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Recycling von Energiesparleuchten: Rücknahme mit Hindernissen

Die Glühbirne ist tot, es lebe die Energiesparlampe. Doch auch die neuen Leuchtmittel halten nicht ewig und dann gehören sie auf den Sondermüll. Das Problem: Ein flächendeckendes Rücknahmesystem ist nicht in Sicht.

Von Tanja Vedder

Mit der Glühbirne war es doch schön einfach. War sie defekt, wanderte sie in den Hausmüll. Ganz so problemlos geht es mit ihren Nachfolgern aber nicht. Lediglich Halogenlampen dürfen über den "normalen" Abfall entsorgt werden. Energiesparlampen, die Quecksilber enthalten, und LED-Lampen gehören dagegen auf den Sondermüll – und damit beginnt schon das Problem. Denn viele Verbraucher wissen gar nicht, wohin sie ihre Lampen eigentlich bringen sollen.

Bislang sind lediglich die Hersteller durch das Elektro- und Elektronikgerätegesetz, kurz ElektroG, zur Rücknahme und fachgerechten Entsorgung ihrer Lampen verpflichtet – nicht aber der Handel. Handels- und Handwerksverbände hatten im Frühjahr 2011 lediglich eine freiwillige Absichtserklärung unterzeichnet. Damit kommt zwar in jüngster Zeit Bewegung in die Sache, und mit Drogerien wie dm und Budni sowie Kaufland haben sich große Handelsketten dem freiwilligen Rücknahmesystem angeschlossen. Doch noch immer ist die Zahl der Sammelstellen in Kommunen und Handel überschaubar: 6000 gibt es derzeit nach Angaben der Brancheninitiative Lightcycle bundesweit. Das Gemeinschaftsunternehmen von mehr als 80 Leuchtmittelherstellern organisiert die Sammlungen im Einzelhandel.

Umweltschützern ist das aber alles zu wenig. Sie bemängeln, dass es kein flächendeckendes Rücknahmesystem für Energiesparleuchten gibt und verlangen eine Verpflichtung des Handels und mehr Einsatz von der Politik.

Verbraucherschützer fordern flächendeckende Rücknahme

Auch Verbraucherschützer bringt das schleppende Rücknahmesystem auf den Plan. Die beiden Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Sachsen haben aktuell zwei Marktchecks gemacht und geben vor allem der Transparenz des Entsorgungssystems schlechte Noten. Ihr Fazit: Handel und Kommunen informierten die Verbraucher nicht ausreichend, wo sie ihre gebrauchten Lampen entsorgen können. In vielen Geschäften fehlten außerdem Hinweisschilder, die Kunden müssten aktiv nachfragen.

So hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beispielsweise festgestellt, dass inzwischen rund zwei Drittel der Händler alte Lampen auf Nachfrage zurücknehmen. Einen Hinweis auf diese Abgabemöglichkeit fanden Kunden demnach aber nur in etwa jedem zehnten Geschäft, Sammelboxen fehlten fast gänzlich. "Rückgabe Fehlanzeige" heißt es auch in den meisten Discountern und Supermärkten.

Nicht viel besser sieht es in den Kommunen aus. Wie die Verbraucherzentrale Sachsen herausfand, variiert die Zahl der Sammelstelle stark. Und auch hier mangelt es nach Ansicht der Verbraucherschützer an einer guten Informationspolitik. Auf den Internetseiten der Landkreise müsse der Verbraucher oft erst lange recherchieren, bis er auf Abgabestellen wie etwa die Wertstoffhöfe und Schadstoffmobile stößt.

Niedrige Rückgabequote

Entsprechend niedrig ist derzeit die Rückgabequote. 2010 wanderten nur 37 Prozent der Energiesparlampen in den Wiederverwertungskreislauf zurück. Diese Zahlen umfassen Gewerbe und private Haushalte. "Wir schätzen, dass nur 10 bis 20 Prozent der Privathaushalte ihre gebrauchten Energiesparlampen tatsächlich dem Sondermüll zuführen", sagt Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe. Dies bestätigt auch eine aktuelle Umfrage von Lightcycle: Demnach nutzt derzeit knapp jeder Fünfte (19 Prozent) für die Rückgabe seiner Altlampe eine Sammelbox im Handel, weitere 6 Prozent geben sie direkt auf den Sondermüll.

