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Umstrittene Iran-Geschäfte Großbank Standard Chartered kauft sich frei


Um den Verlust ihrer US-Lizenz abzuwenden, schließt die Bank Standard Chartered einen Vergleich. Das Institut zahlt den US-Behörden 340 Millionen Dollar - der Preis für mutmaßlich illegale Iran-Deals.
Von Christine Mai und Titus Kroder

Die britische Bank Standard Chartered hat sich im Streit um mutmaßlich illegale Transaktionen mit Geld aus dem Iran mit der link;http://www.dfs.ny.gov/banking/ea120806.pdf;Finanzaufsichtsbehörde von New York# auf einen Vergleich geeinigt. Wie das Department of Financial Services (DFS) am Dienstagabend mitteilte, zahlt das Institut eine Strafe von 340 Mio. Dollar. Außerdem stimmte Standard Chartered der Einsetzung eines externen Kontrolleurs zu. Er soll für mindestens zwei Jahre die Kontrollen der Bank gegen Geldwäsche überwachen.

Damit räumt die Bank einen Rechtsstreit aus dem Weg, der ihre Aktionäre schwer verunsichert hat. Die Titel des Instituts hatten in den vergangenen Tagen zeitweise rund ein Drittel an Wert verloren. Andere US-Behörden, darunter das Justiz- und das Finanzministerium sowie die Notenbank Federal Reserve, ermitteln allerdings ebenfalls gegen Standard Chartered. Hier steht eine Einigung noch aus.

Das DFS hatte Standard Chartered vergangene Woche beschuldigt, über zehn Jahre hinweg 250 Mrd. Dollar iranischer Gelder, trotz von den USA verhängten Sanktionen, über Konten bei der Bank abgewickelt und diese Geschäftsvorgänge verschleiert zu haben. Die New Yorker Behörde nannte das Institut in diesem Zusammenhang eine "Schurkenbank". Das DFS hatte damit gedroht, dem Geldhaus die US-Lizenz zu entziehen. Bei einer Anhörung an diesem Mittwoch sollte sich die Bank verteidigen, dieser Termin wurde nach Angaben der Behörde nun verschoben, nachdem der Vergleich steht.

Geldhaus war fast unbeschadet durch die Krise gekommen

Standard Chartered war nahezu unbeschadet durch die Finanzkrise gekommen – auch weil das Geldhaus bis zu 90 Prozent seines Gewinns in Schwellenländern Asiens, Afrikas und des Nahen Ostens erwirtschaftet. Ein Entzug der US-Lizenz hätte ein wichtiges Standbein der Bank, die Finanzierung von Handelsgeschäften in Dollar, empfindlich getroffen.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Vorstandsvorsitzende des Instituts, Peter Sands, nach New York geflogen war, um die Verhandlungen mit den US-Behörden über einen Vergleich persönlich zu leiten. Das hatte bereits darauf hingedeutet, dass die Verhandlungen an Geschwindigkeit gewinnen. Die Strafzahlung ist nach Ansicht von Analysten für die Bank wirtschaftlich gut verkraftbar.

Es bleibt allerdings die Rufschädigung. Standard Chartered hatte bislang deutlich besser dagestanden als viele Konkurrenten. In jüngster Zeit häufen sich die Bankenskandale – und viele britische Institute sind betroffen. So zahlte Barclays fast 500 Mio. Dollar für Manipulationen des Referenzzines Libor. Der ebenfalls britischen Bank HSBC wird in den USA Geldwäsche vorgeworfen. Etliche britische Politiker hatten eine vermeintliche Hexenjagd amerikanischer Behörden gegen britische Institute beklagt. Finanzminister George Osborne hatte mit seinem amerikanischen Amtskollegen Timothy Geithner telefoniert, um auf eine faire Behandlung britischer Banken zu dringen.

Standard Chartered hatte sich mit dem Argument verteidigt, dass der größte Teil der strittigen 250 Mrd. Dollar mit einer legalen Ausnahmegenehmigung transferiert worden sei. Nur Zahlungen in Höhe von 14 Mio. Dollar – etwa ein Prozent der 60.000 Einzelüberweisungen – hätten gegen die Sanktionen verstoßen. Sie verbieten es westlichen Häusern, mit bestimmten Banken oder der iranischen Regierung nahestehenden Finanzdienstleistern Geschäfte zu machen.

Christine Mai und Titus Kroder FTD

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