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Sturzflug an Aktienmärkten Panikverkäufe regieren die Börsen


Die Talfahrt der weltweiten Börsen setzt sich fort und reißt auch den Dax weiter in die Tiefe. Die Staatschefs Merkel, Sarkozy und Zapatero treffen sich am Telefon zum Krisengespräch.

Die Talfahrt der Weltbörsen geht am Freitag rasant weiter: In Japan rauschte der Leitindex Nikkei um 3,72 Prozent auf den tiefsten Wert seit Mitte März, und auch an den europäischen Aktienmärkten gehen die Werte steil nach unten. Kurz nach Handelsstart brach der Dax um 3,25 Prozent auf 6206 Punkte ein. Damit dauert seine Talfahrt nun acht Handelstage an. Bereits am Donnerstag war der deutsche Leitindex auf ein Zehnmonatstief abgestürzt und hatte 3,4 Prozent abgegeben auf 6415 Punkte. Der FTSE-100 in London und der CAC-40 in Paris büßten jeweils rund drei Prozent ein. An der Börse in Madrid verloren die im IBEX-35 notierten Aktien 2,4 Prozent, in Mailand notierte der FTSE Mib 3,5 Prozent niedriger.

Händler verwiesen auf die Sorgen um die Weltwirtschaft und die europäische Schuldenkrise. Angesichts des dramatischen Kursverfalls wollen sich Frankreich, Deutschland und Spanien abstimmen. Dazu ist an diesem Freitag eine Telefonkonferenz des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero geplant.

Banges Warten auf Daten vom US-Arbeitsmarkt

Am Donnerstag waren die Kurse an der Wall Street abgerutscht. Der Dow Jones fiel mehr als vier, der Nasdaq-Index sogar mehr als fünf Prozent. Auch die Börsen in Lateinamerika und Europa gaben kräftig nach. In Frankfurt sank der Dax um 3,4 Prozent.

Neben den Sorgen vor einer Ausweitung der Schuldenkrise in Europa befürchten die Anleger, dass die US-Wirtschaft in die Rezession zurückfallen könnte und damit auch die Weltwirtschaft empfindlich schwächt. Die Investoren warteten nun mit Spannung auf neue Daten vom kriselnden US-Arbeitsmarkt, die später am Tag veröffentlicht werden, wie Analyst Fumihito Akiyama von Sparx Asset Management erläuterte.

Barroso will EU-Krisenfonds aufstocken

Frankreichs Präsident Sarkozy hatte bereits am Mittwoch und Donnerstag mit dem Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, die Situation an den Börsen erörtert. Diese hatten schon in den vergangenen Tagen weltweit Verluste verzeichnet. Zudem waren Italien und Spanien unter den Druck der Märkte geraten.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte vorgeschlagen, den inzwischen 440 Milliarden Euro schweren Krisenfonds EFSF weiter aufzustocken. In einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten forderte Barroso die Regierungen zu einer "raschen Überprüfung aller Elemente des EFSF" auf: Die Regierungen müssten sicherstellen, dass der Fonds "über die Mittel verfügt, um Ansteckungsgefahren zu bekämpfen".

Berlin gegen Ausweitung des EU-Krisenfonds

Eine Sprecherin Barrosos sagte dazu, mit "allen Elementen" sei auch die Finanzausstattung des bisher über ein Volumen von 440 Milliarden Euro verfügenden Krisenfonds gemeint. "Wir müssen überlegen, wie wir die Effizienz des EFSF und des (ab 2013 an dessen Stelle tretenden) ESM weiter verbessern können, um die derzeitige Ansteckung zu bekämpfen", schrieb Barroso. Keine Gegenliebe fand der Vorstoß in Berlin: Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wies die Idee Barrosos zurück und warnte davor, eine Debatte aus der Zeit vor dem Krisengipfel neu zu beleben. "So eine Debatte kommt zur Unzeit", sagte auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA. "Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da wurden weitreichende und gute Beschlüsse gefasst."

Die Rendite der zuletzt stark unter Druck geratenen italienischen Staatsanleihen sank am Donnerstag erneut knapp unter die Marke von sechs Prozent. Die mit Spannung erwartete Rede von Regierungschef Silvio Berlusconi zum Sparpaket stieß allerdings auf ein verhaltenes bis negatives Echo. Das Euro-Krisenland Spanien schaffte am Donnerstag trotz der jüngsten Finanzmarkt-Verwerfungen eine vergleichsweise erfolgreiche Auktion bei seinen Staatsanleihen - allerdings zu den höchsten Preisen seit drei Jahren.

fw/dho/DPA/Reuters DPA Reuters

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