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Neuer BER-Chef Mehdorn: Ab Montag wird der Flughafen gerettet

Hartmut Mehdorn kennt das Flugwesen, kann bauen und Politik versteht er auch. So vollmundig als neuer BER-Chef vorgestellt, bremste der 70-Jährige die Euphorie gleich aus. "Das wird kein Puppenspiel".

Der ehemalige Bahn- und Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn soll Geschäftsführer des Flughafens Berlin Brandenburg International (BER) werden. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) bestätigte die Berufung Mehdorns an die Spitze der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB). "Ich freue mich, dass wir Hartmut Mehdorn als neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der FBB gewinnen konnten", sagte Ramsauer in Berlin.


Kann Hartmut Mehdorn den Berliner Flughafen retten?

Der Mann kann einfach alles

Auf einer Pressekonferenz stellte Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) den 70-Jährigen offiziell vor. "Wir haben einen Mann verpflichtet, über den lang zu reden, Eulen nach Athen tragen hieße", so Platzeck. Lauscht man Platzeck, ist Mehdorn eine Idealbesetzung. Das Flugwesen sei ihm nicht fremd, beim Bauen kenne er sich ebenso aus, wie mit strukturellen und organisatorischen Abläufen, und auch die politische Gemengelage müsse man ihm nicht erläutern. Mehdorn wird seinen Job bereits am Montag um 7 Uhr beginnen. Er hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben.

Anders als sein Vorgänger Schwarz wird Mehdorn Vorsitzender der Geschäftsführung und nicht nur ihr Sprecher. Mehdorn trägt damit die Gesamtverantwortung.

Der BER-Aufsichtsrat will im weiteren Tagesverlauf über die lange Mängelliste beraten. Ein Termin für die Inbetriebnahme des Hauptstadt-Airports in Schönefeld, die mehrfach verschoben worden war, steht immer noch nicht fest.


"Ich kann nicht zaubern"

Mehdorn selbst konnte inhaltlich noch nicht viel Erhellendes sagen. Das demolierte Vertrauen der Öffentlichkeit wolle er wieder herstellen, aber zunächst müsse er sich ein Stück einarbeiten. Ihm sei jedoch klar, dass das "kein Puppenspiel" werde. "Ich glaube, ich habe gewisse Erfahrungen im Handeln von komplexen Unternehmensstrukturen." Dann wünschte sich der Retter noch ein paar Vorschusslorbeeren von den anwesenden Journalisten und schickte noch hinterher: "Ich kann nicht zaubern."

Auf der Pressekonferenz herrschte ausgesprochen gute Laune unter den Herren auf dem Podium. Während Klaus Wowereit witzelte, er freue sich, dass das Dach des Terminals schon fertig sei und auch nicht mehr verkürzt werden könne. Berlins Regierender Bürgermeister spielte darauf an, dass auch die Fertigstellung des Bahnhofs seinerzeit nicht pünktlich erfolgte, daher das Dach kürzer gebaut wurde. Damals war Mehdorn noch Bahnchef - und der 70-Jährige konterte: "Ich musste mich entscheiden entweder Bahnhof oder Dach."

Wowereit stichelte weiter: "Der Mann hat Ecken und Kanten und die werden wir ihm auch nicht abschleifen. Es wird Spannungen geben, aber die sind produktiv."


Mehdorn will auch nachts fliegen

Eine inhaltliche Aussage machte Mehdorn dann doch, dazu gleich eine ganz brisante. Er lehnt ein strengeres Nachtflugverbot ab. "Ich bin kein Freund von dieser Einschränkung", sagte Mehdorn. Er wolle "sehen, ob es nicht andere Kompromisslinien gibt". In anderen Hauptstädten gebe es auch keine Restriktion der Flugzeiten - Berlin müsse sich an diese internationalen Standards gewöhnen. Ein strengeres Nachtflugverbot sei schlecht für Flughafen und Standort, sagte Mehdorn. Platzeck setzt sich als für mehr Nachtruhe am Flughafen ein. Er will das bisher geplante Flugverbot auf die Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr ausdehnen.

