund zehn Prozent der Energie in Deutschland erzeugen, befürchten durch eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke massive Marktverzerrungen zugunsten der vier großen deutschen Reaktorbetreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, wie Branchenkreise der Nachrichtenagentur DAPD bestätigten.

Holger Mehlig, APN / APN