RHJ-Konzept für Opel Werk in Eisenach soll eingemottet werden


Wie Magna will RHJ bis zum Wochenende unterschriftsreife Verträge für eine Opel-Übernahme vorlegen. Bereits jetzt sind Details aus dem Konzept des belgischen Investors durchgesickert. Demnach sollen 3900 Arbeitsplätze gestrichen werden und das Werk in Eisenach zwei Jahre stillstehen.

RHJ plant einem Zeitungsbericht zufolge den Abbau von 3900 deutschen Arbeitsplätzen bei Opel im Falle einer Übernahme. Insgesamt sollen rund 9900 Stellen in Europa wegfallen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf das aktuelle Konzept, das die europäische Beteiligungsgesellschaft des US-Investors Ripplewood am Mittwoch der Regierung vorgestellt habe.

Das belgische Opel-Werk Antwerpen soll demnach im Frühjahr 2010 geschlossen und der thüringische Standort Eisenach für zwei Jahre stillgelegt werden, bevor 2012 dort die Produktion wieder anlaufe. Die Arbeitsplätze in Eisenach sollten allerdings vollständig erhalten bleiben - in Bochum, Rüsselsheim und Kaiserslautern dagegen die Kapazitäten verkleinert werden. 2011 wolle RHJ mit Opel wieder operativ schwarze Zahlen schreiben, unter dem Strich solle zwei Jahre später wieder ein Nettogewinn stehen.

RHJ will nach den Worten von Vorstandschef Leonhard Fischer am Wochenende einen unterschriftsreifen Vertrag für einen Einstieg bei Opel vorlegen. "Ende der Woche sollte der detaillierte Vertrag fertig sein", sagte Fischer der "Bild"-Zeitung. Danach sollte es, auch im Sinne der Beschäftigten bei Opel, eine schnelle Entscheidung geben, forderte der ehemalige Manager der Dresdner Bank. RHJ wolle sich langfristig an Opel beteiligen. "Wir sind eine börsennotierte Industrieholding und denken in langen Zeiträumen. Das trifft auch bei Opel zu", sagte Fischer. RHJ strebe eine Mehrheit von 50,1 Prozent an Opel an und wolle dem derzeitigen Mutterkonzern General Motors (GM) an der neuen Gesellschaft 39,9 Prozent einräumen, berichtete das "Handelsblatt". Die restlichen zehn Prozent sollen demnach die Mitarbeiter erhalten.

Vorkaufsrecht für GM?

Vorstandschef Fischer wies Spekulationen als Unsinn zurück, wonach sich RHJ schon nach wenigen Jahren wieder von der Beteiligung trennen wolle. RHJ-Verhandlungsführer Gerd Häusler sagte dazu dem "Handelsblatt": "Solange die staatlichen Hilfen nicht vollständig zurückgezahlt wurden, ist ein Ausstieg oder Weiterverkauf der Opel-Anteile ohnehin ausgeschlossen." Für die Zeit danach sei sowohl ein Verkauf an einen dritten Investor oder ein Börsengang denkbar. RHJ habe GM weder eine Option auf einen Rückkauf der deutschen Tochter eingeräumt, noch gebe es eine Rückkaufverpflichtung an GM.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) allerdings sagte am Donnerstag, das RHJ-Modell für einen Opel-Einstieg enthalte "ein mehrfach abgesichertes Vorkaufsrecht" für GM. Auch bei Entwicklung, Produktion und im Einkauf baut der Finanzinvestor nach dem Konzept auf eine enge Zusammenarbeit zwischen GM und Opel.

RHJ hatte zuletzt im Bieterwettkampf um Opel an Boden gut gemacht. Lange Zeit galt der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna als aussichtsreichster Favorit. Am Donnerstag stärkte Bundeskanzlerin Angela Merkel Magna den Rücken. In dem Konzept des Konsortiums aus den Kanadiern sowie der russischen Sberbank und dem russischen Autobauer GAZ gebe es zwar noch etliche offene Punkte. Sie sei aber zuversichtlich, dass diese in wenigen Tagen geklärt werden könnten, sagte Merkel. Kreisen zufolge will auch Magna noch zum Wochenende einen unterschriftsreifen Vorvertrag für Opel vorlegen. Bei der ebenfalls an Opel interessierten chinesischen BAIC sei ein derartiges Papier dagegen nicht in Sicht, sagten Insider. Die Vorverträge sollen auch als Grundlage für die Entscheidung von Bund und Ländern über Bürgschaften für Opel dienen.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

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