"Das freiwillige System funktioniert nicht. Die Bundesregierung muss die Rücknahme gesetzlich regeln", fordert deshalb Holger Krawinkel, der Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin. "Wie und wo Verbraucher ihre Lampen entsorgen können, sollte einfach zu finden und verständlich aufbereitet sein", so Krawinkel. Auch die Städten und Gemeinden seien nun in der Pflicht, die Rücknahmestellen auszubauen und die Infrastruktur zu verbessern.

Politik hält sich zurück

Die Politik hat sich bislang gegen eine gesetzliche Verpflichtung des Handels gesträubt und setzt stattdessen auf das Prinzip Freiwilligkeit. "Wir sollten dem Handel eine Chance geben, sein freiwilliges Rücknahmesystem aufzubauen. Eine gesetzliche Regelung steht für uns nicht auf der Tagesordnung", sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums auf Anfrage von stern.de

Doch möglicherweise hat die Bundesregierung bald keine andere Wahl mehr. Denn die EU sitzt ihr im Nacken. Sie überarbeitet gerade die Richtlinie von Elektrokleinstgeräten, unter die auch die Energiesparlampen fallen. Alles deutet darauf hin, dass es künftig für den Handel keine Ausnahmen mehr geben wird und er die Lampen zurücknehmen muss.

Hersteller zur Entsorgung verpflichtet

Noch hängt die reine Verantwortung aber an den Lampenherstellern. Sie sind per Gesetz dazu verpflichtet, die Energiesparlampen zu sammeln und fachgerecht zu entsorgen. Deshalb müssen sie auch dafür sorgen, dass bei der Sammlung die Energiesparlampen nicht zu Bruch gehen. Denn zerbirst eine solche Kompaktstoffleuchte in ihre Einzelteile, tritt in der Regel gefährliches Quecksilber aus, wie das Umweltbundesamt erst kürzlich in einer Untersuchung nachgewiesen hat.

Die Hersteller haben deshalb ihre Sammelboxen für den Handel nochmals sicherer gemacht. Verbraucher finden nun in den beteiligten Läden einen speziellen Lightcycle-Aufsteller aus Pappe, in dessen Inneren ein Pappkreuz den Fall der Energiesparlampe bremsen soll. Die Fallhöhe wurde zur Verbesserung der Bruchsicherheit eigens von zuvor 60 auf nun 40 Zentimeter verringert. Das System funktioniere, und es gebe keine Probleme mit zu Bruch gegangenen Energiesparlampen, heißt es von der Brancheninitiative. Das bestätigt auch Franziska Müller von der Deutschen Umwelthilfe. "Wir haben bisher keine Kenntnis davon, dass Energiesparlampen bei der Sammlung im Handel häufig zu Bruch gehen. Dass eine Lampe einmal kapputt geht, ist aber nicht ausgeschlossen."

Energiesparlampen zu 90 Prozent wiederverwertbar

Wird eine Energiesparlampe ganz normal über den Hausmüll entsorgt, ist die Bruchgefahr aber weit höher. Kaum einer weiß, wie viele Energiesparlampen bereits zerstört auf unseren Müllhalden liegen und so gefährliches Quecksilber in das Grundwasser gelangt.

Wer seine Energiesparlampe im Handel oder an einer kommunalen Sammelstelle abgibt, tut also im doppelten Sinne etwas für die Umwelt. Denn das enthaltene Material wird größtenteils wiederverwertet - bei Energiesparlampen sind es 90 Prozent. Von den Sammelstellen treten die ausgedienten Lampen den Weg in spezielle Aufbereitungsanlagen an. Die Ausschlachter gewinnen nicht nur das Quecksilber und die enthaltenen Leuchtstoffe wieder, sondern durch die speziellen Verwertungsverfahren werden auch Metall, Glas und Kunststoffe wiedergewonnen.