Bis Januar war er der Chef von Air Berlin

Mehdorn hatte Anfang des Jahres seinen Vorstandsvorsitz bei der Fluglinie Air Berlin niedergelegt. Er hat noch einen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens. "Mein Mandat bei Air Berlin werde ich niederlegen, um in keinen Konflikt zu geraten."

Air Berlin befindet sich wegen der verschobenen Eröffnung in einem Rechtsstreit um Schadenersatz mit der Flughafengesellschaft. "Was mit der Klage von Air Berlin und der Bahn zusammenhängt, das geht nicht über meinen Schreibstisch. Dass ich dazu eine Meinung habe, davon können sie mal ausgehen."

Platzeck soll Mehdorn ins Spiel gebracht haben

Der damalige Flughafenchef Rainer Schwarz war Mitte Januar entlassen worden. Kurz zuvor war die Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg wegen schwerer Planungs- und Baumängel auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Viermal wurde die Eröffnung des Airport schon verschoben. Nach Aussagen von Technikchef Horst Amann wird der BER frühestens im Herbst 2014 in Betrieb gehen.

Aus dem Kreis der Anteilseigner hieß es, der Vorschlag für Mehdorn sei vom brandenburgischen Ministerpräsidenten Platzeck gekommen. Der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft kenne Mehdorn schon länger und setze großes Vertrauen in ihn. Zuletzt war Platzeck mit dem Vorhaben gescheitert, den früheren Frankfurter Flughafenchef Wilhelm Bender als Chefberater für den Flughafen zu engagieren. Dieser verzichtete auf den Job., nachdem eine Debatte über ein in Medienberichten genanntes Tageshonorar von 4000 Euro und Streit zwischen den Hauptanteilseignern Berlin und Brandenburg wegen den Nachtflugverbots ausgebrochen war.

Mehdorn war bis 2009 zehn Jahre Chef der Deutschen Bahn. Zwar modernisierte er das Unternehmen, was ihm viel Anerkennung einbrachte. Er stolperte aber über eine Affäre, bei der Daten von Mitarbeitern ausspioniert wurden. Der sanierungsbedürftigen Fluglinie Air Berlin, deren Chef er zwischen September 2011 und Januar 2013 war, verordnete er einen harten Sparkurs.

Er weiß sogar, wie man Flugzeuge baut

Der studierte Maschinenbauingenieur - in seiner Diplomarbeit ging es um Turbinentechnik - ist ein ausgewiesener Fachmann der Luftfahrtbrache und arbeitete lange Zeit in Führungspositionen dieser Industrie. Unter anderem war er Manager beim Flugzeugbauer MBB und bei Airbus. Mehdorn arbeitete beispielsweise an der Entwicklung der ersten Airbus-Prototypen mit.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring begrüßte die Entscheidung für Mehdorn. "Hartmut Mehdorn kann führen", sagte der Verkehrspolitiker dem Sender N 24. Das habe er schon in seinen früheren Tätigkeiten bewiesen. Er allein könne das Projekt aber nicht zum Erfolg führen, dazu bedürfe es einer Teamleistung.

Ramsauer sagte, Mehdorn besitze "hervorragende Managementfähigkeiten sowie ein Höchstmaß an wirtschaftlicher und technischer Kompetenz." Jetzt müsse es darum gehen, dass Mehdorn und Amann gemeinsam mit Hochdruck die gewaltigen Probleme auf der Baustelle lösen. Sie müssten weiteren finanziellen Schaden vom Unternehmen abwenden und die Mitarbeiter der Flughafengesellschaft neu motivieren.

Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent an dem Flughafenbetreiber, der Bund 26 Prozent.

anb/swd/AFP/DPA / DPA