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US-Autobauer: Krise noch schlimmer als befürchtet

Die "Big Three" der US-Autobranche stehen vor dem Abgrund. Nach einem erneuten dramatischen Absatz-Einbruch im November haben Ford, GM und Chrysler vom US-Kongress Kredite in Höhe von 34 Milliarden Dollar gefordert, um ihr Überleben zu sichern. GM will zudem mehr als 30.000 Arbeitsplätze streichen und sich von zwei Marken trennen.

Die Krise der amerikanischen Autohersteller hat dramatischere Ausmaße, als bisher angenommen. Die drei Konzerne General Motors (GM), Ford und Chrysler ersuchten den US-Kongress um neue Kredite von insgesamt 34 Milliarden Dollar. Die Lage ist akut: Die Opel-Mutter GM will vier Milliarden Dollar noch im Dezember haben. Auch Chrysler braucht die angefragten sieben Milliarden Dollar bis Jahresende. Die Autobauer beantragten die Kredite zur Vorlage eines Sanierungsprogramms im US-Kongress. Die Abgeordneten hatten überzeugende Zukunftspläne zur Voraussetzung für die dringend benötigten Finanzhilfen gemacht. Bisher hatten sie allerdings nur über neue Kredite von insgesamt 25 Milliarden Dollar für die drei Konzerne beraten.

Parallel gaben die "Big Three" der US-Autobranche dramatische Absatzeinbrüche im November bekannt. Der größte US-Autobauer GM erklärte, der Verkauf sei in den vergangenen zwei Monaten bereinigt um die Bevölkerungszahl so stark zurückgegangen wie seit einem halben Jahrhundert nicht mehr. Bei GM ging der USA-Absatz im November um 41 Prozent auf knapp 155.000 Fahrzeuge zurück, Ford verkaufte 31 Prozent weniger Fahrzeuge (123.000) als ein Jahr zuvor. Bei Chrysler brachen die Verkaufszahlen um rund 30 Prozent ein. Auch die deutschen Hersteller erlebten im wichtigen US-Markt eine Talfahrt. Bei BMW sanken die Verkäufe um 26,8 Prozent, bei Daimler um 30 Prozent und bei VW um 19,2 Prozent. Beim Sportwagenhersteller Porsche halbierten sich die Verkaufszahlen nahezu.

General Motors ersuchte den US-Kongress um neue Kredite von 12 Milliarden Dollar bis Ende 2009, um die Liquidität aufrechtzuerhalten. Sollte die Krise weiter andauern, würden noch einmal sechs Milliarden Dollar gebraucht. Dafür verspricht die Opel-Mutter, verstärkt in umweltfreundliche Modelle wie den Elektrowagen Chevy Volt zu investieren sowie die Kostensenkungen zu beschleunigen. Der Konkurrent Ford braucht bis zu neun Milliarden, hofft aber, auf das Geld nicht unbedingt zugreifen zu müssen. Ford-Chef Alan Mulally erklärte, er wolle für nur einen Dollar im Jahr arbeiten, wenn sein Unternehmen Hilfsgelder von der Regierung annehmen müsse. Auch GM-Chef Rick Wagoner gab ein entsprechendes Versprechen ab. Chrysler-Boss Robert Nardelli hatte dies bereits im November zugesagt.

Saab und Saturn werden möglicherweise verkauft

General Motors will wegen der Krise bis zum Jahr 2012 zusätzlich 31.500 Arbeitsplätze in den USA streichen. Der Konzern kündigte an, seine Marken Saab und Saturn möglicherweise zu verkaufen. Die schwedische Tochter Saab könne auch geschlossen werden, teilte Konzern-Vizechef Frederick Henderson sagte dem Stockholmer Rundfunksender SR mit. In den USA werde man sich künftig auf vier zentrale Marken konzentrieren: Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC. Die GM-Ankündigung löste sofort neue Spekulationen über eine drohende Pleite aus. Das "Wall Street Journal" berichtete, die ranghohen Funktionäre der Autoarbeiter-Gewerkschaft UAW befürchteten eine Insolvenz von General Motors noch vor Weihnachten, falls die Milliarden vom Staat nicht kämen. Das Unternehmen selbst betonte am Dienstag, es wolle eine Insolvenz unbedingt verhindern und setzte alles daran, die Hilfen aus Washington zu bekommen. GM befürchtet, dass im kommenden Jahr im US-Markt nur noch 10,5 Millionen Autos verkauft werden können. Das wäre ein dramatischer Rückgang von den zuletzt üblichen mehr als 15 Millionen. Das Unternehmen glaubt, schon bei einem Marktvolumen von 12,5 bis 13 Millionen Fahrzeuge profitabel sein zu können.

In Deutschland bereitet sich Opel schon seit Mitte November auf eine Pleite der Konzernmutter vor und bat für diesen Fall um staatliche Bürgschaften von mehr als einer Milliarde Euro. Die Bundesregierung will bis Weihnachten darüber entscheiden.

Ford legte am Dienstag dem US-Kongress ein Konzept vor, nachdem das Unternehmen durch ein Staatsdarlehen über neun Milliarden Dollar bis 2011 wieder profitabel werden soll. Über die nächsten sieben Jahre sollen 14 Milliarden Dollar investiert werden, um den Benzinverbrauch der Ford-Flotte zu senken. Außerdem will das Unternehmen seine fünf Firmenjets verkaufen.

Es wurde erwartet, dass alle drei Chefs der US-Autokonzerne zu weiteren Anhörungen an diesem Donnerstag und Freitag nach Washington kommen werden. Bei einem ersten Auftritt vor zwei Wochen waren ihre Forderungen nach Milliardenkrediten im Kongress auf Skepsis gestoßen.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters