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Reaktor-Störfälle: Vattenfall gibt geheime Mängelliste frei

Sie war bei Vattenfall bislang ein mit allen Mitteln verteidigtes Betriebsgeheimnis: die Mängelliste des AKW Brunsbüttel. Nun gibt der Energieversorger den Widerstand gegen ihre Veröffentlichung auf. Nach ersten Informationen offenbart die Aufstellung Defizite in wichtigen Sicherheitsbereichen.

Der Energiekonzern Vattenfall hat der Veröffentlichung der Mängelliste zum Atomkraftwerk in Brunsbüttel zugestimmt. "Mit dieser Transparenz und Offenheit wollen wir weiter um verloren gegangenes Vertrauen werben", sagte Reinhardt Hassa, Vorstandsmitglied von Vattenfall Europe. Eine Klage gegen die Bekanntmachung der Ergebnisse werde das Unternehmen zurückziehen. Die Kieler Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) begrüßte die Ankündigung von Vattenfall. Damit werde eine ihrer Forderungen erfüllt, sagte sie in Kiel.

Der Organisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) liegt die Liste bereits vor, Details daraus will sie am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekanntgeben. Nach ersten Informationen enthüllt die Aufstellung aus dem Jahr 2006 unter anderem Defizite in allen Kernbereichen der Sicherheit des AKW Brunsbüttel. Laut DUH betreffen sie die Sicherheitsleittechnik, die Bruchsicherheit zentraler Komponenten und auch Fragen der Verwundbarkeit gegenüber terroristischen Angriffen. Neben der Bekanntgabe der Brunsbüttel-Mängelliste soll auch der Trafo-Brand im Kernkraftwerk Krümmel Gegenstand der DUH-Pressekonferenz sein.

Wichtige Anweisungen künftig laut wiederholen

Intern zieht Vattenfall bereits Konsequenzen aus den Missverständnissen im AKW Krümmel. So sollen Mitarbeiter wichtige Anweisungen künftig laut wiederholen müssen. Bisher sei dies eine Empfehlung, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek. Dies sei ein Ergebnis der Mitarbeiterbefragung zu den Vorgängen bei der Schnellabschaltung am 28. Juni.

Damals hatte der Reaktorfahrer nach dem Ausfall einer Wasserpumpe eine Anweisung des Schichtleiters falsch verstanden und zur Senkung des Drucks minutenlang Ventile offen gelassen statt sie abwechselnd zu öffnen und zu schließen. So fiel der Druck schneller als vom Schichtleiter beabsichtigt. "Das war für den weiteren Ablauf undramatisch, aber das ist natürlich nicht gewollt, dass die sich nicht richtig verstehen", sagte Banek. Nun wolle man der Reaktoraufsicht einen Katalog vorschlagen, der im Störfall die Kommunikation regelt.

Auch das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium in Kiel prüft nach dem Gespräch mit den Kraftwerksmitarbeitern mögliche Konsequenzen. Außerdem geht die Prüfung von Dübeln weiter, nachdem Krümmel zwei weitere falsche Dübel entdeckt worden waren.

Weit von der angekündigten Offenheit entfernt

Die DUH übt scharfe Kritik an dem Konzern. Auch nach der Ablösung von Bruno Thomauske als Chef der Atom-Sparte von Vattenfall Europe, und dem Rücktritts von Johannes Altmeppen als Konzernsprecher, sei Vattenfall noch weit von der angekündigten Offenheit entfernt. Vattenfall selbst kündigt derweil an, Öffentlichkeit und Atomaufsichtbehörde künftig zeitgleich über "meldepflichtige Ereignisse", also Stör- und Zwischenfälle im AKW, informieren.

DPA/kap / DPA